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Mensch vs. Maschine "Die Technologisierung schreitet zu schnell voran"

Es ist eine jahrhundertealte Angst der Menschheit: dass Maschinen uns ersetzbar machen. Ein Vortrag auf der Re:publica erklärt, wie wir damit umgehen lernen und neue Technologien immer wieder neu hinterfragen können.

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Bei einem Vortrag auf der Re:publica erklärt erklärt der Unternehmensstratege und Experte für digitale Kommunikation, Johannes Kleske, wie wir mit der Angst vor neuen Technologien umgehen lernen und immer wieder neu hinterfragen können. Quelle: dpa

Anfang des 19. Jahrhunderts in Südengland: Die Textilbranche führt Webmaschinen ein und ersetzt die Facharbeiter durch ungelernte Kräfte. Die Bedienung der Geräte kann nun von Laien durchgeführt werden. Die Webmaschine ist nur ein Beispiel für die Mechanisierung im Zuge der industriellen Revolution. Einige Arbeiter protestierten dagegen, sie wurden Maschinenstürmer genannt.

Heute ist die Angst vor der Ersetzbarkeit die gleiche, nur ist es nicht die Industrialisierung, vor der wir Angst haben, sondern wir fürchten uns vor der Technologisierung. Haushaltsroboter machen Reinigungskräfte überflüssig. Algorithmen den Börsenmakler. Drohnen den Soldaten. Roboter den Babysitter. Und Google testet intelligente Autos, die Taxifahrer ersetzen könnten.

Wie Roboter den Alltag erleichtern
Krankenpfleger Ein Roboter CARE-O-bot, der vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung entwickelt wurde, versorgt eine Bewohnerin eines Pflegeheims mit einem Getränk (undatiert). Auch dieser Roboter unterstützt ältere Menschen im häuslichen Umfeld und das Pflegepersonal in Pflegeeinrichtungen. Quelle: dpa
Der KochBremer Forscher präsentierten 2013 den Roboter „PR2“, der Popcorn machen und Pfannkuchen wenden kann. Das nötige Vorwissen habe sich dieser unter anderem aus dem Internet geholt, sagte Professor Michael Beetz von der Universität Bremen. Sein Team arbeitet zusammen mit sieben europäischen Partnern in einem auf vier Jahre angelegten Projekt an lernfähigen Robotern. Ziel sei es, diese neue Form der Programmierung zunächst bei Robotern anzuwenden, die alte und pflegebedürftige Menschen bei einfachen Aufgaben unterstützen. Diese könnten in den nächsten zehn Jahren einsatzbereit sein. Quelle: dpa
Der BarkeeperDer Roboter "James" des Münchener Fortiss-Institutes für Hightech-Forschung in München (Bayern) ist als Barkeeper programmiert und soll bei einer Interaktion mit Menschen seine Aufgaben nicht nur richtig erledigen, sondern dabei auch auf die sozialen Bedürfnisse seines Gegenübers eingehen. Wer sich bei James bedankt bekommt die Antwort: "Always a pleasure". Quelle: dpa
KuschelrobbeDer weiße Sozialroboter namens Paro soll Demenzkranken Zuwendung schenken. Das mit Sensoren vollgestopfte Kuscheltier reagiert auf Berührung, Licht und Bewegung. Es soll für Demenzkranke Zuwendung simulieren - und ist deswegen vor allem nach einer Messepräsentation 2011 heftig umstritten gewesen. Tritt an die Stelle des Zivildienstleistenden oder der Pflegekraft nun der Sozialroboter? 5000 Euro kostet die schnurrende Pelzattrappe. Quelle: dpa
Putzhilfe mit gutem OrientierungssinnInzwischen schon fast ein Klassiker unter den Haushaltsrobotern ist der autonome Staubsauger. Dieses Modell, ein Samsung Navibot SR 8855, sticht vor allem durch seine Navigationsfähigkeiten heraus. Aus Aufnahmen von einer eingebauten Kamera setzt er ein digitales Abbild des Raums zusammen, den er reinigen soll. Das verhindert laut Hersteller sinnloses Kreuz- und Querfahren wie bei anderen Saugrobotern. Hindernissen weicht der Navibot aus, die eingebauten Sensoren erkennen auch Treppenabsätze. Im Handel gibt es den Navibot ab etwa 320 Euro. Quelle: Presse
Freundlicher KrankenpflegerDieses freundlich dreinschauende Gesicht gehört einem Roboter aus dem Hause Panasonic. Das Modell Hospi-Rimo soll als Kommunikationsplattform für bettlägerige Patienten dienen, die mit dem Roboter von zu Hause aus mit Arzt, Freunden oder Verwandten per Videokonferenz kommunizieren wollen. Der Roboter kann dabei laut Hersteller mit fragilen Ampullen und Medikamenten so vorsichtig umgehen wie eine Krankenschwester. Quelle: Presse
HaarpflegerDieser von Panasonic hergestellte Haarwaschroboter widmet sich der Pflege des Haupthaars von bettlägerigen Patienten. Vollautomatisch kann das Gerät eine komplette Haarwäsche durchführen und dabei eine Spülung einmassieren sowie die Haare nach dem Waschen wieder trocknen. Dabei kommen insgesamt 24 robotische Finger zum Einsatz. Quelle: Presse

