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Raumfahrt Goldgräber im Weltall

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Bergbau im All

Illustration: Eine Asteroidenmine tourt durch das Sonnensystem Quelle: Javier Zarracina für WirtschaftsWoche

Und im Vergleich zu den gesamten Rohstoffvorkommen im weiten Raum zwischen Merkur und Neptun ist das nur ein Taschengeld. Denn 1986 DA, benannt nach dem Zeitpunkt seiner Entdeckung, ist nur ein winziger Geselle in einem riesigen Schwarm. Viele Millionen Gesteinsbrocken, Bauschutt aus der Gründungsphase des Sonnensystems, kreisen zwischen den Planeten um die Sonne. Die meisten bewegen sich im sogenannten Asteroidengürtel, einem Geröllring zwischen Mars und Jupiter, der an seinem inneren Rand mit 150 Millionen Kilometern genauso weit von der Erde entfernt ist wie die Sonne.

Rasende Trümmerstücke

Für menschliche Bergbaumissionen ist der Gürtel noch zu weit abgelegen. Aber die Himmelsmechanik kommt irdischen Schatzsuchern entgegen: Immer wieder flitscht der Riesenplanet Jupiter mit seiner Anziehungskraft Trümmerstücke wie Flipperkugeln aus der Bahn. So schlüpfen sie in das Innere des Sonnensystems – und in die Nähe der Erde. Dort kreisen sie mehrere Millionen Jahre, bis sie erneut aus der Bahn geschleudert werden oder mit einem der Planeten kollidieren.

Fast 9000 solcher sogenannten erdnahen Asteroiden, die maximal 45 Millionen Kilometer von uns entfernt sind, haben Astronomen bisher entdeckt, darunter auch 1986 DA. „Allein der erdnahe Schwarm ist etwa 40.000 Billionen Dollar wert“, kalkuliert Planetenforscher Lewis. Rund 1500 davon ließen sich Planetary Resources zufolge mit weniger Antriebsenergie anfliegen als der Mond: Ihre Flugbahn und Bahnneigung ähneln der Erde und ihre Gravitation ist kaum spürbar, sodass ein Raumschiff keine treibstoffzehrenden Landemanöver fliegen muss.

Schatzsucher im All

Künftig könnte sich ein ganzer Bergbaukonvoi mit Haken und Seilen an einem vorbeifliegenden Koloss verankern und ihn computergesteuert kolonisieren: Roboter bohren sich in den Fels oder sammeln lose Brocken und Steinstaub auf, der auch Regolith genannt wird, und füllen die Ernte in eine Gesteinsmühle. Solaröfen erhitzen das Material, Reaktoren extrahieren Wasser, Gold oder Seltene Erden. Die Rohstoffe lagern in Tanks, die von Sonden abgeholt werden, wenn der Asteroid nach mehreren Jahren wieder der Erde begegnet. Galaktische Steinbrüche.

Auf Asteroidenfang

Doch das wäre schon, salopp gesprochen, Asteroidenbergbau für Fortgeschrittene. So paradox es klingt: Experten halten es zunächst für einfacher, Asteroiden einzufangen und sie in das Erd-Mond-System zu bringen. Dabei kommen laut der Keck-Studie anfangs Findlinge wie 2008 HU4 mit ein paar Metern Durchmesser und bis zu 1000 Tonnen Gewicht infrage. Das entspricht gerade einmal zwei Flugzeugen vom Typ Airbus A380.

Die Autoren der Studie haben den Ablauf bereits detailliert choreografiert: Ein rund 20 Meter langes Raumschiff soll einen Asteroiden selbstständig anfliegen. Kommt es zum Rendezvous, breitet es einen 15 Meter breiten Kokon aus reißfestem Stoff aus, stülpt ihn über den Asteroiden und rafft das offene Ende zu. Mit dem Stein im Gepäck schießt das interplanetare Minenfahrzeug weiter mit etwa 20 Kilometern pro Sekunde um die Sonne. Erst wenn es sich der Erde nähert, startet es seine Raketendüsen und biegt zum Mond ab.

Acht Jahre dauert das Fangmanöver insgesamt, geschätzte Kosten: 2,6 Milliarden Dollar. Das sei gar nicht so teuer, findet Asteroidenfachmann Lewis: „Die Nasa hat viele Projekte in dieser Preisklasse finanziert.“ Im laufenden Jahr hat die amerikanische Weltraumbehörde immerhin 17,8 Milliarden Dollar zu verteilen.

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