Jenseits unseres Sonnensystems Forscher entdecken erdnächsten Planeten

Mit einem großen Arsenal astronomischer Instrumente suchen Wissenschaftler nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems und haben bereits viele entdeckt. Nun glauben sie, ein ganz besonderes Exemplar gefunden zu haben.

Forscher sind sich sicher, einen Planeten außerhalb des Sonnensystems entdeckt zu haben, auf dem Leben möglich ist. Quelle: dpa

Forscher haben nach eigenen Angaben den erdnächsten Planeten jenseits unseres Sonnensystems entdeckt. Dort könnten Bedingungen herrschen, die Leben ermöglichen. Doch dahinter stehen noch viele Fragezeichen, wie die Astronomen um Guillem Anglada-Escudé von der Queen Mary Universität in London betonen. Sie sprechen daher von einem „Planeten-Kandidaten“. An der Entdeckung waren auch deutsche Wissenschaftler beteiligt.

Für eine nähere Charakterisierung muss sich vor allem die Technik verbessern. Denkbar seien etwa hochauflösende Spektroskopie in den nächsten Jahrzehnten und möglicherweise sogar Roboterexpeditionen in den kommenden Jahrhunderten, schreiben die 31 Autoren der Studie im Fachmagazin „Nature“.

Durch indirekte Verfahren unter anderem mit Teleskopen der Europäischen Südsternwarte (Eso/Garching) in Chile ist es dem Team gelungen, Hinweise auf einen sogenannten Exoplaneten bei Proxima Centauri zu sammeln. Das ist der nächste Nachbarstern unserer Sonne mit einen Abstand von rund 40 Billionen Kilometern.

Die schönsten Bilder aus dem Weltall
Das Magnetfeld der Sonne Quelle: NASA, SDO, AIA, LMSAL
Der Zwergplanet Ceres Quelle: dpa
Ceres ist ein gescheiterter Planet, der bei der Entstehung des Sonnensystems übriggeblieben ist. Quelle: dpa
EarthArt von Nasa-Astronaut Scott Kelly Quelle: Nasa
Der Mond von hinten Quelle: REUTERS
Nasa hat im Juli 2015 einen erdähnlichen Planeten entdeckt Quelle: AP
Die Erde voll im Blick Quelle: Nasa
Die Sonne in Ultraviolett Quelle: Nasa
Die Bahamas von der ISS Quelle: Screenshot
Pluto hat ein Herz Quelle: Nasa
Sonnenuntergang für Astronauten Quelle: Screenshot
Skurrile Mars-Landschaft Quelle: Nasa
Das Auge des Sturms Quelle: Nasa
Hubble zeigt ein Sternenmeer Quelle: Nasa/Esa

Der Planet umkreist Proxima Centauri den Berechnungen zufolge mit einer Umlaufzeit von 11,2 Tagen in einem Abstand von sieben Millionen Kilometern. Die Entfernung zwischen Erde und Sonne beträgt ungefähr 20 mal so viel. Seine Masse entspricht nach Schätzungen dem 1,3-Fachen der Erdmasse. Nach dem üblichen System haben die Forscher ihn Proxima Centauri b genannt - oder kurz: Proxima Cen b.

Planet befindet sich offenbar in Zonen flüssigen Wassers

Das Entscheidende: Der Planet soll sich in der sogenannten habitablen Zone befinden, in der die Temperaturen die Existenz von flüssigem Wasser erlauben – was wiederum als Voraussetzung für Leben angesehen wird. Das ist möglich, obwohl er seinen Stern relativ nah umkreist. Denn Proxima Centauri ist ein roter Zwergstern, der deutlich leichter und dunkler ist als unsere Sonne. Mit ihr verglichen liegt Proximas Masse bei 12 Prozent, die Leuchtkraft bei gerade einmal 0,17 Prozent. Ob es auf dem potenziellen Planeten aber Wasser gibt, wissen die Forscher nicht.

