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Mondumrundung 2018 SpaceX will Weltraumtouristen zum Mond schicken

Mehr als 40 Jahre ist der bislang letzte bemannte Raumflug zum Mond her - 2018 soll der nächste anstehen. Zwei zivile Touristen will das Unternehmen SpaceX um den Mond herum fliegen. Für viel Geld.

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Zehn Mythen übers Weltall
Mythos: Der hellste Stern ist der PolarsternSchon die alten Seefahrer orientierten sich am hellen Polarstern. Allerdings nicht, weil er der hellste Stern am Firmament ist – da gibt es deutlich hellere. Seine Besonderheit ist, dass er auf der verlängerten Erdachse liegt und somit den Mittelpunkt des Nachthimmels darstellt. Quelle: Eneas De Troya, Creative Commons, CC BY 2.0
Mythos: Die chinesische Mauer kann man vom Weltraum aus sehenDie chinesische Mauer gilt als einziges Bauwerk, das vom Weltraum aus mit bloßem Auge zu sehen ist. Tatsächlich ist dafür jedoch ein Teleskop nötig. Die Mauer ist zwar etliche tausend Kilometer lang – aber schlichtweg nicht dick genug, um sie einfach so zu erblicken. Quelle: dpa
Mythos: Im Sommer ist es warm, weil die Erde dann näher an der Sonne istDie Erde dreht sich auf einer Ellipse um die Sonne und ist im Sommer tatsächlich näher an ihr dran. Das kann allerdings nicht der Grund dafür sein, dass es im Sommer bei uns wärmer ist – schließlich ist zeitgleich Winter auf der Südhalbkugel. Die Ursache liegt in der Neigung der Erde: Im Sommer ist es bei uns deshalb warm, weil die Erde zu diesem Zeitpunkt mit der Nordhalbkugel zur Sonne geneigt steht. Quelle: dpa
Mythos: Wir sehen am Himmel Millionen SterneDas möchten viele gerne glauben, wenn sie einen Blick in den Nachthimmel werfen – gerade fernab der Stadt nehmen Menschen nachts eine enorme Masse an Sternen wahr. Allerdings lassen sich mit bloßem Auge von der Erde aus nur 60.000 Sterne erkennen. Quelle: dpa
Mythos: Menschen werden in Raumschiffen laufen könnenDurch Raumschiffe zu spazieren ist in Science-Fiction-Filmen üblich. Künstlich Schwerkraft herzustellen, stellt allerdings in der Realität ein schier unmögliches Unterfangen dar. Schließlich braucht es eine große Masse - wie die Erde - die uns anzieht. Das Foto zeigt das Raumschiff Voyager aus der gleichnamigen Star-Trek-Serie. Quelle: AP
Mythos: Explosionen im Weltraum sind laut und versprühen viel Funken und FeuerRaumschiffe explodieren mit einem lauten Knall und reichlich Feuer - so zeigen es zumindest Science-Fiction-Filme. Die Realität würde anders aussehen. In der Leere des Weltraums fehlen Übertragungsmedien für Schall wie Gase und Flüssigkeiten, so dass sich eine Explosion geräuschlos vollzieht. Die fehlende Luft im Weltraum ist auch der Grund dafür, dass Flammen bei einer Explosion ausbleiben. Quelle: dpa
Mythos: Die Teflon-Pfanne ist eine Errungenschaft der RaumfahrtindustrieAuch wenn Teflon in der Raumfahrt verwendet wird, heißt das nicht, dass auch die Erfindung von Teflon aufs Konto der Raumfahrtbranche geht. Denn die Beschichtung gab es schon lange vor dem ersten Weltraumflug. 1938 wurde Teflon erfunden, und seit den Fünfzigerjahren werden Pfannen damit beschichtet. Quelle: AP

Das private Raumfahrtunternehmen SpaceX will bereits im kommenden Jahr zwei Weltraumtouristen um den Mond fliegen. Die beiden Kandidaten haben eine „bedeutende Anzahlung“ geleistet und sollen im Laufe des Jahres mit dem Training beginnen, wie SpaceX am Montag (Ortszeit) mitteilte. Die Namen der beiden Weltraumtouristen wurden nicht genannt - sie seien einander aber bekannt, hieß es. Der bislang letzte bemannte Raumflug zum Mond oder in seine Nähe war 1972 die „Apollo 17“-Mission der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Erst vergangenen Freitag hatte die Nasa angekündigt, sie wolle prüfen, ob ein bemannter Mondflug früher als ursprünglich geplant stattfinden kann. Eine Orion-Kapsel sollte nach bisherigen Plänen 2021 mit einer SLS-Rakete (Space Launch System) zwei Astronauten in eine Umlaufbahn des Erdtrabanten bringen. Nun steht Mitte 2019 als möglicher Starttermin im Raum.

Für den SpaceX-Flug solle das „Dragon“-Raumschiff genutzt werden, teilte das Unternehmen mit. „Wie die Apollo-Astronauten vor ihnen werden auch diese beiden Menschen mit den Hoffnungen und Träumen der Menschheit in den Weltraum reisen, angetrieben vom universellen Geist der Entdeckung“, hieß es. Demnach gibt es schon Anfragen für weitere Touristenflüge.

