Neuer Esa-Chef Jan Wörner Ein Deutscher leitet nun Europas Raumfahrtbehörde

Eigentlich wollte Jan Wörner Arzt oder Pfarrer werden, aber alles kam anders. Zunächst wurde er DLR-Chef, nun rückt er an die Spitze der europäischen Weltraumagentur Esa. Eines seiner Ziele: die Erkundung des Mars.

Der bisheriger Chef des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums, Jan Wörner, wird zum 1. Juli Generaldirektor der europäischen Weltraumagentur Esa. Quelle: dpa

Ein Raumfahrer ist er nicht. Ein beschleunigter Aufstieg in höhere Sphären ist Jan Wörner trotzdem gelungen. Der 60-Jährige wechselt von der Spitze des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) nach Paris auf den Chefposten der europäischen Raumfahrtorganisation Esa. Der gelernte Bauingenieur lenkt ab 1. Juli die Geschicke einer bedeutenden Agentur, der 20 EU-Länder, die Schweiz und Norwegen sowie Kanada als assoziiertes Mitglied angehören. Als erster Deutscher seit einem Vierteljahrhundert.

Wirklich gedrängt nach einer neuen Herausforderung habe es ihn angesichts seiner „tollen Aufgaben“ beim DLR nicht, sagt Professor Wörner. Auf den neuen Job als Generaldirektor freut er sich trotzdem.

Auf Wörner kommt einiges zu. „Insbesondere die Aufgabe, eine neue Trägerrakete zu bauen, die Ariane-6.“ Sein Vorgänger Jean-Jacques Dordain hatte das Milliarden-Projekt in einem umkämpften Markt als „sehr schwergewichtig“ hervorgehoben und gemahnt: „Wir müssen innovativ sein, erfinden und entwickeln.“

So stellt sich Mars One die Marsmission vor
Die Siedlung, die Mars One auf dem Roten Planeten plant, soll aus so oder so ähnlichen Dragon-Modulen bestehen. Die ersten Astronauten sollen die Quartiere aufbauen, die nach den Vorstellungen von Mars One relativ geräumig sind. Demnach sollen sie eine Innenfläche von 200 Quadratmetern haben - pro Person 50 Quadratmeter. Quelle: PR
Die Zeichnung des dänischen Architekten Kristian von Bengtson ist ein Entwurf für das geplante Design für die Marssiedlung "Outpost Alpha". Quelle: PR
So stellt sich Mars One die gesamte erste Siedlung vor, die sich die ersten vier Astronauten aufbauen sollen, wenn sie als erste Menschen auf dem Mars gelandet sind. Sie sollen dann zwei Rover zur Verfügung haben, um den Aufbau durchzuführen. Strom soll mithilfe von Solarzellen erzeugt werden. Quelle: PR
Wie eine kleine, futuristische Studentenbude könnte man meinen: Schlafräume, Arbeitsräume, einen Gemeinschaftsraum soll es geben - und natürlich einen Raum, um Pflanzen anzubauen. Auch duschen können sollen die Marssiedler ganz normal und in der Küche kochen - aber eben entsprechend die geringe Auswahl an Pflanzen, die sie selbst anbauen können. Da man laut Mars One sogar normale Kleidung tragen können soll, verspricht die private Stiftung ihren Astronauten-Anwärtern ein recht typisch normales Leben - innerhalb der eigenen vier Wände zumindest. Quelle: PR
Laut Mars One sind Pflanzen in großen Mengen aus zwei Gründen wichtig für die Siedler: als Nahrung und zur Sauerstoffproduktion. Die Sauerstoffgewinnung soll so funktionieren: Aus echten Pflanzen werden sogenannte Chloroplasten – die Zellen zuständig für die Photosynthese – genommen und mit Seidenprotein kombiniert. Dadurch entstehe ein Prozess, der mit der Photosynthese vergleichbar ist. Mithilfe dieses „Blattes“, Wasser und Licht soll also auch auf dem Mars – außerhalb der Erdatmosphäre – Sauerstoff produziert werden können. Nach jetzigem Stand würde die Nahrung, wenn selbst auf dem Mars produziert, vor allem aus Hülsenfrüchten bestehen, da die sich wohl abgewandelt gut heranzüchten lassen. Quelle: PR
Längerfristig gedacht, könnten die Gewächsanlagen laut Mars One dann etwa so aussehen, denn die winzigen Kabinen würden nicht ausreichen - schließlich soll die Siedlung laut Mars Ones Plänen ja zeitnah dann auch wachsen. Transportmittel wären entsprechende Rover, wie der im Bild, die für Expeditionen zu Forschungszwecken rausfahren würden. Quelle: PR
Regelmäßige Lieferungen soll es nach den Plänen der Mars One nicht geben. Die Siedlung soll autark funktionieren. Über einen Satelliten in der Umlaufbahn des Mars' soll der ständige Kontakt zur Erde allerdings gewährleistet werden. Der soll ein Jahr vor den Siedlern zum Mars geschossen werden. Quelle: PR

Für Wörner hat auch Priorität, das Galileo-Navigationssystem zum Erfolg zu führen. Und: „Es wird 2016 und 2018 eine Mars-Mission der Esa geben“, zählt er unter anderem auf. „Generell werden das Thema Internationale Raumstation und die Frage, was nach der ISS kommt, meine Amtszeit dominieren.“ Die ISS wird voraussichtlich Mitte der 2020er Jahre ihren Betrieb einstellen.

