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Hoffnungsvolles Verfahren für Transplantationsmedizin

Körper Quelle: REUTERS

Wer die Konstruktionsdaten der Gegenstände auf die Server der Online-Anbieter lädt, bekommt die fertigen Teile wenige Tage später per Post zugeschickt. Die selbst gestaltete iPhone-Hülle aus schwarzem Kunststoff gibt's für knapp 20 Euro, die Halskette aus Edelstahl mit Goldauflage schlägt mit rund 280 Euro zu Buche. Letztlich bedeutet der 3-D-Druck auch eine Demokratisierung des Designs.

Im Internet eröffnet eine wachsende Zahl von Marktplätzen für selbst entworfene, druckbare Gegenständen. Bei thingiverse.com etwa können Nutzer Konstruktionsdaten austauschen oder eigene Entwürfe verkaufen. Das Angebot reicht von chinesischen Xiangqi-Spielfiguren über Plastikbausätze Furcht einflößender Riesenspinnen bis hin zu Ausquetschhilfen für Zahnpastatuben. Sogar die dreidimensionalen Sehenswürdigkeiten im digitalen Globus Google Earth lassen sich nun ausdrucken.

Organe aus dem Drucker

Doch egal, ob digitale Nachbauten von Eiffelturm und Freiheitsstatue, ob ultraleichte Bauteile künftiger Düsenjets oder Kleinstserien innovativer Designerstücke – kein Anwendungsfeld für den Einsatz der 3-D-Drucker ist so außergewöhnlich wie die Pläne der US-Forscher Anthony Atala und Hod Lipson von der Wake Forest University aus North Carolina und der Cornell University aus dem US-Bundesstaat New York.

Die Wissenschaftler wollen die Technik nutzen, um eines der größten Probleme der modernen Transplantationsmedizin zu lösen: den dramatischen Mangel an Spenderorganen. „Wie wir heute schon in der Lage sind, Blutgefäße mithilfe von Druckern herzustellen, so sollte es in Zukunft möglich sein, auch beschädigte Organe nachzudrucken“, sagt Atala, der am Institut für regenerative Medizin forscht.

Forschung an Robotern

Auch er will mit 3-D-Druckern räumliche Strukturen aus biologisch abbaubarem Trägermaterial erzeugen, in denen sich dann menschliche Zellen einnisten und so neue Nieren, Lebern oder Blasen entstehen lassen. Noch klingt das wie Science-Fiction, doch die ersten per Drucker erzeugten Venen zeigen, dass die Technik zumindest bei einfacheren Geweben bereits funktioniert.

Für Lipson ist es denn auch nur noch eine Frage der Zeit, bis sich nicht mehr nur Ersatzteile für Knochen und Gelenke, sondern auch komplexere Ersatzorgane für den menschlichen Körper industriell herstellen lassen. Der Wissenschaftler forscht unter anderem an von biologischen Vorbildern inspirierten Robotern und der Reproduktion verschleißanfälliger Körperteile wie Knochen, Sehnen oder Meniskuslappen. Eines jedenfalls ist für ihn klar: „In 20 Jahren sind Organe aus dem Drucker medizinischer Mainstream.“

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