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McKinsey-Studie Diese Innovationen entscheiden über Deutschlands Wohlstand

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Welle der Digitalisierung

Nicht nur Recherchen, sondern Wissensarbeit jeder Art steht vor einer Welle der Digitalisierung. Lernende Maschinen ersetzen menschliche Gehirne: Sie bewerten Finanzkennzahlen, beantworten Kundenanfragen oder erstellen nach Prüfung Abertausender Studien medizinische Diagnosen.

Das wird möglich, weil Computer inzwischen riesige Datenmengen, auch Big Data genannt, speichern und blitzschnell analysieren – und mithilfe intelligenter Software den Sinn komplizierter Texte und Zusammenhänge erschließen.

Trend zum Roboter

Die gute Nachricht: Für die deutsche Wirtschaft ist der Trend zum Roboter-Büro ein potenzielles Milliardengeschäft. Auf 265 Milliarden Dollar taxiert McKinsey den möglichen Beitrag intelligenter Software zum deutschen BIP im Jahr 2025. Die schlechte Nachricht: Bisher sieht es nicht so aus, als würde die deutsche Informationstechnikbranche dieses Potenzial auch voll erschließen. Im Rennen der IT-Riesen liegt Deutschland derzeit weit hinter den Vereinigten Staaten zurück. Virtuelle Assistenten werden vor allem im englischsprachigen Raum eingesetzt – und auch dort entwickelt.

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    Lichtblicke sind Forschungseinrichtungen wie das DFKI, an denen Wissenschaftler künstliche Intelligenz ergründen und erschaffen. Im Projekt Argumentum etwa entwickeln die Kaiserslauterer eine Software für Juristen, die binnen Sekunden in Handbüchern, Fachzeitschriften und im Internet Argumente für einen bestimmten Streitfall findet – eine Arbeit, für die Menschen bisher viele Tage recherchierten.

    Wie Big Data Ihr Leben verändert
    Dicht an dicht: Wenn die Autos auf der Straße stehen, lässt sich das mit moderner Technologie leicht nachvollziehen. Zum einen gibt es Sensoren am Straßenrand, zum anderen liefern die Autos und die Smartphones der Insassen inzwischen Informationen über den Verkehrsfluss. Diese Daten lassen sich in Echtzeit auswerten und mit Erfahrungswerten abgleichen – so wird klar, wo gerade ungewöhnlich viel los ist und beispielsweise eine Umleitung Sinn ergeben würde. Ein Pilotprojekt dazu lief in der Rhein-Main-Region, allerdings nur mit rund 120 Autos. Langfristig ist sogar das vollautomatische Autofahren denkbar – der Computer übernimmt das Steuer. Eines ist aber klar: Alle Big-Data-Technologien helfen nichts, wenn zu viele Autos auf zu kleinen Straßen unterwegs sind. Quelle: dpa
    Fundgrube für Forscher: Google Books ist nicht nur eine riesige digitale Bibliothek. Die abertausenden eingescannten Texte lassen sich auch bestens analysieren. So kann nachvollzogen werden, welche Namen und Begriffe in welchen Epochen besonders häufig verwendet wurden – ein Einblick in die Denkweise der Menschen. Der Internet-Konzern nutzt den Fundus außerdem, um seinen Übersetzungsdienst Translate zu verbessern. Quelle: dpa Picture-Alliance
    Schnupfen, Kopfschmerz, Müdigkeit: Das sind die typischen Symptome der Grippe. Aber wann erreicht die Krankheit eine Region? Bislang konnte man das erst feststellen, wenn es zu spät war. Der Internet-Riese Google hat ein Werkzeug entwickelt, mit dem sich Grippewellen voraussagen lassen: Flu Trends. Bei der Entwicklung hielten die Datenspezialisten nicht nach bestimmten Suchbegriffen Ausschau, sondern nach Korrelationen. Wonach also suchten die Menschen in einer Region, in der sich das Virus ausbreitete? Sie filterten 45 Begriffe heraus, die auf eine unmittelbar anrollende Grippewelle hindeuten – ohne dass irgendein Arzt Proben sammeln müsste. Quelle: dpa Picture-Alliance
    Aufwärts oder abwärts? Die Millionen von Kurznachrichten, die jeden Tag über Twitter in die Welt gezwitschert werden, können Aufschluss über die Entwicklung der Börsen geben. Denn aus den 140 Zeichen kurzen Texten lassen sich Stimmungen ablesen – das hat ein Experiment des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) gezeigt. Je intensiver die Emotionen, desto stärker die Ausschläge. Marktreife Investitionsmodelle, die auf Tweets setzen, gibt es indes noch nicht. Quelle: dpa
    Lotterie am Himmel: Die Preise von Flugtickets lassen sich für Laien kaum nachvollziehen. Auch eine frühe Buchung garantiert kein günstiges Ticket, weil die Fluggesellschaften ständig an der Schraube drehen. Das wollte sich der Informatiker Oren Etzioni nicht gefallen lassen: Er sammelte mit seiner Firma Farecast Millionen von Preisdaten, um künftige Preisbewegungen zu prognostizieren. 2008 kaufte Microsoft das Start-up, die Funktion ist jetzt in die Suchmaschine Bing integriert. Quelle: dpa Picture-Alliance
    Jeder Meter kostet Zeit und Geld. Daher wollen Logistikunternehmen ihre Fahrer auf kürzestem Wege zum Kunden lotsen. Der weltgrößte Lieferdienst UPS führt dafür in einem neuen Navigationssystem Daten von Kunden, Fahrern und Transportern zusammen. „Wir nutzen Big Data, um schlauer zu fahren“, sagte der IT-Chef David Barnes der Nachrichtenagentur Bloomberg. Im Hintergrund läuft ein komplexes mathematisches Modell, das auch die von den Kunden gewünschten Lieferzeiten berücksichtigt. Quelle: dpa Picture-Alliance
    Es waren nicht nur gute Wünsche, die US-Präsident Barack Obama 2012 zur Wiederwahl verhalfen: Das Wahlkampf-Team des Demokraten wertete Informationen über die Wähler aus, um gerade Unentschlossene zu überzeugen. Dabei griffen die Helfer auch auf Daten aus Registern und Sozialen Netzwerke zurück. So ließen sich die Bürger gezielt ansprechen. Quelle: dpa