Ist die Entwicklung neuer Technologien eine Bedrohung für uns? Der Unternehmensstratege und Experte für digitale Kommunikation, Johannes Kleske, rät auf der Re:publica: "Observe - Orient - Decide - Act" - beobachten, orientieren, entscheiden, handeln. Eine Strategie aus dem Militärbereich, die ständig wiederholt wird. Ein Loop.

Der Mensch als Sklave der Maschinen

Seine Beobachtung: Die Technologisierung schreite mittlerweile zu schnell voran. "Arbeitsplätze fallen weg, aber der Mensch schafft es nicht schnell genug, entgegenzusteuern und neue Arbeitsbereiche zu besetzen."

Wie gehen wir damit um? Die Maschinenstürmer aus dem 19. Jahrhundert nennt Kleske als Extrembeispiel für die Ablehnung des Fortschritts. Der Protest habe zwar wenig gebracht, aber der Denkanstoß, den die Textilarbeiter gegeben hätten, sei wichtig gewesen: "Wollen wir uns bedingungslos diesem Fortschritt hingeben?"

Solche Fragen versuchen Science-Fiction-Autoren zu beantworten. In ihren Romanen beschreiben sie oft ein Szenario, das Dystopie genannt wird. Maschinen werden immer ausgeklügelter, übernehmen die Arbeit der Menschen und schließlich den Menschen selbst. Der ist am Ende nur noch ein Sklave der Maschinen - ihre Arme und Beine. Das macht Angst. Die Reaktion darauf: Ablehnung.

Der Borg Complex

Die Stars unter den Maschinenwesen
Der Sensible Quelle: Massachusetts Institute of Technology (MIT)
Mondspinne Quelle: dpa
Helfer fürs Heim Quelle: AP
Eiserne Hand Quelle: DLR
Genossin Frida
Nächste Stufe Quelle: Honda
Flinker Putzer Quelle: dapd

Das Gegenteil der Ablehnung ist die bedingungslose Annahme der Technologien. Kleske bezeichnet das als Borg Complex. Den haben Menschen, die davon überzeugt sind, dass immer neue Technologien kommen werden und der Fortschritt unaufhaltsam sei. Die Utopie dafür sind die Digital Athens - Menschen, die wie in der griechischen Antike nicht selbst arbeiten müssen und Zeit für Unterhaltung, Politik und Vergnügen haben.

"Das ist genau so ein gefährliches Extrem", sagt Kleske. Denn diese Menschen gingen davon aus, keine Möglichkeiten zu haben, der Technologie etwas entgegenzusetzen. Sein Rat: "Ich glaube, dass wir versuchen sollten, eine gesunde Mischung aus beiden Beispielen hinzubekommen."

Kleske spricht von einem kritischen Geek. "Der kritische Geek will verstehen, was die Technologie für Konsequenzen hat, er will ihre Komplexität erfahren und dann entscheiden, ob es sich lohnt, sich bedingungslos hinzugeben."

Print vs. Online

Die Zeit zum Hinterfragen haben wir. Kleske zufolge hat es eine Neuerung nie geschafft, sich von heute auf morgen durchzusetzen. Stets hätten die Akteure, die von der Neuerung betroffen waren, die Möglichkeit gehabt, sich ihrer Stärken zu besinnen.

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Als Beispiel nennt Kleske das Zeitungssterben. Das Web mache Zeitungen überflüssig. Die Verlage hätten jedoch diese Entwicklung hinterfragt. Am Ende hätten sie entdeckt, dass ihre Stärken im Schreiben von Analysen und Hintergrundberichte liegen. "Unsere Chance ist, uns darauf zu konzentrieren, worin wir wirklich gut sind." Technologie als Möglichkeit zur Selbstreflexion also.

Dieser Artikel ist zuerst auf golem.de erschienen.

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