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Mars-Mission „Sind wir allein im Universum?“

Wissenschaftler feiern die Landung des Rovers Curiosity auf dem Mars – und hoffen auf spektakuläre Funde im roten Sand. Denn selbst das Leben auf der Erde könnte ursprünglich vom Mars stammen.

Cornelis Leendert van der Pols

Der Arbeitstag  von Cornelis Leendert van der Pols beginnt an diesem Montagmorgen in aller Herrgottsfrühe. Um kurz nach vier kriecht der Raumschiff-Steueringenieur aus dem Bett, setzt sich seine übergroße Bill-Gates-Brille auf die Nase, streift ein graues Jackett über und macht sich auf zum Satellitenkontrollzentrum der Europäischen Weltraumagentur Esa, gleich hinter dem Darmstädter Hauptbahnhof.

Van der Pols ist dafür verantwortlich, dass der Esa-Satellit Mars Express jederzeit genug Strom  hat. Und heute wird das besonders wichtig sein. Denn die Sonde der Europäer soll mit ihren Antennen die Landung des Mars Science Laboratory überwachen - der bisher ambitioniertesten Marsmission der US-Raumfahrtbehörde Nasa: 2,5 Milliarden Dollar teuer, 900 Kilogramm schwer.

Curiosity kommt in die Jahre
März 2017Curiosity hat inzwischen deutliche Abnutzungsspuren. Ein Routine-Check der Reifen im März zeigt, dass es am linken mittleren Reifen zwei Brüche der sogenannten Stege im Profil gibt. Der Rover hat während seiner Reise über den Roten Planeten inzwischen etwa 16 Kilometer zurückgelegt. Curiosity-Projektmanager Jim Erickson sagte, alle sechs Reifen hätten trotz der sichtbaren Schäden noch genug Lebenszeit, um den Rover zu allen geplanten Orten zu bringen. Die regelmäßige Überwachung der Reifen wurde eingeführt, nachdem die Forscher im Jahr 2013 deutlich mehr Dellen und Löcher in den Rädern entdeckt hatten, als erwartet worden war. Tests auf der Erde hatten gezeigt, dass der Bruch von drei Stegen zeigt, dass etwa 60 Prozent der Lebenserwartung des Reifens erreicht sind. Curiosity hat aber bereits deutlich mehr als diesen Anteil an der geplanten Strecke zurückgelegt. Quelle: NASA/JPL-Caltech/MSSS
US-Präsident Barack Obama verlässt das Weiße Haus - und auch Curiosity verabschiedet sich. Quelle: Screenshot
Mars: Curiosity untersucht Meteoriten Quelle: NASA, JPL-Caltech, LANL, CNES, IRAP, LPGNantes, CNRS, IAS, MSSS
September 2016Die Kuppen und herausstehenden Felsen aus Schichtgestein am Mount Sharp entstanden wohl aus von Wind abgelagertem Sand. Sie erinnern stark an Wüstenlandschaften auf der Erde, etwa im Grand Canyon oder dem Monument Valley. Quelle: NASA
September 2016Der Rover sendet neue Fotos vom Mars: Im Hintergrund der Aufnahme ist der Rand des Gale-Kraters zu sehen, in dem Curiosity seit 2012 aktiv ist. Geologisch ist die Region besonders interessant, da sie die Untersuchung zahlreicher Gesteinsschichten ermöglicht. Der etwa fünf Kilometer hohe Mount Sharp liegt in der Mitte des Gale-Kraters. Quelle: NASA
Juli 2016Curiosity kann jetzt seine eigenen Ziele für die Laser-Analyse auswählen. Bisher wurden diese von der Erde aus anhand von Fotos ausgewählt. Die Wissenschaftler auf der Erde werden dadurch aber nicht ersetzt: Die neue Funktion soll vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn die Nasa-Forscher anderweitig beschäftigt sind. Curiosity sendet auch nicht ständig Bilder, sondern am Ende seiner Wegstrecken. Bisher könnten wichtige Objekte auf Fahrten daher übersehen worden sein. Quelle: NASA
Curiosity: Mars hatte wahrscheinlich einst eine sauerstoffreiche Atmosphäre Quelle: dpa

An diesem Sommermorgen entscheidet sich, ob der Rover Curiosity in den nächsten Jahren auf die Suche nach Spuren von Leben auf dem Mars gehen wird - oder bei der Landung zu einem Klumpen Elektroschrott verdampft. Binnen Sekunden wären mehr als zehn Jahre Arbeit von dutzenden Ingenieuren vernichtet. Satelliten-Pilot van der Pols, der mit seinen US-Kollegen mitfiebert, sähe das Unglück kurze Zeit später in nüchternen Zahlenkolonnen und Kurvendiagrammen auf seinem Bildschirm.

Während sich dutzende Journalisten an seinem Schreibtisch vorbeischieben, Kameras klicken und Filmlampen aufleuchten, schießt 288 Millionen Kilometer entfernt die Nasa-Raumsonde mit 20000 Stundenkilometern auf die Marsatmosphäre zu. Was nun folgt, ist eines der härtesten Landemanöver der Menschheit - Nasa-Experten nennen es die „sieben Minuten des Terrors“.

Die Geschichte der Mars-Missionen

Elf Kilometer über der Oberfläche des Planeten öffnet die Sonde einen Fallschirm, der sie auf 300 Stundenkilometer abbremst. Dabei wirken Kräfte auf die Raumsonde, die kein Mensch überleben würde. In eineinhalb Kilometern Höhe lösen Sprengkapseln den Fallschirm und ein so genannter Skycrane, eine Raketendüsenplattform, bremst den Anflug weiter ab, während darunter der Marsrover an einem Seil abgelassen wird. Wenige Sekunden später setzt das Fahrzeug auf dem Sandboden auf und kappt die Verbindung zu seinem fliegenden Kran. So lautet der Plan.

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