Philae Mini-Labor ist der Strom ausgegangen

Der Sonde Philae ist der Saft ausgegangen. Da das Minilabor im Schatten gelandet ist, bekommt Philae zu wenig Sonne, um seine Akkus aufzuladen. Nun herrscht Funkstille.

Aufnahme vom Kometen Tschuri: Die ungünstige Lage verhindert das Aufladen der Batterien. Quelle: AP

Kein Strom im All: Das Mini-Labor „Philae“ hat wegen leerer Batterien seine Arbeit eingestellt und schläft auf dem Kometen „Tschuri“. „Signalverlust, keine weitere Kommunikation mehr“, teilte die Europäische Weltraumagentur Esa am frühen Samstagmorgen in einer Twitter-Botschaft mit. Ob „Philae“ während des Ritts auf dem Himmelskörper nochmals erwachen wird, war unklar. „Europas Kometenjagd geht aber weiter“, sagte Esa-Sprecher Bernhard von Weyhe am Sonntag. Die Raumsonde „Rosetta“ bleibe in der Nähe von „Tschuri“, um ihn zu beobachten.

Das waschmaschinengroße Labor schaltete eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt seine Instrumente ab. „Alle Experimente sind gemacht worden“, sagte der Chef für den Esa-Flugbetrieb, Paolo Ferri, in Darmstadt. Er rechnete nicht damit, dass „Philae“ sich bald wieder meldet.

Vielleicht könnte das Labor Energie tanken, wenn es auf „Tschuri“ Richtung Sonne geht. Die Kontrolleure hatten „Philae“ im letzten Moment etwas drehen können, damit das Labor über Kollektoren mehr Sonnenlicht empfangen kann. „Ob das wirkt, wird sich aber erst in den nächsten Wochen zeigen“, meinte Ferri.

Raumfahrt-Bilder, die Geschichte schrieben
Das Weltraumteleskop „Hubble“ hat das bislang farbenprächtigste Porträt des Universums geliefert. Ein neues Panorama der US-Weltraumbehörde NASA schließt erstmals ultraviolettes Licht ein, das normalerweise für das menschliche Auge nicht sichtbar ist. Auf dem Panorama, das aus mehr als 800 Fotos von „Hubble“ erstellt wurde, ist es als helles blau mit drehenden Galaxien zu sehen, die fünf bis zehn Milliarden Jahre alt sind. Insgesamt zeigt das Panorama an die 10.000 mehrfarbige Galaxien. „Hubble“-Astronom Zolt Levay sagte, durch die Hinzufügung von Ultraviolett und Infrarot könne man jetzt das breite Farbenspektrum des Universums „und noch einiges mehr“ sehen. Quelle: Reuters
Im Oktober 2913 schaute die Welt gebannt auf den Österreicher Felix Baumgartner. Der Extremsportler sprang aus 39 Kilometern höhe aus der Stratosphäre zurück auf die Erde. Weitere Bilder und Informationen zum Rekord-Sprung. Quelle: dapd
Zweimal hatte das Raumschiff den Mond schon umkreist, da änderte Kommandant Frank Borman ein klein wenig dessen Ausrichtung - und traute seinen Augen nicht. „Oh Gott! Seht euch dieses Bild da an“, rief er den beiden anderen Astronauten der „Apollo 8“-Mission zu. „Hier geht die Erde auf. Mann, ist das schön!“ Kollege William Anders griff nach einer Kamera, schraubte das längste Objektiv drauf, was er finden konnte, legte einen Farbfilm ein und knipste los. „Ich habe einfach klick-klick-klick-klick-klick gemacht“, erinnerte sich Anders, der am 17. Oktober 80 Jahre alt wird, später. Heraus kam eines der wohl bekanntesten Fotos der Welt: „Earthrise“ (Erdaufgang). Quelle: dpa
Die Crew der Apollo 8 (l-r): James A. Lovell, William A. Anders und Frank Borman in Kap Kennedy (Florida) im November 1968. Es war die zweite bemannte Raumfahrt des amerikanischen Apolloprogramms und der erste bemannte Mond zum Mond. Quelle: dpa
Apollo 11 trat im Jahr 1969 die Reise zum Mond an. Es war die erste Mission die auf dem Erdtrabanten landete und von dort auch wieder zurück zur Erde flog. Neil Armstrong war der erste Mensch auf dem Mond. Quelle: AP
Die Mission hielt die Öffentlichkeit in Atem. Nach dem Abflug besuchte der damalige US-Präsident Richard Nixon die Astronauten Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin Aldrin (von links). Die Astronauten befanden sich nach ihrer Rückkehr vom Mond für einige Tage in Quarantäne. Quelle: dpa
Bruce McCanndless war der erste Astronaut, der sich ohne Sicherheitsleine durch das Weltall bewegt hat. Dafür trug er bereits 1984 einen Raketentornister, mit dem er sich selbständig von der Raumstation wegbewegen konnte. Quelle: NASA
1986 mussten Millionen Fernsehzuschauer mit ansehen, wie die Raumfähre Challenger explodierte. Die siebenköpfige Mannschaft kam bei dem Unglück ums Leben. Grund für die Explosion waren defekte Dichtungsringe in einer der seitlichen Wasserstoffraketen. Im Anschluss musste das Space Shuttle Programm der USA vorübergehend eingestellt werden. Quelle: dapd
Im Jahr 2003 erlebt die Amerikanische Raumfahrt die nächste Katastrophe. Die US-Raumfähre "Columbia" zerfällt beim Eintritt in die Atmosphäre in großer Höhe über Nordtexas in mehrere Teile. Alle sieben Astronauten kamen bei dem Unglück ums Leben. Quelle: dpa
Damit stand für den 2005 geplanten Start der Raumfähre "Discovery" nicht nur das Prestige der US-Raumfahrtbehörde NASA auf dem Spiel, sondern auch die Zukunft des bemannten Raumfahrtprogramms der USA. Mehr als zweieinhalb Jahre nach der "Columbia"-Tragödie startet am 13. Juli um 21.51 Uhr (MESZ) erstmals wieder vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ein Spaceshuttle mit sieben Astronauten an Bord. Quelle: REUTERS
Einmal Winken beim Weltraumspaziergang: Der Japaner Soichi Noguchi war einer der ersten Astronauten, der zwischen 2009 und 2010 von der International Space Station regelmäßig Bilder über Twitter verbreitete. Heute machen es ihm etliche Astronauten nach. Zu den atemberaubenden Twitterbildern der ISS-Astronauten. Quelle: dpa/dpaweb
Der Mars-Rover Curiosity der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa schickt als erstmals hochaufgelöste Farbbilder vom Roten Planeten. Was der Rover auf seiner Forschungstour auf dem Mars bereits entdeckt hat. Quelle: dpa

