Jupitermonde

Wasser fließt bei minus 140 Grad

Meike Lorenzen
Meike Lorenzen Ehem. Redakteurin Technologie WirtschaftsWoche Online

Auf der Suche nach Wasser will die European Space Agency zum Jupiter und seinen Monden fliegen. Über eine erfolgsversprechende Mission in eine Region, in der trotz Eiseskälte Leben möglich ist.

Die Illustration der Esa zeigt, wie die Raumsonde JUICE sich zwischen dem Gasriesen Jupiter und seinem Mond Ganymed bewegen könnte. Quelle: Presse

Zehn Jahre lang sucht die Raumfahrtorganisation Nasa bereits auf dem Mars nach Wasser. Erst kürzlich konnten die Amerikaner die Nachricht verkünden, dass es auf dem Roten Planeten tatsächlich H2O – und damit eventuell auch lebensfreundliche Bedingungen - gegeben hat.

Geschlossen haben die Forscher das aus der Entdeckung von Flusskieseln durch den Marsrover Curiosity. Die Marskiesel seien irdischen bemerkenswert ähnlich und der bislang beste Beleg für die Existenz früherer Flüsse auf dem Roten Planeten, betont das Fachjournal Science, in dem das Team um Rebecca Williams vom Planetary Science Institute in Tucson ihre Erkenntnisse veröffentlichte. Rund 515 Kiesel sind auf den Aufnahmen gesichtet worden, die Curiosity am Gale-Krater gemacht hat.

Curiosity kommt in die Jahre
März 2017Curiosity hat inzwischen deutliche Abnutzungsspuren. Ein Routine-Check der Reifen im März zeigt, dass es am linken mittleren Reifen zwei Brüche der sogenannten Stege im Profil gibt. Der Rover hat während seiner Reise über den Roten Planeten inzwischen etwa 16 Kilometer zurückgelegt. Curiosity-Projektmanager Jim Erickson sagte, alle sechs Reifen hätten trotz der sichtbaren Schäden noch genug Lebenszeit, um den Rover zu allen geplanten Orten zu bringen. Die regelmäßige Überwachung der Reifen wurde eingeführt, nachdem die Forscher im Jahr 2013 deutlich mehr Dellen und Löcher in den Rädern entdeckt hatten, als erwartet worden war. Tests auf der Erde hatten gezeigt, dass der Bruch von drei Stegen zeigt, dass etwa 60 Prozent der Lebenserwartung des Reifens erreicht sind. Curiosity hat aber bereits deutlich mehr als diesen Anteil an der geplanten Strecke zurückgelegt. Quelle: NASA/JPL-Caltech/MSSS
US-Präsident Barack Obama verlässt das Weiße Haus - und auch Curiosity verabschiedet sich. Quelle: Screenshot
Mars: Curiosity untersucht Meteoriten Quelle: NASA, JPL-Caltech, LANL, CNES, IRAP, LPGNantes, CNRS, IAS, MSSS
September 2016Die Kuppen und herausstehenden Felsen aus Schichtgestein am Mount Sharp entstanden wohl aus von Wind abgelagertem Sand. Sie erinnern stark an Wüstenlandschaften auf der Erde, etwa im Grand Canyon oder dem Monument Valley. Quelle: NASA
September 2016Der Rover sendet neue Fotos vom Mars: Im Hintergrund der Aufnahme ist der Rand des Gale-Kraters zu sehen, in dem Curiosity seit 2012 aktiv ist. Geologisch ist die Region besonders interessant, da sie die Untersuchung zahlreicher Gesteinsschichten ermöglicht. Der etwa fünf Kilometer hohe Mount Sharp liegt in der Mitte des Gale-Kraters. Quelle: NASA
Juli 2016Curiosity kann jetzt seine eigenen Ziele für die Laser-Analyse auswählen. Bisher wurden diese von der Erde aus anhand von Fotos ausgewählt. Die Wissenschaftler auf der Erde werden dadurch aber nicht ersetzt: Die neue Funktion soll vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn die Nasa-Forscher anderweitig beschäftigt sind. Curiosity sendet auch nicht ständig Bilder, sondern am Ende seiner Wegstrecken. Bisher könnten wichtige Objekte auf Fahrten daher übersehen worden sein. Quelle: NASA
Curiosity: Mars hatte wahrscheinlich einst eine sauerstoffreiche Atmosphäre Quelle: dpa

