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Reifen-Innovationen Grüne Gummis für das Auto

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Neue Reifen sollen in Zukunft Quelle: dpa

Die Verbraucher, die gerade wieder massenweise Winterreifen kaufen, sind weitgehend ahnungslos: Nur drei Prozent denken beim Thema Spritsparen von selbst an Leichtlaufreifen, ergab eine Umfrage der Effizienz-Initiative „ich & mein auto“, die auf ihrer Internet-Seite gut getestete Ökoreifen auflistet.

Mit dem EU-Label wird sich das ändern. Continental & Co. wissen das. Darum forschen die Pneu-Produzenten an neuen Verfahren, die den Rollwiderstand der Reifen verringern. „Jeder namhafte Hersteller hat inzwischen seine Öko-Produktreihe“, sagt Hans-Jürgen Drechsler, Geschäftsführer beim Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV). Michelin will seine Reifen in den vergangenen 18 Jahren um mehr als 25 Prozent sparsamer gemacht haben. „In den nächsten Jahrzehnten wollen wir den Rollwiderstand unserer Reifen noch einmal um 50 Prozent verringern“, sagt Thomas Obernesser, der bei Michelin die Abteilung Test und Technik leitet.

Der Trick liegt im Gummi: Leichtlaufreifen verformen sich nicht so stark wie gewöhnliche Pneus. Das verringert ihre Kontaktfläche mit der Fahrbahn und damit den Rollwiderstand. Die Herausforderung besteht darin, das Gummigemisch steifer zu machen, ohne andere Eigenschaften wie etwa Straßenhaftung oder Abriebfestigkeit zu verschlechtern: ein Balanceakt. „Wir stellen jedes Bauteil, jede Mischung und jedes Konstruktionsprinzip auf den Prüfstand“, sagt Burkhard Wies, Leiter der Pkw-Reifenentwicklung bei Continental.

Maßgeschneiderte Kunststoffe

Die Methoden sind vielfältig: ein geringer Materialeinsatz an ausgewählten Stellen, um den Rollwiderstand zu verringern; ein steiferes Gewebe in der Karkasse, dem stützenden Kern des Reifens, um ungewünschte Bewegungen im Material zu vermeiden. Mit Partnern aus der Chemieindustrie entwickelt Continental maßgeschneiderte Kunststoffe, zum Beispiel Synthese-Kautschuk, angereichert mit Spezialmischungen aus Silica und Silan. Erst sie verleihen dem Reifen den wichtigen Mix aus Elastizität und Steifigkeit.

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    Gummi für die Autoindustrie ist zu einem High-Tech-Produkt geworden. Weltweit zweitgrößter Hersteller ist der Leverkusener Spezialchemiekonzern Lanxess. Der sieht in den grünen Reifen einen Wachstumsmarkt. Aus seinen Werken stammt besonders luftdichtes Gummi, mit dem Reifenhersteller das Innere ihrer Pneus auskleiden. Ein gut aufgepumpter Reifen verbraucht letztlich weniger Sprit.

    Jedes Jahr kommen dank neuer Gebräue aus den Chemieküchen Reifen auf den Markt, die leiser, langlebiger, bremsstärker oder verbrauchsärmer sind. Wer alle Vorzüge in einem Reifen vereinen wolle, gerate in einen Zielkonflikt, warnt Peter Sponagel, Geschäftsführer Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (wdk). Ein extrem sparsamer Reifen habe eine schlechtere Haftung auf nasser Fahrbahn, den sogenannten Nassgrip. Im Zweifel sollten Autofahrer Sicherheit der Sparsamkeit vorziehen.

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