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Oliver Brüstle "Therapeutisches Klonen hat keine klar ersichtlichen Vorteile"

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Zellen verjüngen statt klonen

Der Zoo der Klon-Tiere
Übersicht
Dolly
Cumulina
Mira, Mira und Mira
Millie, Christa, Alexis, Carrel und Dotcom
Ombretta
Noah

Welche Vorteile hätten solche embryonalen Stammzellen für die medizinische Behandlung?
Bislang keine klar ersichtlichen. Patienteneigene Stammzellen lassen sich seit einigen Jahren auf wesentlich weniger problematische Art und Weise über das Verfahren der Zellreprogrammierung direkt aus Haut- oder auch Blutzellen herstellen – ohne hierfür einen Embryo zu klonen. Shinya Yamanaka ist für die Erstbeschreibung dieser induziert pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) kürzlich mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Angesichts dieser sehr effizienten und ethisch weitgehend unproblematischen Alternative sehe ich für geklonte Stammzellen wie sie jetzt beschrieben wurden keine große therapeutische Relevanz.

Die Forscher der Studie schlagen das sogenannte therapeutische Klonen ja für einige Erkrankungen vor, bei denen die Mitochondrien, also die Kraftwerke der Zellen betroffen sind. Das ist auch ihr ursprüngliches Forschungsgebiet. Hätte es dort Vorteile?

In der Tat entstehen bei dem jetzt beschriebenen Verfahren Stammzellen, deren Mitochondrien überwiegend aus der Eizelle stammen. Schadhafte Mitochondrien ließen sich so theoretisch durch gesunde ersetzen. Ob dies angesichts der damit zusammenhängenden Probleme wie Eizellspende und Erzeugung eines frühen Embryos klinisch realisierbar ist, halte ich für sehr fraglich.


Wäre das Verfahren denn legal?

In Deutschland wäre es in jedem Fall verboten. In Europa wäre es in Großbritannien durchführbar. Eventuell auch in Schweden.

Sie haben ja das erste europäische Patent auf eine embryonale Stammzelllinie erteilt – und nach jahrelangen rechtlichen Streitereien vor wenigen Monaten wieder aberkannt bekommen. Ließen sich solche Zellen patentieren?

In Arbeit
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Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs sind Verfahren, welche embryonale Stammzellen mit einbeziehen, von der Patentierbarkeit ausgeschlossen. Das gilt auch für geklonte embryonale Stammzellen.

Ist die erneut entfachte Diskussion dennoch hilfreich?

Nein, nicht wirklich. Das Verfahren knüpft an die Dolly-Methode aus dem Jahr 1997 an. Inzwischen hat das Feld mit den iPS-Zellen sehr effiziente Alternativen. Aber die Diskussion kann dazu beitragen, über Regelungen nachzudenken, die möglichem Missbrauch entgegenwirken – etwa eine internationale Konvention zum Verbot reproduktiven Klonens.

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