Und es gibt viele Unwägbarkeiten: Womöglich rotiert Proxima Cen b so, dass er dem Stern immer dieselbe Seite zuwendet – dort wäre es ewig heiß, auf der anderen Seite ständig kalte Nacht. „Es ist unklar, wie Leben unter solchen ungünstigen Bedingungen entstehen kann“, schreiben Forscher vom Max-Planck-Institut (MPI) für Astronomie in Heidelberg, die an der Studie beteiligt sind. Zudem bombardiere Proxima Centauri seinen Begleiter mit hochenergetischen Teilchen und Röntgenstrahlung. Unklar ist auch, ob Proxima Cen b wie die Erde eine Atmosphäre hat, die ihn davor schützen könnte.

Raumfahrt-Bilder, die Geschichte schrieben
Das Weltraumteleskop „Hubble“ hat das bislang farbenprächtigste Porträt des Universums geliefert. Ein neues Panorama der US-Weltraumbehörde NASA schließt erstmals ultraviolettes Licht ein, das normalerweise für das menschliche Auge nicht sichtbar ist. Auf dem Panorama, das aus mehr als 800 Fotos von „Hubble“ erstellt wurde, ist es als helles blau mit drehenden Galaxien zu sehen, die fünf bis zehn Milliarden Jahre alt sind. Insgesamt zeigt das Panorama an die 10.000 mehrfarbige Galaxien. „Hubble“-Astronom Zolt Levay sagte, durch die Hinzufügung von Ultraviolett und Infrarot könne man jetzt das breite Farbenspektrum des Universums „und noch einiges mehr“ sehen. Quelle: Reuters
Im Oktober 2913 schaute die Welt gebannt auf den Österreicher Felix Baumgartner. Der Extremsportler sprang aus 39 Kilometern höhe aus der Stratosphäre zurück auf die Erde. Weitere Bilder und Informationen zum Rekord-Sprung. Quelle: dapd
Zweimal hatte das Raumschiff den Mond schon umkreist, da änderte Kommandant Frank Borman ein klein wenig dessen Ausrichtung - und traute seinen Augen nicht. „Oh Gott! Seht euch dieses Bild da an“, rief er den beiden anderen Astronauten der „Apollo 8“-Mission zu. „Hier geht die Erde auf. Mann, ist das schön!“ Kollege William Anders griff nach einer Kamera, schraubte das längste Objektiv drauf, was er finden konnte, legte einen Farbfilm ein und knipste los. „Ich habe einfach klick-klick-klick-klick-klick gemacht“, erinnerte sich Anders, der am 17. Oktober 80 Jahre alt wird, später. Heraus kam eines der wohl bekanntesten Fotos der Welt: „Earthrise“ (Erdaufgang). Quelle: dpa
Die Crew der Apollo 8 (l-r): James A. Lovell, William A. Anders und Frank Borman in Kap Kennedy (Florida) im November 1968. Es war die zweite bemannte Raumfahrt des amerikanischen Apolloprogramms und der erste bemannte Mond zum Mond. Quelle: dpa
Apollo 11 trat im Jahr 1969 die Reise zum Mond an. Es war die erste Mission die auf dem Erdtrabanten landete und von dort auch wieder zurück zur Erde flog. Neil Armstrong war der erste Mensch auf dem Mond. Quelle: AP
Die Mission hielt die Öffentlichkeit in Atem. Nach dem Abflug besuchte der damalige US-Präsident Richard Nixon die Astronauten Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin Aldrin (von links). Die Astronauten befanden sich nach ihrer Rückkehr vom Mond für einige Tage in Quarantäne. Quelle: dpa
Bruce McCanndless war der erste Astronaut, der sich ohne Sicherheitsleine durch das Weltall bewegt hat. Dafür trug er bereits 1984 einen Raketentornister, mit dem er sich selbständig von der Raumstation wegbewegen konnte. Quelle: NASA
1986 mussten Millionen Fernsehzuschauer mit ansehen, wie die Raumfähre Challenger explodierte. Die siebenköpfige Mannschaft kam bei dem Unglück ums Leben. Grund für die Explosion waren defekte Dichtungsringe in einer der seitlichen Wasserstoffraketen. Im Anschluss musste das Space Shuttle Programm der USA vorübergehend eingestellt werden. Quelle: dapd
Im Jahr 2003 erlebt die Amerikanische Raumfahrt die nächste Katastrophe. Die US-Raumfähre "Columbia" zerfällt beim Eintritt in die Atmosphäre in großer Höhe über Nordtexas in mehrere Teile. Alle sieben Astronauten kamen bei dem Unglück ums Leben. Quelle: dpa
Damit stand für den 2005 geplanten Start der Raumfähre "Discovery" nicht nur das Prestige der US-Raumfahrtbehörde NASA auf dem Spiel, sondern auch die Zukunft des bemannten Raumfahrtprogramms der USA. Mehr als zweieinhalb Jahre nach der "Columbia"-Tragödie startet am 13. Juli um 21.51 Uhr (MESZ) erstmals wieder vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ein Spaceshuttle mit sieben Astronauten an Bord. Quelle: REUTERS
Einmal Winken beim Weltraumspaziergang: Der Japaner Soichi Noguchi war einer der ersten Astronauten, der zwischen 2009 und 2010 von der International Space Station regelmäßig Bilder über Twitter verbreitete. Heute machen es ihm etliche Astronauten nach. Zu den atemberaubenden Twitterbildern der ISS-Astronauten. Quelle: dpa/dpaweb
Der Mars-Rover Curiosity der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa schickt als erstmals hochaufgelöste Farbbilder vom Roten Planeten. Was der Rover auf seiner Forschungstour auf dem Mars bereits entdeckt hat. Quelle: dpa

