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Künstliche Intelligenz in der Diagnostik KI könnte Heilungschancen massiv verbessern

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Müssen Radiologen um ihren Job fürchten?

Einmal trainiert, arbeitet die KI blitzschnell. Und könnte im Zweifel sogar Leben retten, etwa in der Notfallaufnahme von Krankenhäusern. Dort werden Patienten mit Verletzungen direkt per Computertomographen oder Röntgengerät untersucht. „Es kann beispielsweise sein, dass jemand eine Hirnblutung hat“, sagt Nuance-Forscher Lenke. „Wenn man Pech hat, hat der Arzt erst nach zwei Stunden Zeit, sich das entsprechende Bild anzuschauen.“ KI könnte hier direkt eine Diagnose liefern und die Chancen der Heilung massiv verbessern.

Trotzdem geht es den Aachenern nicht darum, KI zum Chefarzt zu machen. „Wir wollen Radiologen helfen“, sagt Lenke, „aber sie nicht ersetzen.“ Viele Ärzte sehen die Technik jetzt schon als Erleichterung in einem Job, der viel Arbeit und Konzentration erfordert. Und je feinteiliger moderne CT- oder MRT-Geräte Organe vermessen, desto mehr Bilder gilt es zu sichten. „Ein einziges Lungenscreening enthält 600 bis 800 Bilder“, sagt Michael Forsting, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie am Universitätsklinikum Essen. Künftig könnte diese Untersuchung zur Vorsorge an Millionen Patienten regelmäßig durchgeführt werden. „Die Bilder können sich Radiologen dann gar nicht mehr alle anschauen.“ KI schafft das.

Zudem gilt in vielen Bereichen heute noch das Vier-Augen-Prinzip: Zwei Radiologen müssen sich die Bilder unabhängig voneinander anschauen. Auf Radiologen-Kongressen wird nun schon diskutiert, ob Künstliche Intelligenz einen von zwei Radiologen ersetzen und damit viel Arbeit sparen kann. In Ländern wie China, sagt Forsting, gebe es gar nicht genug ausgebildete Ärzte, um jeden Patienten untersuchen zu können. KI für die Radiologie könne da Abhilfe schaffen.

Der Job des Radiologen werde trotzdem nicht wegfallen - sondern sich verändern, glaubt der Essener Experte. Das erwartet auch Ajay Agrawal, KI-Experte aus Kanada und Autor des Buches „Prediction Machines“. Radiologen würden künftig weniger Zeit damit verbringen, Bilder anzuschauen, sagt er zwar voraus. Doch ihnen bleibe noch eine ganze Weile die Aufgabe, die Entdeckungen der KI einzuschätzen und anderen Ärzte zu erläutern.

KI wird also vermutlich nicht gleich alle Radiologen arbeitslos machen. Am ehesten müssen jene Radiologen um ihren Job fürchten, die sich weigern, mit Künstlicher Intelligenz zusammenzuarbeiten.

So groß ist der Einfluss von KI

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