Raumfahrt Leben auf dem Mars getestet

Wie es sich auf dem Mars lebt, hat ein Bremer Forscher zwei Wochen lang in der Wüste im US-Bundesstaat Utah simuliert. Auf engstem Raum hat der Raumfahrtingenieur Volker Maiwald mit fünf Kollegen in einer Forschungsstation gelebt.

Der Bremer Forscher Volker Maiwald entnimmt in Hanksville im Bundesstaat Utah in den USA in einem Raumanzug in der Wüste Gesteinsproben. Zwei Wochen lang hat Maiwald auf engstem Raum mit fünf Kollegen in einer Forschungsstation gelebt, die einen Einsatz auf dem Mars simulieren sollte. Quelle: dpa

Nach draußen kam Volker Maiwald nur bei schweißtreibenden Spaziergängen im Raumanzug. „Es war spannend“, sagte der 31-Jährige in einem Interview. Er ist der erste Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, der die Mars-Station besucht hat. Er will ein Gewächshaus für den Einsatz auf anderen Planeten entwickeln. Die Experimente in Utah sollen ihm dabei helfen.

Wie lebt es sich auf dem Mars?
Maiwald: „Man lebt natürlich eingeschränkt. Man hat weniger Wasser zur Verfügung, das heißt, es wird nicht so oft geduscht. Es gibt keine frischen Lebensmittel, und man wohnt sehr beengt. Die Mars-Station ist ein kleines rundes Gebäude, das in eine Rakete passen würde. Es hat zwei Geschosse. Unten sind Werkstatt und Labors, oben ein Aufenthaltsraum, die Küche und die Quartiere. Ich war überrascht, wie schnell man die Isolation von der Umwelt merkt. Das war schon nach ein paar Tagen so weit.“

Die Meilensteine der bemannten Raumfahrt
Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin in seinem Raumanzug kurz vor seinem Start zum ersten bemannten Weltraumflug. Quelle: dpa
Satellit mit Namen Sputnik Quelle: dpa
Mit der Hündin "Laika" fliegt in Sputnik 2 das erste Lebewesen in eine Erdumlaufbahn. Sie stirbt nach wenigen Tagen, Foto: AP Quelle: AP
John Glenn umrundet als erster Amerikaner die Erde Quelle: Reuters
Der sowjetische Kosmonaut Alexei Leonow verließ sein Raumschiff und schwebte als erster Mensch im Weltraum, Foto: Nasa Images Quelle: Presse
Neil Armstrong auf dem Mond Quelle: NASA
astronaut Eugene Cernan auf dem Mond Quelle: REUTERS
Raumstation MIR Quelle: REUTERS
 die Internationale Raumstation (ISS) mit dem angedockten europäischen Wissenschaftslabor Columbus Quelle: dpa
Unter all den Astronauten, die bereits auf der ISS gearbeitet haben, war im Jahr 2014 auch der Deutsche Alexander Gerst. Quelle: dpa
der chinesische Astronaut Yang Liwei Quelle: REUTERS
Weltraumtouristen Charles Simonyi (oben, l-r), Anousheh Ansari und Gregory Olsen, sowie Richard Garriott (unten, l-r), Guy Laliberte, Dennis Tito und Mark Shuttleworth Quelle: dpa


Sind die Lebensbedingungen in der Wüste Utahs überhaupt mit denen auf dem Mars vergleichbar?
Maiwald: „Auf dem Mars haben wir natürlich eine sehr viel geringere Schwerkraft, ungefähr ein Drittel der auf der Erde. Die Atmosphäre auf unserem Nachbarplaneten ist nur ein Tausendstel so dicht. Das kann man in der Wüste natürlich nicht simulieren. Aber die geologischen und mikrobiologischen Verhältnisse sind sehr dicht an denen auf dem Mars dran. Deswegen hat die Mars Society die Station dort vor zwölf Jahren errichtet.“

