WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Raumfahrt Der finale Countdown läuft

Seite 3/4

Vom Astronaut zum Werbeträger

Die verrückten Projekte des Elon Musk
Tesla-Chef Elon Musk Quelle: dpa
Menschen auf dem Mars - im September 2016 stellt Musk detaillierte Ideen für eine Besiedlung des Planeten vor. Quelle: SapceX,AP
Im Dezember 2015 kehrt mit der „Falcon 9“ erstmals eine Trägerrakete nach einer Mission heil und aufrecht zum Startplatz auf die Erde zurück. Quelle: dpa
Autopilot im Tesla Quelle: REUTERS
Autonomes Fahren im Tesla Quelle: REUTERS
Die sogenannten „Supercharger“ brauchen rund 75 Minuten, um einen Tesla-Akku komplett aufzuladen und eine halbe Stunde für eine halbe Ladung. Quelle: REUTERS
Mit einer „Hyperloop“ genannten Röhre will Musk irgendwann in der Zukunft per Unterdruck Passagiere mit nahezu Schallgeschwindigkeit wie eine Art Rohrpost transportieren. Quelle: REUTERS

Im Kampf um Aufmerksamkeit – und mehr Steuergelder – rücken daher andere Aspekte in den Mittelpunkt: Bildung und Öffentlichkeitsarbeit. Gerst hat sich in den vergangenen Monaten zu einem Sonnyboy und Werbeträger für die Raumfahrt gemausert.

Gitarre spielen und singen wie sein kanadischer Kollege Chris Hadfield will er zwar nicht, dessen Version des David-Bowie-Songs „Space Oddity“ im Internet millionenfach abgerufen wurde. Aber Bildungsthemen haben es ihm angetan.

Mehrere Schülerexperimente, Live-Schalten und Fotoaktionen sind während seiner Mission geplant. „Ich empfinde es als meine Verpflichtung, der kommenden Generation zu zeigen, was wir am Weltall haben“, sagt Gerst. Er wird das größtenteils in seiner Freizeit erledigen. „Rein rechnerisch stehen uns pro Flugperiode nur zwei Stunden für Bildung zur Verfügung“, sagt Schmid. „Die Wissenschaft bleibt stets im Vordergrund.“

Das Trommeln für die Station ist dringend erforderlich. Vor allem Italien und Frankreich haben ihre finanzielle Unterstützung zuletzt deutlich zurückgefahren; Deutschland, das bislang 41 Prozent der europäischen Ausgaben schulterte, hat seinen Anteil auf 50 Prozent erhöht. Trotzdem müssen die laufenden Ausgaben für die ISS um 30 Prozent gedrückt werden, unter anderem bei der Betreuung der Forscher, ebenso bei den Experimenten.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Wie es nach 2015 weitergeht, ist derzeit noch offen. Eine weitere Milliarde Euro wird bis 2020 benötigt. „Noch sind wir nicht ganz am Ziel, aber ich bin zuversichtlich“, sagte Jean-Jacques Dordain, Chef der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Anfang des Jahres bei einem Besuch des europäischen Raumfahrtkontrollzentrums in Darmstadt. „Allerdings müssen wir dieses Jahr unbedingt eine Lösung finden, andernfalls bekommen wir ein großes Problem.“

    Ende der Mammutprojekte

    Volker Schmid plädiert jedenfalls dafür, die ISS „zu nutzen, zu nutzen, zu nutzen, so lange wie möglich“. Dennoch machen sich die Raumfahrtagenturen bereits Gedanken, was nach der Station kommen könnte. Sicher scheint: Die Zeit der Mammutprojekte im All ist vorbei. Neue Forschungseinrichtungen müssen kleiner, modularer, flexibler sein.

    Eine mögliche Lösung kommt vom US-Hotelmagnaten Robert Bigelow. Seit Juli 2006 lässt der Amerikaner bereits einen unbemannten Testballon um die Erde kreisen: Genesis I ist im Grunde ein überdimensionaler, zylindrischer Schwimmflügel – ein aufblasbarer Prototyp, der von einer mehrlagigen Kunststoffhülle gegen Einschläge von Asteroiden geschützt wird. Die leichte, unkomplizierte Konstruktion lässt sich deutlich günstiger transportieren und betreiben als die ISS mit ihrer Spannweite von mittlerweile 110 Metern.

    Die Idee dafür hat Bigelow Ende der Neunziger der US-Raumfahrtbehörde Nasa abgekauft, die dem Konzept damals wenig abgewinnen konnte. Nun dreht er es ihr wieder an: 17,8 Millionen Dollar zahlt sie an seine Firma, um ab kommendem Jahr ein aufblasbares Modul an der ISS testen zu können. Dort soll der knapp drei Meter dicke Anbau namens Beam zwei Jahre lang beweisen, dass er der kosmischen Strahlung, dem ständigen Bombardement durch Mikrometeoriten und den Temperaturschwankungen im All trotzen kann.

    Mangel an Raketen

    Bewährt sich Beam, will Bigelow 2017 eine eigene Station starten. BA 330 soll 14 Meter lang sein, Platz für sechs Astronauten bieten und über einen mehr als doppelt so großen Innenraum verfügen wie das aktuelle ISS-Modul der Amerikaner – bei nur 30 Prozent mehr Gewicht. 25 Millionen Dollar soll es kosten, ein Drittel der Station zwei Monate lang zu mieten. Angeblich haben bereits mehrere Staaten, Biotech-Unternehmen und Universitäten Interesse bekundet.

    Noch muss Bigelow aber warten. Ihm fehlen schlicht die Raketen, um Menschen zu solch einer Station zu transportieren: Seit dem Ende der amerikanischen Shuttle-Flüge im Juli 2011 können einzig die russischen Sojus-Raketen Astronauten zur ISS bringen. Gut 70 Millionen Dollar zahlen die Amerikaner derzeit für jede Mitfluggelegenheit in den dreisitzigen Kapseln.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%