Nobelpreis für Medizin Japaner bekommt Medizin-Nobelpreis

In Stockholm hat die Jury verkündet, wer in diesem Jahr den Nobelpreis für Medizin erhalten wird. Gewonnen hat ein japanischer Wissenschaftler.

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den Japaner Yoshinori Ohsumi für die Entdeckung des sogenannten Autophagie-Mechanismus. Quelle: REUTERS

Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr nach Japan. Der Japaner Yoshinori Ohsumi wird für die Entdeckung des sogenannten Autophagie-Mechanismus ausgezeichnet, der unter anderem bei der Zersetzung von Zellbestandteilen eine Rolle spielt. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Die Jury würdigte Ohsumi für „brillante Experimente“ zur sogenannten Autophagie, einem Prozess, bei dem Zellen ihre Inhalte zerteilen und sozusagen recyceln.

Eine gestörte Autophagie sei mit diversen Krankheiten in Verbindung gebracht worden, unter anderem mit der Parkinson-Krankheit, Diabetes und Krebs, erklärte das Institut. Zwar sei das Konzept bereits seit mehr als 50 Jahren bekannt. Doch sei seine „fundamentale Bedeutung“ erst nach Ohsumis Forschungsarbeiten in den 1990er Jahren erkannt worden.

Ohsumi zeigte sich überwältigt von der Auszeichnung: „Das ist eine Freude für einen Forscher, die nicht zu übertreffen ist“, sagte der 71-Jährige in einem Gespräch mit dem japanischen Fernsehsender NHK. Auf die Frage, warum er sich auf die Auflösung und nicht auf die Zusammensetzung von Proteinen fokussiert habe, sagte der Wissenschaftler: „Ich wollte etwas tun, das die anderen nicht taten.“

Zehn Mythen über den Nobelpreis

Ohsumi wurde 1945 im japanischen Fukuoka geboren. Er ist derzeit Professor am Tokio-Institut für Technologie. Im vergangenen Jahr teilten sich den Nobelpreis für Medizin drei Wissenschaftler, die Behandlungen für Malaria und andere Tropenkrankheiten entwickelten.

Der Nobelpreis für Medizin ist mit acht Millionen Schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert. Er wird am 10. Dezember in Stockholm überreicht.

Dritter Medizin-Nobelpreis an Japaner seit 2012

Yoshinori Ohsumi ist bereits der dritte Japaner seit 2012, der den Medizin-Nobelpreis bekommt. Bereits im vergangenen Jahr wurde Satoshi Omura geehrt. Er hatte zusammen mit dem gebürtigen Iren William C. Campbell den Wirkstoff Avermectin entwickelt. Daraus entstanden Präparate gegen bestimmte Parasitenerkrankungen. Shinya Yamanaka erhielt 2012 zusammen mit dem Briten John Gurdon den renommiertesten Forschungspreis für die Rückprogrammierung erwachsener Körperzellen in den embryonalen Zustand.

Unerfüllte Nobelpreis-Träume
Nobelpreis-Verleihung Quelle: DPA
Alfred Nobel Quelle: DPA
Dag Hammarskjöld Quelle: DPA
Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna Quelle: Dpa
Nobelpreis-Jury Quelle: DPA
3. Wer zuerst kommt...Wer hat im Rennen um eine bahnbrechende Entdeckung die Nase vorn? Das Veröffentlichungsdatum einer Studie liefert den Juroren zumindest einen Hinweis. „Man muss die wissenschaftliche Literatur gründlich lesen, um zu sehen, wer über eine Entdeckung wann eine Studie veröffentlicht hat“, sagt Nobeljuror Gunnar Ingelman. Quelle: DPA
Nobelpreis-Medaille Quelle: DPA

Auch beim Physik-Nobelpreis sind die Japaner stark. Im vergangenen Jahr wurde Takaaki Kajita zusammen mit dem Kanadier Arthur McDonald für den Nachweis geehrt, dass Neutrino-Elementarteilchen eine Masse haben. Im Jahr zuvor bekamen die drei gebürtigen Japaner Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shuji Nakamura für spezielle Leuchtdioden den Preis. Das Nobel-Komitee wies am Montag darauf hin, dass die asiatische Forschung stark im kommen ist.

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