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Neue Immunmittel Start-Ups wecken Hoffnungen im Kampf gegen den Krebs

Mit neuen Medikamenten wecken Start-Ups Hoffnung im Kampf gegen die oft tödliche Krankheit Krebs. Gerade wurde ein weiteres, in Deutschland entwickeltes Präparat zugelassen. Ein Thriller.

Darmkrebszellen, denen von Wissenschaftlern genetisch veränderte E. coli Bakterien injiziert wurden Quelle: dpa

Als Kommissar Felix Murot den Olymp des deutschen Fernsehkrimis – den Tatort – erklimmt, ist er todkrank. Ein haselnussgroßer Krebstumor sitzt in seinem Gehirn. Weil der von Ulrich Tukur gespielte Ermittler Angst vor einer Operation hat, ermittelt er zwei Folgen lang mit der Wucherung im Kopf.

Doch Murot – die Buchstaben seines Namens ergeben neu gemischt das Wort Tumor – hat Glück im Unglück: Die lebensgefährliche Geschwulst verhilft ihm zu geradezu hellseherischen Einsichten, mit deren Hilfe er die Täter zur Strecke bringt.

Formen der Krebs-Therapie

Genau solche Erfolge wünschen sich auch die Mediziner im Kampf gegen einen der gefährlichsten Übeltäter im Körper, den Krebs. Denn die Zahl der Betroffenen wächst weltweit ungebremst. Laut einem aktuellen Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO wird die Zahl der Krebsneuerkrankungen von 14 Millionen im Jahr 2012 auf 21,6 Millionen im Jahr 2030 steigen, die Zahl der Todesfälle von 8,2 auf 13 Millionen.

Krebs wird somit laut WHO in den Industrieländern weiterhin der Killer Nummer zwei bleiben. Nur Herz-Kreislauferkrankungen fordern mehr Todesopfer.

Zwar sind in den vergangenen Jahren viele neue, teure Medikamente auf den Markt gekommen, die klassische Chemotherapie, Bestrahlung und das chirurgische Entfernen von Tumoren ergänzen. Doch sie haben zu keiner Trendwende geführt.

Tumorzellen fallen durchs Muster

Das soll sich nun radikal ändern. Frei nach Sherlock Holmes stärken die Pharmaforscher die kriminalistischen Fähigkeiten der körpereigenen Abwehr, des Immunsystems. Denn die sonst bestens gerüstete Polizei des Körpers ist meist machtlos gegenüber der Mörderbande namens Krebs.

Fast jeden anderen Kriminellen – etwa Viren oder krank machende Bakterien – spürt sie auf, sobald diese den Körper entern. Doch die todbringenden Tumorzellen fallen meist durchs Fahndungsraster.

Der Grund: Sie stammen aus dem Körper selbst. Keine Immunzelle verfolgt und tötet sie, stattdessen treiben sie oft jahrelang ihr Unwesen. Die Übeltäter teilen sich endlos, wuchern zu riesigen Geschwulsten heran und breiten sich im gesamten Körper aus.

Und selbst wenn die Körper-Kommissare Murot, Schimanski oder Bienzle Verdacht schöpfen, verstehen es die Krebs-Mafiosi, sich virtuos zu tarnen. Doch die Pharmaentwickler haben es jetzt endlich geschafft, diese Strategie zu durchkreuzen.

