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Raumfahrt Astronaut werden per TV-Voting

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Vom guten Zweck zum baren Geld

Bevor die erste bemannte Marsmission aufbrechen soll, will Mars One zunächst einen Kommunikationssatelliten im All stationieren. Quelle: dpa

Trotz dieser noblen Absichten dürfte derzeit ein anderer, banalerer Grund der TV-Umsetzung überwiegen: das Geld. Mars Ones Plan sieht Ausgaben für Auswahl, Ausrüstung und Durchführung des ersten Mars-Abenteuers in einer Höhe von rund sechs Milliarden Dollar vor. Verglichen mit dem Jahresbudget der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA von rund 17 Milliarden Dollar wirkt diese Summe äußerst optimistisch (oder spartanisch) kalkuliert. Bas Lansdorp erklärt die niedrigen Kosten unter anderem mit den wegfallenden Ausgaben für den teuren Rücktransport sowie der unbürokratischeren und effizienteren Arbeitsweise seiner Organisation im Vergleich zur NASA: „Unsere Astronauten werden in den ersten zwei Jahren nicht duschen können – das ist ein Zugeständnis, das man machen muss, um die Dinge so einfach wie möglich zu halten. Das würde bei einer NASA-Mission nie akzeptiert werden.“ Sechs Milliarden Dollar bleiben für eine private, unkommerzielle Stiftung dennoch eine Summe, die nicht ohne Weiteres zu stemmen ist. Einnahmen und Vermarktungsrechte für ein globales, jahrelanges Fernsehspektakel ohne Gleichen kämen da sehr gelegen.

Und auch im Hinblick auf das Marketing, die Bekanntheit und Popularität des Projekts würde Mars One von der Fernsehproduktion in barer Münze profitieren. Denn neben den TV-Einnahmen hofft sich die Organisation durch Sponsoren, Spenden und Crowdfunding zu finanzieren. Alles externe Einnahmequellen, die durch die Fernsehausstrahlung ebenfalls angekurbelt werden könnten.  Noch befindet sich Mars One allerdings erst in Verhandlungen mit TV-Anstalten, konkrete Verträge wurden anscheinend noch nicht geschlossen.

Seit Sommer 2012 hatten Interessenten auf der ganzen Welt die Möglichkeit sich per E-Mail bei Mars One zu bewerben. Das Anforderungsprofil erscheint zunächst überraschend übersichtlich, von tiefgehenden Kenntnissen in naheliegenden Bereichen wie etwa Raumfahrttechnik, Geologie, Medizin oder Ingenieurswissenschaft ist keine Rede. Voraussetzungen für die Marsmission sind nur ein Mindestalter von 18 Jahren, eine gute körperliche und geistige Fitness, sowie soziale Kompetenzen und Englischkenntnisse. Trotzdem hat Mars One höchste Ansprüche an seine Astronauten: „Es ist nicht schwierig, Ingenieure oder Ärzte zu finden. Sondern vier Menschen, die es auf so kleinen Raum 32 Monate lang aushalten, bevor die zweite Crew ankommt. Wir müssen vier Nelson Mandelas finden.“, sagte Mars One-Gründer Bas Lansdorp. Nach Informationen des US-Fernsehsenders CBS kommen die meisten der noch verbliebenden Kandidaten aus den USA (297), gefolgt von Kanada (75), Indien (62) und Russland (52). Insgesamt sind noch Bewerber aus über 100 Ländern im Rennen.

Die Bewerber sollen zunächst in der dritten Runde in regional unterschiedlichen Ausscheidungswettbewerben von je 20 bis 40 Teilnehmern antreten müssen. Die Gewinner dieser dritten Runde und einige von Mars One exklusiv ausgewählte Kandidaten werden dann durch Experten zu sechs Gruppen mit je vier Astronauten zusammengestellt. Als Kriterien bei der Gruppenkomposition zählen dabei die Fähigkeiten der einzelnen Persönlichkeiten, aber vor allem die Chemie der Mitglieder untereinander – schließlich sollen sie womöglich bis zu ihrem Tod eine Einheit bilden. In jahrelangem Vollzeit-Training sollen die 24 Teilnehmer auf ihre Mission vorbereitet werden, sowohl technisch als auch persönlich geschult werden. In jedem Vierer-Team sollen möglichst viele Kompetenzen erlernt werden. Dazu zählen zum Beispiel medizinische, biologische und geologische Kenntnisse, die Fähigkeit sämtliche Ausrüstungsteile eigenständig reparieren zu können und mentale Stärke um fernab der Erde überleben zu können.

In einem letzten Schritt des Auswahlprozesses sollen die zukünftigen Astronauten dann nicht mehr individuell um ihren Platz kämpfen, sondern nur noch in ihren Gruppen – jetzt vor den Augen der weltweiten TV-Gemeinde. In lebensfeindlichen Simulationen der Marslandschaft  müssen sie ihre Fähigkeit demonstrieren, auf dem Mars leben zu können.

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