Konkretere Informationen über die Umweltbedingungen auf dem möglichen Planeten sollen weitere Beobachtungen ergeben. Sollte es dort sogar Leben geben, dürfte ein möglicher Nachweis nach Einschätzung der Forscher aber noch einige Jahrzehnte auf sich warten lassen.

„Was uns Wissenschaftlern besonders gefällt: Das ist der häufigste Sternentyp“, sagte MPI-Astronom Martin Kürster der Deutschen Presse-Agentur. 70 bis 80 Prozent der Sterne in der Milchstraße seien rote Zwerge. „Wenn es schon beim ersten einen Treffer gibt, legt das die Vermutung nahe, dass es viele solcher Planeten gibt.“ Bislang haben Astronomen den Angaben zufolge mehr als 3500 extrasolare Planeten entdeckt, doch keinen so nah an unserem Sonnensystem.

Dass die Forscher erst jetzt Hinweise auf Proxima Cen b fanden, liegt an Messmethoden und -grenzen. Mit einem Eso-Spektographen und einer Methode, die minimale Sternbewegungen nachweist, fand Anglada-Escudé Indizien für einen Planeten. Viele Nachmessungen und der Vergleich mit alten Messdaten von MPI-Forscher Kürster belegen nach Einschätzung der Experten, dass es kein stellares Störsignal ist.

„Die Signale sind mit extrem hoher Signifikanz vorhanden und über jeden Zweifel erhaben“, sagte Kürster. Fraglich sei die Interpretation gewesen. Ein Planet sei die „weitaus plausibelste“ Erklärung für die zahlreichen Indikatoren. „Die Wahrscheinlichkeit für einen Planeten liegt bei nahezu 100 Prozent.“

Bis die Forscher Proxima Cen b direkt abbilden können, dauert es. Für die heutige Technik sei der Stern zu hell, der Planet ihm zu nah. „Möglicherweise schafft die nächste Generation von Teleskopen das“, sagte Kürster. Sie solle Mitte des nächsten Jahrzehnts in Betrieb gehen.

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