Die verrückten Projekte des Elon Musk
Tesla-Chef Elon Musk Quelle: dpa
Menschen auf dem Mars - im September 2016 stellt Musk detaillierte Ideen für eine Besiedlung des Planeten vor. Quelle: SapceX,AP
Im Dezember 2015 kehrt mit der „Falcon 9“ erstmals eine Trägerrakete nach einer Mission heil und aufrecht zum Startplatz auf die Erde zurück. Quelle: dpa
Autopilot im Tesla Quelle: REUTERS
Autonomes Fahren im Tesla Quelle: REUTERS
Die sogenannten „Supercharger“ brauchen rund 75 Minuten, um einen Tesla-Akku komplett aufzuladen und eine halbe Stunde für eine halbe Ladung. Quelle: REUTERS
Mit einer „Hyperloop“ genannten Röhre will Musk irgendwann in der Zukunft per Unterdruck Passagiere mit nahezu Schallgeschwindigkeit wie eine Art Rohrpost transportieren. Quelle: REUTERS

Was der Ausflug zum Mond kostet, verrät SpaceX nicht. „Ein bisschen mehr als die Kosten für eine bemannte Mission zur Raumstation“, sagte SpaceX-Gründer Elon Musk der „New York Times“ lediglich. Musk ist auch Chef des Elektroauto-Herstellers Tesla. Zum Vergleich: Der für 2015 geplante Ausflug der britischen Sängerin Sarah Brightman zur Internationalen Raumstation (ISS) sollte angeblich rund 50 Millionen US-Dollar kosten. Allerdings sagte die 56-Jährige ihren Flug kurz vorher ab.

Mit dem „Dragon“-Raumschiff bringt SpaceX im Auftrag der Nasa bereits Nachschub und laut Plan demnächst auch Astronauten zur ISS. Noch in diesem Jahr soll die für bemannte Transporte angepasste Version des Raumschiffs erstmals getestet werden, zunächst unbemannt.

Luftfahrtexperte kritisch, ob 2018 klappen kann

Mehrere Unternehmen haben bereits Touristen ins Weltall gebracht - eine Mondumrundung aber wurde mit Raumfahrt-Laien bisher nicht vorgenommen. Neben SpaceX will auch die russische Raumfahrtbranche Weltraumtouristen den Mond zugänglich machen und sich mit dem lukrativen Geschäft etwas dazuverdienen. Erst vergangene Woche hatte der Raketenbauer Energija angekündigt, ab 2021 oder 2022 touristische Mondumrundungen in Sojus-Kapseln anzubieten. Details würden bereits mit möglichen Kandidaten besprochen.

Die Nasa gratulierte ihrem „Branchenpartner“ SpaceX. Sie arbeite bei dem Vorhaben eng mit SpaceX zusammen, hieß es. Man habe ein Interesse an einer starken US-Weltraumindustrie, um den Rücken für weite Weltraumflüge frei zu haben, die über den Mond hinaus gehen. Die europäischen Weltraumbehörde Esa äußerte sich eher knapp: „Esa begrüßt jegliches Interesse an der Erforschung des Weltalls, auch das von privaten Firmen“.

Der russische Raumfahrtexperte Alexander Schelesnjakow hält die Pläne von SpaceX für machbar, blieb aber zurückhaltend. „Jetzt wird alles versprochen“, meinte der Wissenschaftler von der privaten Russischen Raumfahrtakademie am Dienstag in Moskau. „Aber man sagt, versprechen heißt nicht heiraten. Schauen wir, wie es sich weiter entwickelt.“

Auch ein deutscher Experte hält die Pläne für durchaus realistisch, wenn auch nicht im vorgelegten Zeitrahmen. „Ob es 2018 soweit sein wird, würde ich eher kritisch einschätzen“, sagte Martin Buscher vom Institut für Luft- und Raumfahrt der TU Berlin. Bei den finanziellen Möglichkeiten von Musk sei ein solcher Flug aber zeitnah möglich. „Wie alle Ziele von Musk ist es sehr hochgegriffen, sehr ambitioniert“, sagte Buscher.

Der Raumfahrttechnik-Experte sieht Schwierigkeiten insbesondere darin, eine Rakete zu konstruieren, die es bis zum Mond schafft. Es gebe zwar Erfahrungen aus dem US-Mondprogramm, seitdem seien aber mehr als 40 Jahre vergangen. SpaceX will laut Mitteilung im Sommer erstmals die besonders starke Rakete „Falcon Heavy“ testen. Auch das Training der Mondflug-Passagiere brauche Zeit, gab Buscher zu bedenken. Laut „New York Times“ soll das Raumschiff vollautomatisch fliegen, die Reisenden bekämen vorher eine spezielle Schulung für Notfälle.

Der Mond ist schon seit einiger Zeit wieder in den Fokus von Raumfahrtagenturen gerückt. Buscher erklärt sich das auch damit, dass die staatlichen Institutionen nicht in der dritten Reihe stehen wollen, wenn private Unternehmen zum Mond drängen. Zudem könnte eine Rolle spielen, dass die Zukunft der ISS nur bis 2024 gesichert ist und man nach neuen großen Projekten sucht.

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