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Raumfahrt Goldgräber im Weltall

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Stellare Steinbrüche

Illustration: In Mondnähe zerlegen Roboter den Fels, extrahieren Rohstoffe und laden sie in ein Raumschiff Quelle: Javier Zarracina für WirtschaftsWoche

Erstmals trauen sich Menschen nun zu, einen Asteroiden auszubeuten: Ende April erklärte das US-Unternehmen Planetary Resources der verblüfften Öffentlichkeit, es bereite seit zwei Jahren den ersten stellaren Steinbruch vor. Dass dies kein verspäteter Aprilscherz war, verrät die illustre Liste der Gründer, Berater und Investoren des Startups, darunter Google-Chef Larry Page, Eric Anderson – der Chef des Weltraumtourismusanbieters Space Adventures – und Hollywoodregisseur James Cameron.

Schwebende Versorgunsstationen

Noch vor Ende des Jahrzehnts, kündigte Mitgründer Anderson an, soll der erste Asteroid zum Abbauen gefunden sein. Parallel dazu plant die Nasa, bis 2025 erstmals Astronauten auf einem der Raumkörper abzusetzen, um ihn zu erforschen.

Später würden Raumschiffe zu Loren, die die seltenen Metalle im Wert von vielen Milliarden Dollar auf die Erde transportierten. Und nicht nur das: Aus den Brocken lässt sich auch Wasser für Astronauten gewinnen und sogar Treibstoff für Weltraumzapfsäulen.

Denkt man die Entwicklung weiter, kann der Goldrausch im All eines Tages Basis für schwebende Versorgungsstationen werden, von denen aus die Menschen den Mond besiedeln. Roboter montieren dort auch Raumschiffe für Flüge zum Mars und konstruieren aus den Asteroidenrohstoffen schwebende Solarkraftwerke. Die könnten dereinst Strom drahtlos zur Erde funken und damit alle Energieprobleme lösen.

Technische Möglichkeiten sind vorhanden

Bislang fanden diese Szenarien allenfalls ihren Weg in Comic-Hefte. Wissenschaftler glauben aber, dass dem Steinesammeln im Kosmos technisch schon heute nichts mehr im Wege steht. „Asteroiden abzuschleppen ist teuer, aber machbar“, sagt DLR-Experte Kührt. Radarteleskope sind scharf genug, um vorbeifliegende Asteroiden zu vermessen; Raketen stark genug, zu ihnen zu fliegen; Roboter schlau genug, sie einzufangen und zu zerlegen.

Den Beweis haben Wissenschaftler der japanischen Raumfahrtagentur Jaxa bereits erbracht – im kleinen Maßstab: Im Jahr 2005 schickten sie die kühlschrank-große Raumsonde Hayabusa zum 535 Meter langen, mit Felsbrocken übersäten Asteroiden Itokawa. Fünf Jahre später, nach einer insgesamt vier Milliarden Kilometer weiten Reise, brachte sie ein paar Körnchen außerirdischen Staubs zurück.

Schon seit Jahrtausenden treibt die Aussicht auf neue Ressourcen Menschen zu den aberwitzigsten Abenteuern, auf lebensgefährliche Schiffsreisen und in die tiefsten Stollen der Gebirge. Investoren, die nun das erste kosmische Bergwerk finanzieren, setzen zwar nicht wie einst James Cook ihr Leben aufs Spiel – aber womöglich ein immenses Vermögen.

„Was wir vorhaben, ist extrem kompliziert“, sagt Peter Diamandis, Mitgründer von Planetary Resources. „Aber der mögliche Gewinn ist riesig.“ Ein einziger erfolgreich ausgebeuteter Asteroid reichte, um die Weltraumunternehmer zu Rockefellers zu machen: Als etwa Astronomen den Felsblock 1986 DA mit Radarwellen sondierten, stießen sie auf Eisen, Nickel, Platin, ja sogar Gold. Nach heutigen Rohstoffpreisen bewertet, müsste, wer allein die Platinmetalle aus dem 2,3 Kilometer großen Asteroiden kaufen wollte, 60 Billionen Dollar hinlegen, rechnet Planetenforscher Lewis vor.

Das ist in etwa so viel, wie alle Volkswirtschaften der Erde zusammen in einem Jahr erwirtschaften.

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