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Reifen-Innovationen Grüne Gummis für das Auto

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Das können Reifenkäufer bald auf einen Blick entscheiden. Denn das neue EU-Label wird neben dem Rollwiderstand auch den Nassgrip bewerten. Laut Goodyear werden die ersten grünen Reifen in dieser Kategorie nur ein E erreichen. Kundschaft, die energieeffizient fahre, sei aber meist langsamer unterwegs. Im Umkehrschluss heißt das: Sportliche Fahrer gehen mit Ökoreifen ein größeres Risiko ein. Wären alle Autos in Europa mit Sparreifen unterwegs, würden wir sechs Milliarden Tonnen Treibstoff und 15 Milliarden Tonnen CO2 einsparen, rechnet der Leverkusener Chemiekonzern dagegen vor. Wie viel Ersparnispotenzial die Forscher darüber hinaus noch erschließen können, darüber herrscht Uneinigkeit. „Genau hat die Wissenschaft die Vorgänge im Reifen noch gar nicht verstanden“, sagt Kautschukindustriesprecher Sponagel, „da ist viel learning by doing.“

Die Industrie kann das Rad nicht neu erfinden. Sie kann aber versuchen, es umweltfreundlicher zu produzieren: Wegen seines hohen Anteils an Ruß und Chemikalien hat der Pneu bei Umweltschützern kein gutes Image. Das soll sich nun ändern. „Der Trend geht zu weniger Chemieeinsatz“, sagt Boris Mergell, Leiter Material- und Prozessentwicklung Reifen bei Continental. So seien sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die als krebserregend gelten, fast ganz aus Reifen verschwunden. Lanxess will ab 2013 in seinem neuen Kautschuk-Werk in Singapur deutlich weniger Energie verbrauchen und den Wasserverbrauch gegenüber bestehenden Fabriken halbieren.

Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Polymerforschung in Dresden haben zudem eine Methode zum Patent angemeldet, die den Einsatz von Zinkoxid bei der Gummiproduktion um 90 Prozent vermindert. Die Chemikalie gilt als umweltgefährdend und giftig für Wasserorganismen. Zunehmend verwenden die Hersteller auch Recyclingstahl und –textilien.

„Ziel ist, auf fossile Rohstoffe möglichst ganz zu verzichten und stattdessen Recyclingmaterialien zu verwenden“, sagt Conti-Entwickler Mergell.

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    Reifen aus Mais und Zucker

    Öl, Grundstoff für die Gummiproduktion, ist Klimakiller und ein Versorgungsrisiko. Während die weltweite Nachfrage nach Synthese-Kautschuk 2011 laut der International Rubber Study Group um 6,7 Prozent auf 25,5 Millionen Tonnen anzieht, rechnen Energieexperten mit steigenden Ölpreisen. Die Chemieriesen suchen daher nach neuen Rohstoffen. Lanxess stieg im Mai 2010 mit zehn Millionen Dollar in die US-Biochemie-Firma Gevo ein. Das Startup arbeitet daran, aus Mais Isobutanol, den Grundstoff für die Gummiherstellung, zu gewinnen.

    Goodyear ist ein Stück weiter. Anfang 2010 stellten die Amerikaner einen Konzeptreifen vor, hergestellt aus Zucker. Der auf dem Genfer Autosalon prämierte Pneu verwendet Isopren – ein bisher petrochemisch hergestelltes Ausgangsmaterial für die Reifenherstellung – das in einem neuen Verfahren mit Bakterien aus Maiskolben oder Zuckerrohr gewonnen wird.

    Mit einer Pilotanlage will das auf industrielle Biotechnologie spezialisierte Unternehmen Genencor in Kalifornien schon 2011 beweisen, dass sich Bioisopren auch in großem Maßstab herstellen lässt. In fünf Jahren soll die Massenproduktion starten. Dann rollen wohl die ersten kommerziellen Biopneus über den Asphalt.

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