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Mars-Mission „Sind wir allein im Universum?“

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Rollendes Superlabor

Mitarbeiter beobachtet die Landung des Mars Science Laboratory Quelle: Presse

In Darmstadt bekommen die Raumfahrtexperten und Journalisten erst 14 Minuten später mit, ob alles geklappt hat. Solange brauchen die Funksignale vom Mars zur Erde. Es ist eine aufreibende Viertelstunde, auch für die Esa-Wissenschaftler. Die Landetechnik ist völlig neu - und so kompliziert, dass nicht der kleinste Fehler passieren darf.

„Skycrane gestartet“, tönt es um kurz nach halb acht plötzlich aus dem Nasa-Kontrollzentrum, das per Videoverbindung auf einem Bildschirm in Darmstadt zugeschaltet ist. Applaus brandet auf: Eines der wichtigsten Landemanöver hat funktioniert. Dann Sekunden der Ruhe - und endlich die Erfolgsmeldung: „Touchdown completed“ - Curiosity ist sicher gelandet.

Esa-Missionsbetriebsleiter Manfred Warhaut ballt die Fäuste zu einer Siegesgeste, Thomas Reiter, Direktor für bemannte Raumfahrt bei der Esa, der sich eben noch vor Anspannung auf die Unterlippe gebissen hat, lacht erleichtert auf.

Und dann bricht großer Jubel aus: Curiosity sendet das erste Foto vom Mars zur Erde. Im Kontrollzentrums in den USA fallen sich die Mitarbeiter derart ausgelassen in die Arme, dass man sich bald fragen muss, ob überhaupt noch jemand die Instrumente bedient.

Die spektakulären Mars-Bilder
Mars-Ansicht Quelle: AP
NASA-Chef Charles Bolden glaubt fest an die Existenz außerirdischen Lebens. „Wir hoffen wirklich, Leben auf dem Mars zu entdecken“, sagte der Administrator der US-Luft- und Raumfahrtbehörde der „Berliner Zeitung“. Immerhin sei belegt, dass es die Voraussetzungen für Leben, zum Beispiel Wasser, auf dem Mars gebe. Er habe zwar als Astronaut noch nie einen Alien gesehen. „Trotzdem glaube ich fest daran, dass es außerirdisches Leben gibt - vor allem angesichts der unendlichen Größe des Universums, in dessen Tiefe wir nicht ansatzweise vorgedrungen sind“, sagte Bolden. Erkenntnisse darüber soll vor allem der Rover "Curiosity" bringen, der am 6. August auf dem Mars landete. Dies ist eine der ersten Aufnahmen des Rovers. Quelle: dpa
Dieses Bild hat die Sonde Mars Reconnaissance Orbiter aufgenommen, es zeigt "Curiosity" am Landefallschirm etwa 16 Meter vor der Oberfläche. Quelle: REUTERS
Hier sieht man sein wesentliches Ziel: den Mount Sharp, wo das Fahrzeug nach Spuren von Leben suchen soll. Quelle: REUTERS
„Curiosity“ hat auch deutsche Technik an Bord: Das Messgerät „Made in Kiel“ ist etwas kleiner als ein Schuhkarton und nur gut anderthalb Kilo schwer. Der sogenannte Radiation Assessment Detector verbraucht weniger Strom als eine Energiesparlampe, seine Aufgabe: Verschiedene Arten von Strahlen zu messen. Die Kieler Universität habe nun eine Außenstelle auf dem Mars, freute sich der Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Prof. Wolfgang J. Duschl. Quelle: REUTERS
NASA-Testfahrzeug Quelle: rtr
Panoramabild Mars Opportunity Quelle: NASA

Dabei ist auf dem winzigen Schwarz-Weiß-Foto kaum etwas zu erkennen. Erst das zweite Bild zeigt allerlei Marsgestein, den Schatten des Rovers und eine gleißende Sonne am Marshimmel. „Das ist unglaublich“, ruft einer der Amerikaner, „man sieht bis zum Horizont.“Dieses Bild, hoffen die Forscher, soll der Auftakt werden zur Erkundung einer neuen Welt.

Denn im Vergleich zu den drei vorherigen Marsrovern der Nasa ist Curiosity ein rollendes Superlabor. Es soll der Wissenschaft viel tiefere Blicke in die Entstehungsgeschichte des Mars, der Erde und des Lebens im Universum gewähren. Zwei Jahre soll es unterwegs sein, 20 Kilometer zurücklegen – und unzählige Gigabyte an Daten zur Erde funken.

Die Technik des Marsrovers "Curiosity"

In den Stunden nach der Landung sind die Nasa-Wissenschaftler damit beschäftigt, nahezu ein Dutzend wissenschaftlicher Geräte in Gang zu setzen, darunter hochauflösende Kameras, eine Miniatur-Wetterstation, ein Bodenproben-Analyselabor, ein Strahlenmessgerät und einen Laser, der bis zu sieben Meter entfernte Steine zum Qualmen bringt, um mit einem Spektrometer in den aufsteigenden Gasen die Materialzusammensetzung zu erfassen.

Zusammen können die Instrumente Geologen darüber aufklären, woraus der rote Planet im Einzelnen besteht. Vor allem aber sollen sie nach Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Kohlenstoff, Phosphor und Schwefel Ausschau halten – den Grundbausteinen des Lebens. Treffen sie in der richtigen Zusammensetzung auf, wäre es ein Hinweis darauf, dass es auf dem Mars Leben gegeben hat – oder sogar heute noch gibt.

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