„Rosetta“ soll „Tschuri“ auf seiner Reise Richtung Sonne begleiten und beobachten, wie er reagiert, wenn es immer heißer wird. Die Mission ist bis Dezember 2015 geplant. „Philae“ droht der Hitzetod.

Die Sonde hatte „Philae“ huckepack auf einer zehnjährigen Reise zu dem Himmelskörper gebracht, der eigentlich „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ heißt. Dem Mini-Labor war am Mittwoch dann die erste Landung auf einem Kometen in der Geschichte der Raumfahrt gelungen.

Doch es lief längst nicht alles glatt: Nach dem Aufsetzen machte das Gerät zwei Hüpfer, bevor es - etwa einen Kilometer vom ursprünglichen Ziel entfernt - am Rande eines Kraters in Schieflage zum Stehen kam. Ein gewaltiger Hopser dauerte etwa zwei Stunden, der andere Minuten. „Tschuri“ hat nur geringe Anziehungskraft.

Trotz der misslichen Position des Mini-Labors konnten alle Instrumente aktiviert werden. Zuletzt hatte auch noch ein Bohrer den Befehl bekommen, dem Kometen eine Probe zu entnehmen.

Die Batterie des Labors war von vornherein auf zweieinhalb Tage ausgelegt. Da „Philae“ aber nach der holprigen Landung an einer schattigen Seite aufgekommen war, war ein Nachladen vorerst nicht möglich. Experten hatten es schon am Mittwoch als Erfolg bezeichnet, wenn das Gerät etwa 60 Stunden durchhalten könnte. „Wir sind in dem Zeitrahmen geblieben, den wir uns vorgestellt haben“, sagte von Weyhe. „Aber jetzt war es das erst einmal.“

Den Kontrolleuren beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln war es am späten Freitagabend noch einmal gelungen, mit dem Lander zu kommunizieren. Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR sprach von „letzten Zuckungen von „Philae““.

„Tschuri“ ähnelt in seiner Form einer kilometergroßen Quietsche-Ente und wurde 1969 entdeckt. Kometen bestehen aus einer Mischung von Eis und Gestein und werden auch als schmutzige Schneebälle bezeichnet.

Schon jetzt wissen die Forscher: Auf „Tschuri“ ist es dunkel wie in einem Kohlenkeller und es stinkt - nach faulen Eiern und Pferdestall. Der Brocken braucht fast sieben Jahre, um die Sonne zu umrunden. Je näher der Komet unserem Zentralgestirn kommt, desto mehr verdampft von seinem Eis und umso stärker wird seine Ausgasung.

Mit den von „Philae“ gesammelten Daten wollen die Experten unter anderem die Zusammensetzung des Kometenkerns sowie die Bodenbeschaffenheit und Temperatur genau analysieren. Am Freitag wurde ein Thermometer des Instruments „Mupus“ rund 35 Zentimeter in den Kometen gerammt, um die Festigkeit des Bodens zu testen und Informationen über seine Wärme zu bekommen.

Wissenschaftler hoffen bei der Analyse der Daten auf Hinweise über die Entstehung des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren - ein Blick in die tiefste Vergangenheit des Universums. Erwartet werden auch Indizien darauf, wie Leben möglich wurde, etwa durch den Nachweis von organischen Molekülen. „Philae“ lieferte schon bald nach der Landung beeindruckende Fotos.

Die „Rosetta“-Mission erinnert an ein Projekt Japans. 2005 sammelte die „Hayabusa“-Sonde Bodenproben auf einem Asteroiden und brachte sie Jahre später zurück zur Erde.

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