Raumfahrt Deutsche Gründer planen Handynetz auf dem Mond

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Gewächshaus mit an Bord

Mit einer Spektralkamera werden Materialwissenschaftler die Alterung der Apollo-Geräte untersuchen. „Bauteile aus Kevlar, Nylon, Leder - wir wollen wissen, was nach 45 Jahren auf dem Mond mit diesem Material geschehen ist“, sagt Becker. „Wenn künftig eine Mondbasis gebaut wird, ist die Frage, welche Materialien halten dort oben den Bedingungen stand?“ Auch kann die Zahl der im Apollo-Werkzeug eingeschlagenen Mikrometeoriten kann helfen, die Gefahr von Einschlägen aus dem All einzuschätzen.

An Bord der ersten deutschen Mondmission soll auch ein Gewächshaus sein, um festzustellen, wie Pflanzen auf dem Mond bei Strahlung und geringer Gravitation gedeihen. Außerdem misst ein Instrument die elektrostatische Aufladung der Mondoberfläche, deren Ladung sich umkehrt, wenn die Nacht hereinbricht. Astronauten hatten beobachtet, dass der Ladungswechsel Mondstaub aufwirbelt, was die Mission genauer untersuchen soll. Eine weitere Nutzlast soll im April präsentiert werden.

Auch ein Rätsel der Apollo-17 wollen die Berliner lösen. Die Astronauten Harrison Schmitt und Eugene Cernan hatten nahe der Landestelle eine geringere Gravitation gemessen, als zu erwarten gewesen wäre. „Entweder gibt es dort geologische Besonderheit“, sagt Becker, „oder Schmidt und Cernan haben sich vertan. Beide verneinen das, ich habe sie gefragt.“ Mit einem Gravitationsmessgerät sollen die Rover die Stelle nun neu vermessen. Becker hatte Cernan zudem versprochen, eine Nahaufnahme des Mondfahrzeugs zu machen, in das er die Namen seiner Töchter geschrieben hatte. Kürzlich war der Astronaut aber verstorben. Nun sollen seine Töchter das Foto vom Mond bekommen.

Das internationale Weltraumrecht

Den Flug zum Mond soll eine Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX leisten. 40 bis 50 Millionen Euro dürfte die Mission insgesamt kosten, gesponsert unter anderem von Audi. Der Autobauer hilft auch bei der Entwicklung der Rover. Aber künftig werde der Flug zum Mond deutlich preiswerter sein, verspricht Becker - denn ein Gros der Kosten gingen für die Entwicklung der Technik drauf.

In Berlin bauen die Gründer gerade ein Missionskontrollzentrum auf. Dazu sind sie in ein Gebäude mit 2200 Quadratmetern Bürofläche umgezogen - inklusive eines Reinraums, in dem die Rover und der Lander gebaut werden. Auch ein Testbett ist fast fertig, eine nachgestellte Mondlandschaft aus Eiffellava, elf mal sechs Meter groß. Dort sollen die Rover verschiedene Bewegungen proben, an einem Kran aufgehängt, um die Schwerkraft von einem sechstel der Erde zu simulieren.

Ursprünglich waren die PT Scientists im Rennen des Google Lunar XPrizes, eines 30-Millionen-Dollar-Wettbewerbs um die erste private Mondlandung. Doch weil die Berliner nicht bis Ende 2017 starten wollen, sind sie nicht in die Runde der letzten fünf Teams gelangt. Becker ist trotzdem in Aufbruchstimmung. Denn er und seine Kollegen haben langfristige Pläne. Vielleicht werden sie für den Mond so etwas wie das D-Netz für Deutschland war, die erste mobile Funkverbindung also.

Was die Flatrate im All kosten wird, können die Berliner noch nicht sagen. Aber auch die ersten Handytarife auf der Erde, da erinnern sich viele noch, waren echte Mondpreise.

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