WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Phlegräische Felder Forscher blicken mit Sorge auf Supervulkan

Die Phlegräischen Felder bei Neapel gehören zu seltenen Kategorie der Supervulkane. Derzeit hebt sich der Boden in dem Gebiet. Forscher blicken mit Sorge auf den Vulkan, unter dessen Ausbruch ganz Europa zu leiden hätte.

Direkt neben der italienischen Millionenstadt Neapel liegen die Phlegräischen Felder - ein Supervulkan, der Forschern Sorge bereitet. Quelle: dpa

Neapel/PotsdamDie Sorge um den Supervulkan im Nordwesten Neapels wächst. Seit wenigen Wochen hebt sich der Boden an den Phlegräischen (griechisch: brennenden) Feldern stärker als zuvor. Befürchtet wird, dass sich unter den Supervulkan eine gigantische Magmakammer füllt, die mit der Kammer unter dem weiter östlich gelegenen Vesuv verbunden ist.

Der italienische Zivilschutz die Warnstufe erhöht. Der Boden hebe sich derzeit um etwa drei Zentimeter pro Monat, sagt Thomas Wiersberg vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ in Potsdam. Er gehört zu einem internationalen Forscherteam, das im Sommer Bohrungen zur Untersuchung des Vulkans startete, der zur seltenen Kategorie der Supervulkane zählt.

Solche Giganten können bei einem Ausbruch riesige Gebiete verwüsten. Ein Ausbruch der Phlegräischen Felder etwa würde große Teile Europas in Mitleidenschaft ziehen, zudem könnten weltweit Auswirkungen wie etwa Klimaveränderungen drohen.

Wiersbergs Team drang erst kürzlich mit einer Pilotbohrung bis in 500 Meter Tiefe vor. Ergebnisse gebe es aber noch nicht, so der Forscher. Ob die Bodenhebungen auf einen bevorstehenden Ausbruch hindeuten, sei ungewiss. Einerseits könnte mit dem höheren Druck die Gefahr eines Ausbruchs steigen. Andererseits gab es aber seit den 1960er Jahren zwei Phasen mit starken Hebungen, ohne dass es zu einem Ausbruch kam.


Fehlende Erfahrungswerte

Für eine genauere Prognose fehlt es den Forschern schlicht an Erfahrungswerten, da Supervulkane nur sehr selten massiv ausbrechen. „Es ist leicht zu behaupten, dass es irgendwann eine Eruption geben wird. Aber das nützt uns ja nichts, wir brauchen konkretere Informationen“, sagte Wiersberg.

Auch deshalb ist das Bohrprojekt für die Forschung so wichtig: Es soll unter anderem genauere Erkenntnisse darüber liefern, was früher in dem Supervulkan geschah. „Wir müssen erst verstehen, was unter der Oberfläche geschieht“, meint der Forscher. Dann könne man vielleicht mehr sagen.

Befürchtungen von Anwohnern und einigen Wissenschaftlern, die Bohrung könne den Supervulkan „aufwecken“, bewahrheiteten sich bislang nicht. „Alles hat technisch ohne Probleme geklappt. Es wurden weder zusätzliche vulkanische Aktivitäten ausgelöst noch gab es irgendwelche Probleme mit Gasen oder Fluiden.“

Wann die Forscher das Projekt fortsetzen und mit der geplanten Tiefbohrung bis in drei Kilometer Tiefe beginnen, ist offen. „Das ist im Moment vor allem eine finanzielle Frage. Es wird die Tiefbohrung geben, wenn Italien die entsprechenden Mittel zur Verfügung stellt.“

Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%