Raumstation ISS Astronaut pumpt aufblasbares Modul auf

Im zweiten Durchgang klappte es: Die Nasa hat das erste aufpumpbare Modul für Astronauten an der Raumstation ISS eingerichtet. Nun müssen Robustheit und Wohnlichkeit der Kammer geprüft werden.

Aufblas-Modul Beam Quelle: AP

Das erste aufblasbare Wohnmodul im All ist aufgebaut: In einer siebenstündigen Aktion schaffte es US-Astronaut Jeffrey Williams am Samstag, Luft in die Kammer zu lassen, wie die Raumfahrtbehörde Nasa mitteilte. Schließlich entfaltete der bauschige Raum seine volle Große von vier mal drei Metern. Intern eingebaute Luftbehälter sorgten noch für den nötigen Druckausgleich.

Die Firma Bigelow Aerospace, der Schöpfer des Moduls namens Beam, jubilierte über Twitter: „Ein bedeutender Meilenstein ist erreicht worden.“ Ehe Williams und seine fünf ISS-Kollegen den Raum betreten können, müssen sie aber noch mindestens eine Woche warten. Denn die Nasa will sichergehen, dass die Kammer luftdicht ist, bevor die Tür geöffnet wird.

An der einzigartigen aufblasbaren Kapsel soll getestet werden, wo und wie Astronauten auf dem Mond und dem Mars einmal leben könnten. Auch als Vorläufer für Touristenhotels im All ist das ballonähnliche Modul gedacht.

Mit den Augen eines Astronauten
Seit Dezember schickt der kanadische Astronaut Chris Hadfield regelmäßig Bilder aus dem All. Hier geht der Mond über der Erde auf. Quelle: Chris Hadfield/NASA
Über Belfast - die nordirische Küste zeichnet sich ab. Quelle: Chris Hadfield/NASA
Das schottische Glasgow liegt vor den verschneiten Bergen des Loch Lomond. Quelle: Chris Hadfield/NASA
Eine spektakuläre Aufnahme der Stadt St. John im kanadischen Neufundland. Der Astronaut Hadfield ist gebürtiger Kanadier. Quelle: Chris Hadfield/NASA
Der kanadische Astronaut Chris Hadfield wurde in Sarnia in der Ontario geboren. Diese Stadt sieht man hier im Bild. Seit Ende Dezember ist er erst im All - im März wird er als erster Kanadier das Kommando an Bord der ISS übernehmen. Quelle: Chris Hadfield/NASA
1978 trat Hadfield der kanadischen Luftwaffe bei, die er 2003 wieder verließ. Derzeit ist er als "ziviler" Astronaut bei der kanadischen Luftwaffe. Quelle: Chris Hadfield/NASA
Die chinesische Stadt Hangzhou liegt im Osten der Volksrepublik und hat über sieben Millionen Einwohner. Doch aus dem All sieht auch die Millionen-Metropole winzig aus. Via Twitter grüßte Hadfield die chinesischen Astronauten und würdigte ihre Leistungen. Quelle: Chris Hadfield/NASA

Im April war es zunächst von einer Rakete der Raumfahrtfirma SpaceX ins All gebracht und dann an der ISS installiert worden. Am Außenposten der Menschheit im All soll Beam für zwei Jahre angedockt bleiben. In der Zeit wollen Ingenieure ermitteln, inwiefern Beam den Temperaturen, der Strahlung sowie möglichen Kollisionen mit im All fliegenden Kleinkörpern standhalten kann.

Es war der zweite Aufblasversuch am Modul, der erste Test war am Donnerstag gescheitert. Die Ursache für den Misserfolg vermuten Experten darin, dass die weiche Kammer vor dem Start an Bord der SpaceX-Rakete für lange Zeit zusammengedrückt worden sei. Daher hätten die Stoffschichten sich nicht richtig entfalten können.

Am Freitag wurde Druck im Modul abgelassen, um die Reibung zwischen den verschiedenen Lagen zu mindern. Dies machte dann offensichtlich den Unterschied: Der kosmische Test-Ballon schwoll am Samstag auf eine Größe von zusätzlich fast zwei Meter an und gewann mit jedem Druckstoß an Volumen hinzu.

Insgesamt betätigte Astronaut Williams das Ventil 25 Mal, um Luft von der ISS in die Kammer zu pumpen. Die Nasa setzte ganz bewusst auf eine langsame Herangehensweise, um einen plötzlichen Druckaufbau im Modul und womöglich darauf folgende Belastung der Verbindungsteile der Raumstation zu vermeiden.

Für den Beam-Prototyp der Firma Bigelow Aerospace, der auf einem Nasa-Konzept aus den 90er Jahren basiert, hatte die amerikanische Raumfahrtbehörde umgerechnet 15,9 Millionen Euro bezahlt. Der Gründer des Unternehmens mit Sitz in North Las Vegas, Robert Bigelow, tüftelt bereits an privaten aufblasbaren Raumstationen, die in einigen Jahren starten könnten. Der langjährige Hotelunternehmer sieht in der Technik die Zukunft der Raumfahrt.

Ausdehnfähige Raumkapseln können beim Start zusammengedrückt werden, die Raketen könnten dann mehr Fracht aufnehmen. Zugleich hätten auch die Raumfahrer viel Raum.

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