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MIT-Forscher Gershenfeld "Im Kleinen hat sich der Gedanke des Patentschutzes überholt"

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Designer-Saftpressen zu Hause drucken

Massachusetts Institute of Technology Quelle: Presse

Wie die Musiklabels, die über Jahre nicht erkannt haben, welcher Sprengstoff in der Digitalisierung steckt?

Das Beispiel trifft doppelt. Zum einen, weil es zeigt, wie tief greifend sich Märkte verändern, wenn Menschen nicht mehr Dinge, sondern Daten tauschen. Zum anderen zeigt es, wie dabei neue Geschäftsmodelle entstehen. Solange die Labels versucht haben, den digitalen Musikhandel juristisch zu blockieren, haben sie nicht nur Reputation, sondern auch Umsatz verloren. Als sie aber begannen, Musik auf komfortablen, leicht erreichbaren Marktplätzen wie iTunes anzubieten, entstanden ganz neue Absatzwege.

Wo nicht mehr Güter, sondern nur noch Daten getauscht werden, sind Raubkopierer nicht weit. Hersteller von Spielzeug oder Designerschmuck fürchten, dass ihre Produkte illegal auf 3-D-Druckern nachgedruckt werden.

Das Risiko besteht. Aber was ist die richtige Reaktion? Wenn es darum geht, den Diebstahl geistigen Eigentums zu verfolgen, werden Patentklagen weiterhin sinnvoll sein. Im Kleinen aber, wenn Kunden einen Ersatz für den zerbrochenen Schalter der Stehlampe oder eine individualisierte Version einer Designer-Saftpresse drucken, hat sich der Gedanke des Patentschutzes überholt. Wo er sich nicht mehr durchsetzen lässt, ist er wertlos.

Das klingt wie die Kapitulation vor dem Ideenklau. Wie sollen Unternehmen ihren Innovationsaufwand dann noch refinanzieren?

Wie das Beispiel der Musiklabels zeigt, braucht es neue Geschäftsmodelle. Das können soziale Netzwerke wie thingi verse.com sein, auf denen jeder seine Produktentwürfe veröffentlichen und für ein paar Cent, Dollar oder Euro zum Download und privaten Ausdrucken anbieten kann. Das Vorbild iTunes zeigt, dass die Masse der Kunden bereit ist, für digitale Produkte zu bezahlen.

Dann braucht es also einen App-Store für Designerprodukte?

Genau. Die neuen Fertigungstechniken erlauben ja nicht nur jedem, Dinge zu entwerfen. Sie bieten auch wirtschaftliche Chancen – selbst für Kleinstunternehmer. Ich wüsste nicht, warum das nicht einmal ein so lukratives Geschäftsmodell für die Fertigung werden soll, wie es die Entwicklung von Smartphone-Apps heute schon sind.

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