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Neurologie Forscher entdecken Gene für Intelligenz

Ein internationales Forscherteam hat erstmals zwei Gruppen von Genen im Gehirn identifiziert, die die menschliche Intelligenz steuern.

Modell eines menschlichen Gehirns Quelle: dpa

Die Erbanlagen - unsere Gene - sind auch für die Intelligenz zuständig, das ist Wissenschaftlern seit Langem klar. Doch welche Gene dabei die entscheidende Rolle spielen war bisher nicht bekannt. Erstmals konnte nun ein 34-köpfiges Team aus Forschern aus Großbritannien, Frankreich, Belgien, Deutschland, Singapur und Australien zwei Gruppen von Genen ausfindig machen, die die Entwicklung und Steuerung unserer geistigen Fähigkeiten lenken.

M1 und M3, so heißen die beiden Gen-Cluster, bestehen jeweils aus hunderten von Einzelgenen, die in einem Netzwerk eng zusammenarbeiten. Sie dirigieren unser Denken, unsere Erinnerungen und unserer Aufmerksamkeit, meinen die beteiligten Wissenschaftler. Einer von Ihnen, der Neurologe Michael Johnson vom Imperial College London, sagt: "Eigenschaften wie die Intelligenz werden von großen Gen-Gruppen gemeinsam geregelt, wie in einem Fußball-Team mit Spielern an unterschiedlichen Positionen."

Diese beiden Gen-Mannschaften werden wiederum von einigen wenigen zentralen Gen-Schaltern gesteuert, schätzen die Forscher.

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Das würde es möglich machen, nicht nur Menschen zu helfen, die an schweren neurologischen Erkrankungen wie etwa Epilepsie oder Alzheimer leiden, sondern ganz generell unsere geistigen Fähigkeiten zu beeinflussen - und zu verbessern. "Unsere Arbeit zeigt, dass es möglich sein könnte, mit diesen Genen zu arbeiten und so die Intelligenz zu modifizieren", sagt Johnson. Aufmerksam wurden die Forscher, die ihre Arbeit im Fachmagazin "Nature Neuroscience" veröffentlicht haben, auf die beiden Gen-Gruppen, als sie 122 Gewebeproben von Epilepsiekranken untersuchten. Um Ihre Krankheit zu behandeln, war den Patienten ein bestimmtes Areal des Gehirns entfernt worden.

In Arbeit
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Welche Gene in diesem Gehirn-Gewebe aktiv waren, untersuchten das internationale Team anschließend und verglich diese Daten dann mit bereits vorliegenden und veröffentlichten Daten der Gen-Aktivitäten von geistig gesunden Menschen und solchen, die an neurologischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Autismus oder einer geistigen Behinderung litten. Dabei fielen die beiden Gen-Netzwerke M1 und M3 auf, weil sie bei kranken Menschen sehr häufig gegenüber Gesunden verändert waren.

Bis unserer Intelligenz per Gen-Schalter nachgeholfen wird, könnte allerdings noch eine Weile dauern, räumt Johnson ein: "Im Moment ist das noch pure Theorie - aber den ersten Schritt auf dem Weg dorthin haben wir geschafft."

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