In diesen Regionen ist das Krebsrisiko am höchsten
Die Anzahl der Todesfälle durch bösartige Tumore ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. 2011 sind 852.328 Deutsche an Krebs gestorben. Damit bleibt die Krankheit nach den Herz- und Kreislauferkrankungen zwar die zweithäufigste Todesursache, allerdings ist der Anteil an allen Todesfällen in den letzten 30 Jahren um fast 25 Prozent gestiegen. Am häufigsten starben Männern und Frauen im Jahr 2011 an Krebs im Bereich der Verdauungsorgane. 38.531 Männer (32 Prozent) und 31.694 Frauen (30 Prozent) waren betroffen. Am zweithäufigsten traten bei den Männern Todesfälle aufgrund von Lungen- und Bronchialkrebs mit 31.293 Sterbefällen auf (Anteil von 26 Prozent). Bei den Frauen liegt Brustkrebs an zweiter Stelle mit 17.815 Sterbefällen (Anteil von knapp 18 Prozent). Außerdem sind in Deutschland nach einer Prognose des Berliner Robert Koch-Instituts mehr Menschen neu an Krebs erkrankt als in den Vorjahren. Der Krebsatlas der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID), zeigt allerdings, dass es sowohl bei den Krebsarten als auch bei der Häufigkeit der Erkrankungen regionale Unterschiede gibt. Quelle: dpa
Ost- und WestdeutschlandSo tritt in den neuen Bundesländern beispielsweise deutlich seltener Brustkrebs auf. Im Osten ist sowohl die Erkrankungs- als auch die Sterblichkeitsrate um 20 bis 30 Prozent geringer als in Westdeutschland. Laut Einschätzung von GEKID kann das darin begründet sein, dass Frauen in der ehemaligen DDR weniger Hormone nahmen, als die Frauen im Westen. Außerdem bekamen die Frauen im Osten früher Kinder und stillten sie länger. Das reduziert die Gefahr, an Brustkrebs zu erkranken. Quelle: dpa
SüddeutschlandAuch zwischen Nord und Süd gibt es Unterschiede: So treten in Bayern und Baden-Württemberg weniger Brustkrebsfälle auf als im Nordwesten Deutschlands. Insgesamt erkrankten in Bayern und Baden-Württemberg im Jahr 2010 67.138 Menschen an Krebs. Quelle: dpa
NorddeutschlandIm Norden dagegen sind die Zahlen der Prostatakrebserkrankungen höher. Besonders viele Patienten gibt es in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Das könne laut GEKID zwar auch daran liegen, dass in diesen Ländern mehr Männer die PSA-Früherkennungs-Tests nutzen und somit einfach mehr Zahlen vorliegen. Allerdings sei im Norden auch die Sterblichkeitsrate für Prostatakrebs etwas höher als im Rest von Deutschland. Quelle: dpa
StadtstaatenIn Bremen, Hamburg und Berlin ist das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, am höchsten. Besonders Frauen bekommen in den Stadtstaaten überproportional häufig Tumore in der Lunge. Das kann zum Teil am Smog liegen, zum anderen Teil daran, dass immer mehr Frauen rauchen. Lungenkrebs ist in Deutschland die dritthäufigste Krebserkrankung – sowohl bei Männern als auch Frauen. Quelle: dpa
KüstenregionenAußerdem geht aus dem Krebsatlas von GEDIK hervor, dass es an der Nord- und Ostsee deutlich weniger Fälle von Schilddrüsenkrebs gibt, als in Süddeutschland. Das könnte daran liegen, dass die Menschen in den Regionen an der Küste besser mit Jod versorgt sind, als im Süden. Menschen mit chronischem Jodmangel haben ein höheres Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Quelle: dpa
OstdeutschlandIm Osten Deutschlands erkranken deutlich mehr Menschen an Magenkrebs, als im Rest der Republik. Besonders viele Neuerkrankungen gibt es in Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Woher der Unterschied kommt, ist unklar. Quelle: ZB

Ganz vorne mischen dabei deutsche Biotech-Unternehmen mit. Hierzulande haben mehrere hochkarätige Wissenschaftler an den Universitäten in München, Tübingen und Mainz im Detail erforscht, wie sich die Immunkräfte doch gegen den Krebs richten lassen. Einige der von ihnen gegründeten Biotech-Unternehmen stehen mit ihren innovativen Therapien nun kurz vor der Zulassung.

Die Hoffnung: „Damit könnte der Massenmörder Krebs endlich beherrschbar und zu einer chronischen Erkrankung wie Diabetes werden“, sagt Harpreet Singh, der Forschungschef der Tübinger Krebs-Impfungs-Firma Immatics Biotechnologies.

Und auch die großen Pharmakonzerne stecken immense Summen in diese Forschung. Gerade sicherte sich US-Gigant Pfizer für 850 Millionen US-Dollar Vorauszahlung und potenziell weitere zwei Milliarden Dollar Erfolgsprämie ein solches Therapiekonzept des deutschen Pharmaunternehmens Merck aus Darmstadt.

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