Rasante Zunahme Mehr als eine Million Ebola-Fälle bis Januar befürchtet

Eine US-Behörde schlägt Alarm: Mehr als 1,4 Millionen Ebola-Kranke prognostiziert sie bis Mitte Januar. Die Weltgesundheitsorganisation und Wissenschaftler halten das für zu pessimistisch.

Ebola-Virus Quelle: dpa

Bis Mitte Januar könnte die Zahl der mit Ebola infizierten Menschen nach Schätzungen einer US-Behörde allein in Liberia und Sierra Leone auf 1,4 Millionen steigen. Bis Ende Oktober könnten es in diesen beiden Ländern 21.000 berichteter und nicht berichteter Fälle sein, hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten Prognose der US-Seuchenkontrollbehörde CDC. Bis Mitte Januar könne die Zahl auf 1,4 Millionen anschwellen - falls die Anstrengungen im Kampf gegen die Epidemie nicht deutlich erhöht würden. Richard Wenzel, Wissenschaftler der Virginia Commonwealth Universität, bezeichnete die Zahlen der CDC als zu pessimistisch. Sie berücksichtigten nicht die bereits laufenden Hilfsmaßnahmen.

Der strategische Direktor der WHO, Christopher Dye, der Koautor einer neuen Ebola-Studie ist, sagte, die Zahl der Fälle werde sich exponentiell steigern. Die Zahl der Infizierten und Toten könne in den kommenden Monaten um Hunderte oder gar Tausende Fälle pro Woche ansteigen. Das Virus werde sich auch in Teilen Guineas ausbreiten, aus denen bislang noch keine Ebola-Ansteckungen bekannt seien. Die neue WHO-Analyse der Situation in Westafrika wurde am Dienstag von dem Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ im Internet veröffentlicht. Menschen könnten sich auch noch in Jahren mit Ebola anstecken, sollten sich die Kontrollmaßnahmen nicht verbessern, hieß es. Seit die ersten Fälle vor gut einem halben Jahr in Westafrika auftraten, sind nach WHO-Schätzungen bislang 5800 Menschen an dem Virus erkrankt. Ebola forderte demnach bislang rund 2800 Todesopfer.

Das ist das Ebola-Virus

Die WHO teilte mit, die genaue Zahl der Opfer in Liberia werde wohl nie zu erfahren sein. In einem Slum der Hauptstadt Monrovia würden die Leichen einfach in Flüsse geworfen. Die Maßnahmen gegen Ebola in den nächsten Monaten seien entscheidend, sagten Dye und seine Kollegen. „Das Fenster, um den Ausbruch zu kontrollieren, schließt sich“, sagte ein Epidemiologe der Londoner Hochschule für Hygiene und Tropenmedizin, Adam Kucharski.

In den vergangenen Wochen hatten mehrere Staaten verstärkte Hilfe für die am stärksten betroffenen Länder Liberia, Sierra Leone und Guinea zugesichert. Darunter waren auch die USA, die 3000 militärische Angestellte zum Aufbau von Behandlungszentren sowie die Ausbildung von Medizinern vor Ort bereitstellen.

Trotz der Bemühungen breitet sich das Virus immer rasanter aus. Es gebe viel zu wenige Krankenhausbetten, medizinische Hilfskräfte und nicht einmal ausreichend Wasser und Seife in manchen Regionen. Die Todesrate unter den Krankenhauspatienten werde in etwa bei 70 Prozent liegen, sagte Dye.

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Die Hilfsmaßnahmen gäben Anlass zu leiser Hoffnung, dass eine weitere Ausbreitung der Epidemie verhindert werde, sagte Dye. Ob die Unterstützung für die betroffenen Länder jedoch ausreichend sei, bleibe abzuwarten. „Das ist ein bisschen wie eine Wettervorhersage. Wir können das ein paar Tage im Voraus tun, aber ein paar Wochen oder Monate vorherzuschauen ist sehr schwierig.“

Die Behörden in Sierra Leone ziehen ein weiteres landesweites Ausgehverbot in Erwägung. Das teilte Präsident Ernest Koroma am Dienstag im Rundfunk mit. Bei einem vorherigen dreitägigen Ausgehverbot für Bewohner hatten Teams am Wochenende mehr als eine Million Haushalte besucht, um Informationen über Ebola zu verteilen und Infizierte aufzuspüren.

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