    Zu wenig Gründer

    Allerdings: Nur wenige Forschungsergebnisse, bemängelt McKinsey, führen auch zu Unternehmensgründungen, die Produkte daraus entwickeln. Und so bleibt als IT-Konzern von Weltrang einzig das Walldorfer Softwareunternehmen SAP, das digitale Werkzeuge für Wissensarbeiter entwickelt und rund um den Globus vertreibt.

    Mit seiner Plattform Hana können Unternehmen aus Abertausenden Dokumenten, Web-Seiten oder Tabellen binnen Sekunden Trends herausfiltern und Prognosen anstellen, etwa darüber, wie oft sich ein bestimmtes Produkt verkaufen wird, welche Mengen an Rohstoffen in der Produktion benötigt werden oder welches Medikament für welchen Patienten geeignet ist.

    Dem Beispiel SAP müssen in Deutschland weitere folgen. Sonst schafft der Computer bis 2025 weniger neue Jobs, als er alte überflüssig macht.

    Timo Boll schwitzt. Der erfolgreichste deutsche Tischtennisspieler liegt 0:6 zurück, es ist ein mieses Match. Dabei ist sein Gegner kein Sportler, nicht mal ein Mensch. Boll spielt gegen einen Roboter, einen Arm aus Stahl, der vor der Tischtennisplatte postiert ist. Er schlägt wie ein Karate-Kämpfer zu: schnell, kraftvoll, präzise. Und trifft jeden Ball.

    Bolls Kampf gegen die Maschine ist inszeniert – für einen Werbespot. Produziert hat ihn der Roboterhersteller Kuka aus Augsburg. Im März hat Kuka eine Fabrik in China eröffnet, dem wichtigsten Wachstumsmarkt für Robotik. Der neue Werbeclip soll potenziellen Kunden dort zeigen, wie gut die Maschinen der Augsburger sind.

    Roboter sind gefragt, nicht nur in China. Denn die smarten Maschinen helfen, Kosten zu sparen, die Qualität der Fertigung zu steigern und weniger Strom zu verbrauchen. Automatisierung macht Laptops billiger, Handys robuster, Flugzeuge leichter. Und weil sich in Wachstumsländern wie China immer mehr Menschen diese Produkte leisten können, werden dort Roboter in den Fabriken immer wichtiger.

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