Körpereigene Abwehrstoffe Mögliche Universal-Waffe im Kampf gegen neue Seuchen

Ein internationales Forscherteam rund um das schweizerische Biotech-Unternehmen Humabs Biomed hat ein wirksames Mittel gegen die lebensgefährliche Atemwegsinfektion MERS gefunden – es vermehrt die Abwehrstoffe eines Überlebenden. Die Technik lässt sich auf fast alle neuen Seuchen übertragen, die derzeit die Welt in Angst und Schrecken versetzen.

Die Infektionskrankheit MERS kostete bereits hunderte Menschen das Leben. Jetzt soll ein biotechnisch vermehrter Antikörper gegen das Virus helfen. Quelle: REUTERS

In Südkorea ist der jüngste Ausbruch des für den Menschen oft tödlichen Kamelschnupfens MERS gerade erst verebbt. Die Bilanz: 36 der 185 Erkrankten starben, wochenlang legte das Virus das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben des aufstrebenden Tigerstaates lahm. Universitäten und Schulen blieben geschlossen, und Urlauber mieden das Land, so dass sich das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal auf 0,3 Prozent gegenüber 0,8 Prozent im ersten Quartal verlangsamte.

Wie gegen viele der derzeit auf der Welt grassierenden neuen Seuchen gab es bisher kein wirksames Medikament gegen die Krankheit, die wie eine simple Grippe beginnt, aber gerade bei älteren oder gesundheitlich geschwächten Menschen schnell zu einer tödlichen Lungenentzündung mit Nervenversagen führt.

Die wichtigsten Fakten zum Mers-Virus

Das könnte sich möglicherweise bald ändern, denn ein internationales Forscherteam rund um das Biotech-Unternehmen Humabs Biomed aus dem Schweizerischen Bellinzona hat ein wirksames Mittel gegen die lebensgefährliche Atemwegsinfektion gefunden – es vermehrte die Abwehrstoffe eines Überlebenden. Im Tierversuch waren diese sogenannten Antikörper höchst wirksam gegen alle drei derzeit problematischen MERS-Stämme, was die Wissenschaftler in einer gerade veröffentlichten Studie zeigen konnten. Sie konnten sowohl infizierte Mäuse heilen als auch gesunde Mäuse davor schützen, nach einer Ansteckung mit MERS ernsthaft zu erkranken.

Die aktuelle Arbeit im hoch angesehenen Wissenschaftsmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ dürfe aber auch über MERS hinaus einiges Aufsehen erregen, schätzt Humabs Biomed-Chef Alcide Barberis, denn „die Technik lässt sich auf fast alle neuen Seuchen übertragen, die derzeit die Welt in Angst und Schrecken versetzen.“

Tatsächlich arbeitet seine Firma – alleine oder in Kooperation mit Pharmagrößen wie Novartis und Medimmune – bereits an entsprechenden Wirkstoffen etwa gegen SARS, Ebola, das Dengue-Fieber, Tollwut, Grippe oder gegen Antibiotika resistente Bakterien. Denn das Prinzip ist immer gleich. Möglichweise haben die Forscher eine Art Universal-Waffe gefunden.

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