Während die Amerikaner ihre Erfolge feiern, bereiten sich die Europäer auf eine neue Mission vor, die womöglich weitaus Spektakuläreres zu bieten hat: Nämlich nicht nur geschliffene Kieselsteine, sondern tatsächliche flüssiges Wasser im All. Eine Forschungssonde soll sich in den Tiefen des Alls auf die Suche machen. Das entsprechende Projekt der European Space Station (Esa) heißt JUICE. Der etwa verwirrende Name steht für "Jupiter Icy Moon Explorer", und sagt letztlich wohin die Reise genau geht: Zu den Jupitermonden Ganymed, Kallisto und Europa.

"Wir wissen, dass es Ozeane mit flüssigem Wasser unter der gefrorenen Oberfläche einiger Jupitermonde gibt", sagt Norbert Krupp vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS). Das MPS ist mit zwei Geräten an der gesamteuropäischen, milliardenschweren Mission beteiligt, die die Lage vor Ort genauer untersuchen sollen. So wird ein sogenanntes Submillimeter Wave Instrument entstehen, das im Jupitersystem chemische Verbindungen wie Wasser, Methan und Kohlenstoff aufspüren kann. Außerdem wird die Einrichtung ein Elektronenspektrometer beisteuern.

Die Raumsonde trägt insgesamt elf wissenschaftliche Instrumente an Bord. JUICE wurde im Mai vergangenen Jahres im Rahmen einer Ausschreibung von der Esa als nächste große wissenschaftliche Mission aus Europa ausgewählt. Schon exklusive der Instrumente belaufen sich die Kosten für das Projekt auf insgesamt eine Milliarde Euro. "Ursprünglich war eine Mission bestehend aus zwei Raumsonden in Kooperation mit der Nasa geplant. Die Amerikaner sind aus finanziellen Gründen abgesprungen", sagt Norbert Krupp.

Gewissheit durch Forschung

JUICE baut auf Erkenntnissen früherer Raumfahrten auf. So sind seit den 1970er Jahren zum Beispiel die Nasa-Sonden Voyager I und II für "Schnappschussmessungen" am Jupiter vorbeigeflogen. Ebenso der Orbiter Cassini, den 1997 ebenfalls die Amerikaner in Richtung Saturn schickten. Weitere Daten wurden bei den Vorbeiflügen der Ulysses (Projekt zur Erkundung der Sonne) und der New Horizons (Mission zum äußeren Rand des Sonnensystems) gesammelt. Die wohl bekannteste Jupiter Mission startete die Nasa 1995 (bis 2003) mit dem Projekt Galileo. Derzeit unterwegs ist die Sonde Juno, die das Jupitersystem gegen 2016 erreichen wird und sich vor allem die polaren Bahnen des Planeten genauer anschauen wird.

Die Auswertung aller gesammelter Daten hat ergeben, dass es auf den Jupitermonden gigantisch große unterirdische Meere geben müsste. Außerdem vermuten die Wissenschaftler, dass es in dem Magnetfeld des Jupitersystems sogar Atmosphären gibt, die die Wahrscheinlichkeit für Leben stark erhöhen. "Es ist unglaublich spannend, die Jupitermonde auf Habitabilität zu untersuchen", sagt Norbert Krupp. Dennoch konnte innerhalb unseres Sonnensystems kein Ort – außer der Erde – gefunden werden, an dem die Voraussetzungen für Leben gegeben sind.

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