Pharma-Krimi Babyleichen in Pillen gepackt

Seit Monaten findet der südkoreanische Zoll Kapseln, die aus pulverisiertem Menschenfleisch bestehen und aus China ins Land geschmuggelt werden. Das übertrifft an Widerlichkeit sogar Science-Fiction-Klassiker wie "Soylent Green".

Horror-Kapseln aus Menschenfleisch

Können Sie sich noch an den Science Fiction-Film "Solyent Green" erinnern? "…Jahr 2022… die überleben wollen" hieß der deutsche Titel des 1973 gedrehten Öko-Thrillers. Offensichtlich kann die Wirklichkeit noch viel widerlicher sein.

Schon als ich die Pharma-Mafia-Geschichte über gefälschte Medikamente recherchierte, lief es mir gelegentlich kalt den Rücken herunter. Schlicht unglaublich, mit welcher Skrupellosigkeit Pillen-Panscher giftige Straßenfarbe in ihre Medikamenten-Fälschungen rühren oder seriöse Pharmahersteller mit getürkten und giftigen Rohstoffen beliefern – und dabei Hunderte von Menschenleben riskieren und vielfach auch schon auf dem Gewissen haben.

Das Geschäft mit gepanschten Pillen
Das Geschäft mit gefälschten Medikamenten ist lukrativer als der Drogenhandel. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind mindestens 50 Prozent der im Internet vertriebenen Medikamente und etwa zehn Prozent aller weltweit verkauften Arzneimittel Fälschungen. Hier zu sehen: Tablettenproduktion in einer indischen Fälscherwerkstatt. Dieses und alle folgenden Fotos stammen aus Ermittlungsakten des Pharmakonzerns Pfizer. Quelle: Pfizer (aus Ermittlungsakten)
25 Millionen gefälschte Medikamente wurden 2010 allein in Deutschland vom Zoll beschlagnahmt. In kriminellen Werkstätten wie dieser in Kolumbien werden Pillen gepresst, die zu wenig, zu viel oder gar keinen Wirkstoff enthalten. Quelle: Pfizer (aus Ermittlungsakten)
Die Herstellungsbedingungen sind meist - wie hier in Kolumbien - abenteuerlich. Oft sind es auch die Inhaltstoffe. So fanden sich in Imitaten diverser Produkte des Pharmakonzerns Pfizer mitunter hochgiftige und lebensgefährliche Stoffe wie Straßenfarbe auf Blei-Basis, Borsäure, Bodenreiniger und das  Amphetamin Speed. Quelle: Pfizer (aus Ermittlungsakten)
Zuweilen sind die Fälscherwerkstätten auch schlichtweg eklig. Hier entsteht eine Kopie des Pfizer-Präparats Lipitor / Sortis, einem Cholesterinsenker. Die Kosten von Rückrufaktionen gefälschter Arzneimitteln müssen die betrogenen Pharmaunternehmen übrigens selbst tragen. Quelle: Pfizer (aus Ermittlungsakten)
So gut wie jedes Medikament wird kopiert. So wurden von 60 Pfizer-Produkten Fälschungen in 104 Ländern sichergestellt, darunter Mittel zur Behandlung von Krebs, HIV, hohem Cholesterin, Alzheimer, Bluthochdruck, Depressionen, rheumatischer Arthritis und Antibiotika. Hier wird in Pakistan eine Fälschung des Hustensafts Corex abgefüllt. Das Original wird in Indien, Pakistan, Bangladesch und anderen südasiatischen Märkten vertrieben. Quelle: Pfizer (aus Ermittlungsakten)
Das am häufigsten gefälschte Medikament ist das Potenzmittel Viagra, ebenfalls von Pfizer. Allein im Jahr 2008 wurden weltweit acht Millionen gefälschte kleine blaue Tabletten beschlagnahmt. Quelle: Pfizer (aus Ermittlungsakten)
Hier wurden gefälschte Viagra-Pillen in China verpackt. Quelle: Pfizer (aus Ermittlungsakten)

Doch der jetzt bekannt gewordene Fall von zermahlenen Babyleichen und abgetriebenen Föten, die nach Angaben des südkoreanischen Zolls in den vergangenen zehn Monaten in eingeschmuggelten Pillen aus China entdeckt wurden, übertrifft alles, was ich mir bisher an Grausamkeit vorstellen konnte.

Entdeckt worden seien mehr als 17.000 solcher Kapseln, die in Südkorea als Mittel zur Förderung der Leistungsfähigkeit und Heilung von Krankheiten verkauft werden, teilte die südkoreanische Zollbehörde am Montag mit. Der Preis pro Kapsel: Etwa 27 Euro. Der Inhalt: Menschenfleisch.

Zur Herstellung des Pulvers seien laut Zollbehörde die Babyleichen in kleine Teile geschnitten und dann getrocknet worden. Woher die Babyleichen und Föten stammen, ist bisher unklar. Dem wollen chinesische Gesundheitsbehörden nun nachgehen, hieß es von chinesischer Seite am Dienstag. Offensichtlich haben Kriminelle einen Weg gefunden, aus Chinas Ein-Kind-Politik Profit zu schlagen.

Ich finde es offen gestanden schon ziemlich krank, die letzten noch lebenden Nashörner und Elefanten zu schlachten, um deren imposante Hörner und Stoßzähne zu potenzstärkenden Pülverchen zu zermahlen. Aber kleine, ungewollte Menschenkinder dazu zu verarbeiten, das erinnert mich tatsächlich an das unvorstellbare Szenario des Science-Fiction-Films „Soylent Green“.

In dem Thriller sind Lebensmittel so knapp geworden, dass die Menschen mit industriell gefertigten Keksen ernährt werden. Soylent – eine Wortschöpfung aus den englischen Worten für Soja und Linsen – gibt es neuerdings nicht nur in Gelb und Rot, sondern auch in besonders nahrhaftem Grün. Die Hauptfigur des Filmes, ein Polizist, findet heraus, dass sie nicht aus Algen gemacht werden, sondern aus Menschenfleisch. Ich habe den Film mehrfach mit wohligem Gruseln gesehen. Aber ich hätte mir nie träumen lassen, dass die Realität die Filmszenen einholt.

Willkommen in der Wirklichkeit!

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