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Kernkraft Das lukrative Geschäft mit dem Atomausstieg

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Sogar der Staat profitiert

Die Branche hofft, ihr wertvolles Know-how auch exportieren zu können. Denn auf der ganzen Welt kommen Atommeiler in die Jahre und müssen außer Betrieb genommen werden oder entscheiden sich Nationen ähnlich wie Deutschland, auf die Technik zu verzichten. Allein in Europa geht die Europäische Kommission davon aus, dass bis 2025 etwa ein Drittel der 145 derzeit aktiven Kernkraftwerke stillgelegt sein wird. „Diese Marktchancen möchten wir nutzen“, verkündet Henry Cordes, Geschäftsführer der Energiewerke Nord (EWN) aus dem vorpommerschen Rubenow, stellvertretend für viele der deutschen Anbieter der Branche. Die EWN sind selbst an vielen deutschen Projekten beteiligt und besonders in Osteuropa bereits gut vernetzt.

Das Unternehmen ist Rechtsnachfolger des früheren Kernkraftwerk-Kombinats Bruno Leuschner in der DDR. Ursprünglich sollte es nur die fünf Reaktorblöcke russischer Bauart in Lubmin zurückbauen, doch mittlerweile vermarkten die EWN ihre Erfahrung weltweit.

So unterstützten die ostdeutschen Experten die Sicherung der Reaktoren im ukrainischen Tschernobyl, sie halfen bei der Abrüstung russischer Atom-U-Boote und bekamen im litauischen Ignalina den Auftrag zur Planung der Stilllegung des dortigen Atomkraftwerks ebenso wie für das im bulgarischen Kosloduj. Aber natürlich „wollen international viele mitspielen und mitverdienen“, weiß Geschäftsführer Cordes. So etwa der französische Nuklearkonzern Areva oder die amerikanische Westinghouse Electric, eine Toshiba-Tochter.

Für sie ist das womöglich ein Geschäft für die Ewigkeit. Denn auch nach Phase fünf sind die Arbeiten nicht zu Ende. In Stade etwa werden die Abfälle bis zu 40 Jahre aufbewahrt, bis sie ins Endlager wandern können. Die Suche nach dessen Standort soll dieses Jahr beginnen, 2045 soll es in Betrieb gehen. Um dann für Tausende Jahre das radioaktive Erbe – so sicher wie möglich – zu verwahren.

Forschung



Neben dem technisch Machbaren ist vor allem fraglich, ob die großen Atomkraftwerksbetreiber finanziell durchhalten. Ihre Geschäfte bröckeln derzeit weg, das Ende der Leistungsfähigkeit ist nahe (siehe WirtschaftsWoche 49/2015). Um dennoch die Finanzierung von Rückbau und Endlagerung zu sichern, hat die Bundesregierung eine eigene Atom-Kommission eingesetzt, die bis Ende Februar eine Lösung finden soll. Ironie des Schicksals: Wie auch immer die Lösung aussehen wird – der Bund, auf dessen finanzielle Hilfe die Konzerne spekulieren, profitiert immerhin vom Abbau der Kraftwerke: Die EWN gehört dem Bundesfinanzministerium.

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