Eigentlich hatte der frühere Hochschulpräsident nie damit gerechnet, beruflich einmal in der Raumfahrt zu landen. Auch wenn der kleine Jan aus Kassel im Herzen schon immer Astronaut war. „Ohne mich ist kein Neil Armstrong geflogen und auch kein Juri Gagarin. Ich habe alle Flüge und Missionen verfolgt, aber nie gedacht, dass ich selbst mal in diesem Bereich tätig sein würde.“ Arzt oder Pfarrer hätten sich seine Eltern gewünscht, der Sohn entschied sich für Bauingenieurwesen in Berlin und Darmstadt.

Die Begeisterung für Technik und Forschung wird ihm bei der Esa Antrieb sein. Wenn auch alle vom Mars reden, ein „spannendes Territorium“ sei definitiv der Mond, sagt er. „Ich glaube, dass der Mensch bald zum Mond aufbrechen wird und hoffe, dass Alexander Gerst dabei sein wird.“

Curiosity kommt in die Jahre
März 2017Curiosity hat inzwischen deutliche Abnutzungsspuren. Ein Routine-Check der Reifen im März zeigt, dass es am linken mittleren Reifen zwei Brüche der sogenannten Stege im Profil gibt. Der Rover hat während seiner Reise über den Roten Planeten inzwischen etwa 16 Kilometer zurückgelegt. Curiosity-Projektmanager Jim Erickson sagte, alle sechs Reifen hätten trotz der sichtbaren Schäden noch genug Lebenszeit, um den Rover zu allen geplanten Orten zu bringen. Die regelmäßige Überwachung der Reifen wurde eingeführt, nachdem die Forscher im Jahr 2013 deutlich mehr Dellen und Löcher in den Rädern entdeckt hatten, als erwartet worden war. Tests auf der Erde hatten gezeigt, dass der Bruch von drei Stegen zeigt, dass etwa 60 Prozent der Lebenserwartung des Reifens erreicht sind. Curiosity hat aber bereits deutlich mehr als diesen Anteil an der geplanten Strecke zurückgelegt. Quelle: NASA/JPL-Caltech/MSSS
US-Präsident Barack Obama verlässt das Weiße Haus - und auch Curiosity verabschiedet sich. Quelle: Screenshot
Mars: Curiosity untersucht Meteoriten Quelle: NASA, JPL-Caltech, LANL, CNES, IRAP, LPGNantes, CNRS, IAS, MSSS
September 2016Die Kuppen und herausstehenden Felsen aus Schichtgestein am Mount Sharp entstanden wohl aus von Wind abgelagertem Sand. Sie erinnern stark an Wüstenlandschaften auf der Erde, etwa im Grand Canyon oder dem Monument Valley. Quelle: NASA
September 2016Der Rover sendet neue Fotos vom Mars: Im Hintergrund der Aufnahme ist der Rand des Gale-Kraters zu sehen, in dem Curiosity seit 2012 aktiv ist. Geologisch ist die Region besonders interessant, da sie die Untersuchung zahlreicher Gesteinsschichten ermöglicht. Der etwa fünf Kilometer hohe Mount Sharp liegt in der Mitte des Gale-Kraters. Quelle: NASA
Juli 2016Curiosity kann jetzt seine eigenen Ziele für die Laser-Analyse auswählen. Bisher wurden diese von der Erde aus anhand von Fotos ausgewählt. Die Wissenschaftler auf der Erde werden dadurch aber nicht ersetzt: Die neue Funktion soll vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn die Nasa-Forscher anderweitig beschäftigt sind. Curiosity sendet auch nicht ständig Bilder, sondern am Ende seiner Wegstrecken. Bisher könnten wichtige Objekte auf Fahrten daher übersehen worden sein. Quelle: NASA
Curiosity: Mars hatte wahrscheinlich einst eine sauerstoffreiche Atmosphäre Quelle: dpa

Auf zum Mars bis 2050

Wörner schaut weit in die Zukunft: Eines Tages werde die Sonne die Erde so erhitzen, dass die Menschheit auswandern müsse - vielleicht zum Mars. In den nächsten Jahrzehnten sei ein Leben auf dem Roten Planeten aber noch undenkbar: „Auf dem Mars können wir nicht draußen rumlaufen, wir können dort nicht atmen, wir müssten wegen der erhöhten Strahlung besondere Schutzanzüge tragen.“ Machbar sei eine erste bemannte Mission zur Erkundung des Mars bis 2050.

Die Raumfahrt sehen viele Experten vor großen Veränderungen, so auch Wörner. Kommerzielle Interessen kommen stärker ins Spiel. Einige Aufgaben seien schon auf Private übergegangen, etwa die Kommunikationssatelliten. Der Tourismus werde immer mehr zum Treiber. „Es gibt einige private Anbieter. Interessenten können für einen zweistelligen Millionenbetrag zur ISS oder für 200 000 Euro auf 100 Kilometer Höhe fliegen.“

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Grundsätzlich ist dem künftigen Esa-Chef das Verbindende wichtiger als nationales Denken. Wenn der Mensch zum Mars fliegen sollte, wünscht sich Wörner, „dass wir dann gar nicht darüber reden, welche Nationalität an Bord ist. Wir sind eine global agierende Gemeinde“.

Der Vater von drei erwachsenen Kindern hat zwar den Orbit im Blick, blendet die Weltpolitik - Ukraine-Konflikt oder Dissonanzen zwischen dem Westen und Russland - aber nicht aus: „Die Raumfahrt kann in Zeiten irdischer Krisen eine gute Rolle in der Völkerverständigung spielen. Raumfahrt hat auch die Aufgabe, in schwierigen Zeiten internationale Kooperation aufrechtzuerhalten.“

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