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Medizin Ebola, das Stiefkind der Pharmaforschung

Grundlagenforschung am Ebola-Erreger ist vergleichsweise preiswert, die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen kostet dagegen viel Geld. Große Pharmakonzerne scheuen die Ausgaben für die notwendigen Studien.

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Helfer der Organisation

London Fast 40 Jahre ist es her, seit Forscher in einem Labor in Belgien den Ebola-Erreger identifizierten, der nach einem kongolesischen Fluss benannt ist. Und noch immer gibt es kein wirksames Medikament oder gar einen Impfstoff zur Bekämpfung der gefährlichen Krankheit. Einer der Gründe für den mangelnden Enthusiasmus der Branche: Das Virus taucht selten auf und zu seinen Opfern zählen dann meist Menschen in den ärmsten Regionen Afrikas.

„Grundlagenforschung können wir recht günstig machen“, sagt Jonathan Ball, Professor für Molekular-Virologie an der britischen Universität von Nottingham. Aber für den Schritt danach hin zur Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen seien klinische Studien notwendig. „Und diese kosten viel Geld – weshalb man an dieser Stelle normalerweise beginnt, Big Pharma einzubeziehen.“ Große Pharmakonzerne investierten jedoch nur dann, wenn sich das für sie auch später rentiere.

Das Ebola-Virus wurde 1976 entdeckt nach einem Ausbruch im damaligen Zaire – heute die Demokratische Republik Kongo. Seitdem sind daran bei Ausbrüchen in Afrika etwa 1500 Menschen gestorben. Als Träger der Viren gelten Fledermäuse, Nagetiere, Gorillas und Antilopen.

Die Krankheit beginnt meist wie eine Erkältung – doch dann folgen rasch Durchfall, Erbrechen und schweres Fieber mit inneren und äußeren Blutungen. Je nach Virus-Stamm enden bis zu 90 Prozent aller Fälle tödlich. Beim aktuellen Ausbruch im westafrikanischen Guinea starben bislang mindestens 80 Menschen.

Ebola wird zwar von der Pharmaindustrie stiefmütterlich behandelt. Geforscht wird dennoch. Es sind vor allem Regierungen – angeführt von den USA – die hier finanziell einspringen. Sie treibt vor allem die Sorge um, tödliche Erreger wie Ebola könnten einmal als biologische Waffen eingesetzt werden.

Im Januar flossen an die Universität von Texas und an drei weitere Organisationen 26 Millionen Dollar staatliche Gelder. So kooperiert das US-Verteidigungsministerium mit der kanadischen Tekmira Pharmaceuticals. Das Medikamenten-Projekt von Tekmira steckt aber erst in den Kinderschuhen. Es dürfte noch Jahre dauern, bis die Substanz mit der Bezeichnung „TKM-Ebola“ marktreif ist.


Ein gewaltiges Risiko

Mehrere kleinere Biotechfirmen und Universitäten forschen zudem an Impfstoffen gegen den Erreger. Auch diese Projekte stecken erst in der Phase der Tierstudien – der riskante Schritt einer Erprobung der Substanzen am Menschen steht noch bevor. Die US-Firmen Inovio und Vaxart arbeiten an derartigen Vakzinen. Auch der Schweizer Impfstoffhersteller Okairos – er wurde 2013 vom britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline übernommen – forscht an einem Ebola-Impfstoff.

Manche Experten halten die weitere Finanzierung solcher Impfstoff- und Medikamenten-Projekte allerdings für gefährdet. „Die Frage ist, ob irgendjemand die Kosten für die Produktion übernimmt, wenn man sich die Zahl der Impfdosen vor Augen führt, die sie einmal verkaufen könnten“, sagt Ian Jones, Virologie-Professor an der Universität von Reading. Denn am Ende müsse jemand für die Produktion eines Medikament oder eines Impfstoffs aufkommen.

Beim Thema klinische Studien taucht zudem ein ganz grundsätzliches Problem auf: Können überhaupt ausreichend viele Teilnehmer für solche Tests gefunden werden angesichts der geringen Zahl von Erkrankten? Jones bezweifelt das. Selbst wenn vorher feststünde, wo es den nächsten Ausbruch gebe, lasse sich das nicht garantieren. Dann aber müsste man sich ausschließlich auf Tierstudien stützen – ein gewaltiges Risiko, hält man sich die Aggressivität des Erregers vor Augen.

Manche Virus-Experten sehen daher in dem aktuellen Ausbruch in Guinea auch eine Chance. Thomas Geisbert von der Universität von Texas etwa forscht an einem Ebola-Impfstoff mit Namen „VSV“. In Tierversuchen soll er bereits gewirkt haben.

Geisbert zufolge könnte die Substanz jetzt bei Menschen in Guinea erprobt werden. „Man muss eine Balance finden zwischen Wissenschaft, medizinischer Ethik und dem Retten von Leben“, sagt er. Und das sei nicht leicht. „Doch wie viele Menschen, die einem baldigen, fast sicheren Tod entgegen blicken, würden es bei diesem Virus einfach darauf ankommen lassen?“ 

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