Curiosity kommt in die Jahre
März 2017Curiosity hat inzwischen deutliche Abnutzungsspuren. Ein Routine-Check der Reifen im März zeigt, dass es am linken mittleren Reifen zwei Brüche der sogenannten Stege im Profil gibt. Der Rover hat während seiner Reise über den Roten Planeten inzwischen etwa 16 Kilometer zurückgelegt. Curiosity-Projektmanager Jim Erickson sagte, alle sechs Reifen hätten trotz der sichtbaren Schäden noch genug Lebenszeit, um den Rover zu allen geplanten Orten zu bringen. Die regelmäßige Überwachung der Reifen wurde eingeführt, nachdem die Forscher im Jahr 2013 deutlich mehr Dellen und Löcher in den Rädern entdeckt hatten, als erwartet worden war. Tests auf der Erde hatten gezeigt, dass der Bruch von drei Stegen zeigt, dass etwa 60 Prozent der Lebenserwartung des Reifens erreicht sind. Curiosity hat aber bereits deutlich mehr als diesen Anteil an der geplanten Strecke zurückgelegt. Quelle: NASA/JPL-Caltech/MSSS
US-Präsident Barack Obama verlässt das Weiße Haus - und auch Curiosity verabschiedet sich. Quelle: Screenshot
Mars: Curiosity untersucht Meteoriten Quelle: NASA, JPL-Caltech, LANL, CNES, IRAP, LPGNantes, CNRS, IAS, MSSS
September 2016Die Kuppen und herausstehenden Felsen aus Schichtgestein am Mount Sharp entstanden wohl aus von Wind abgelagertem Sand. Sie erinnern stark an Wüstenlandschaften auf der Erde, etwa im Grand Canyon oder dem Monument Valley. Quelle: NASA
September 2016Der Rover sendet neue Fotos vom Mars: Im Hintergrund der Aufnahme ist der Rand des Gale-Kraters zu sehen, in dem Curiosity seit 2012 aktiv ist. Geologisch ist die Region besonders interessant, da sie die Untersuchung zahlreicher Gesteinsschichten ermöglicht. Der etwa fünf Kilometer hohe Mount Sharp liegt in der Mitte des Gale-Kraters. Quelle: NASA
Juli 2016Curiosity kann jetzt seine eigenen Ziele für die Laser-Analyse auswählen. Bisher wurden diese von der Erde aus anhand von Fotos ausgewählt. Die Wissenschaftler auf der Erde werden dadurch aber nicht ersetzt: Die neue Funktion soll vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn die Nasa-Forscher anderweitig beschäftigt sind. Curiosity sendet auch nicht ständig Bilder, sondern am Ende seiner Wegstrecken. Bisher könnten wichtige Objekte auf Fahrten daher übersehen worden sein. Quelle: NASA
Curiosity: Mars hatte wahrscheinlich einst eine sauerstoffreiche Atmosphäre Quelle: dpa
Curiosity findet überraschendes Material Quelle: NASA/JPL-Caltech/MSSS
Mars-Mission Curiosity: Nasa stellt neues Forscherteam zusammen Quelle: NASA/JPL-Caltech/MSSS
Curiosity auf dem Sand-Selfie Quelle: dpa
Curiosity findet Hinweise auf Gewässer auf dem Mars Quelle: NASA
Curiosity Frau auf dem Mars Quelle: NASA
Mars Pyramiden Curiostiy Nasa Quelle: NASA
Marsrover findet Hinweise auf flüssiges Wasser Quelle: NASA/JPL-Caltech/MSSS
Mars weist Mineral-Adern auf Quelle: NASA/JPL-Caltech/MSSS
Curiosity macht Probebohrungen am "Telegraph Peak" Quelle: NASA/JPL-Caltech/MSSS
Curiosity macht ein Selfie auf dem Mars Quelle: NASA/JPL-Caltech/MSSS
Mars-Orbiter fotografiert Curiosity auf dem Mars Quelle: NASA
Curiosity arbeitet sich durch den Marsboden Quelle: NASA/JPL-Caltech/MSSS
Dezember 2014Curiosity hat am Mount Sharp Aufnahmen gemacht, die Forscher darauf schließen lassen, dass es einst Wasser auf dem Roten Planeten gab. In einer Illustration füllten sie Wasser in einen Krater, der sich durch herablaufendes Schneeschmelzwasser gebildet haben könnte. Vor mehr als drei Milliarden Jahren könnte es also Wasser auf dem Mars gegeben haben - und damit vielleicht auch Leben. Mitten in dem Krater steht nun Mount Sharp, der einst nur eine kleine Erhebung, gleich einer Insel, in dem Krater gewesen sein könnte. Darauf lassen Untersuchungen der Sedimentschichten schließen. Der Berg entstand über einen Zeitraum von Millionen von Jahren, in denen er sich in dem großen See Schicht um Schicht auftürmte. Bild: NASA/JPL-Caltech/ESA/DLR/FU Berlin/MSSS Quelle: Nasa


Was haben Sie während der zwei Wochen auf der Station erforscht?
Maiwald: „Am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt forschen wir an Habitaten - also an künstlichen Lebensräumen für Menschen auf anderen Planeten, zum Beispiel auf dem Mars oder dem Mond. Ich war dort, um neue Erkenntnisse über die Abnutzung der technischen Systeme zu sammeln. Außerdem ging es darum, ein Gewächshaus auf der Station zu installieren, in dem die Crew während einer Mars-Mission frisches Obst und Gemüse zieht. Idealerweise könnten sie sich damit komplett selbst versorgen.“

Was ist das Besondere an dem Gewächshaus?
Maiwald: „Es hat einen geschlossenen Zyklus. Luft und Wasser werden wieder verwertet. Es ist an das gesamte Ökosystem des Habitats angeschlossen. Das heißt, man würde die Luft, die die Astronauten ausatmen, über das Gewächshaus reinigen. Bisher ist das System aber nur so groß wie ein Kühlschrank und funktioniert noch nicht perfekt. Unser Ziel ist, ein deutlich größeres zu entwickeln, das ganze Städte versorgen könnte. Die Ergebnisse von der Station sollen helfen, die Technik zu verbessern. In einem nächsten Schritt würden wir es dort gerne dauerhaft installieren. Aber das hängt von den Betreibern ab.

In Arbeit
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Mussten Sie selbst auch als Versuchskaninchen herhalten?
Maiwald: „Ja, für ein biologisches Experiment von einer Kollegin aus Japan. Naturgeräusche sollten uns dabei das Gefühl geben, dass wir auf der Station eben nicht in so einer isolierten Umgebung sind. Wir konnten zum Beispiel fließendes Wasser, Vogelgezwitscher und Insekten hören - und das hat tatsächlich geholfen, die Stressbelastung zu reduzieren. Auch wenn wir natürlich wussten, dass das nur künstliche Geräusche sind.“

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