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Robert-Koch-Institut Masern in Deutschland längst nicht ausgerottet

Das Robert Koch-Institut mahnt: Deutschland schafft es nicht, die Masern auszurotten. Als erstes hat das im Herbst der amerikanische Kontinent geschafft. Hierzulande kommt der Kampf gegen die Infektion nicht voran.

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Eine Ärztin spritzt eine Schutzimpfung Quelle: dpa

Deutschland kommt beim Kampf gegen Masern nach einem Expertenbericht nicht voran. Das Land sei im vergangenen Jahr so weit von der Ausrottung der Krankheit entfernt gewesen wie lange nicht, schreibt die Nationale Verifizierungskommission Masern/Röteln am Robert Koch-Institut (RKI) in dem am Montag veröffentlichten Report. Dieser ist an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gerichtet. 2015 war demnach von großen Masernausbrüchen geprägt, den größten gab es in Berlin. Gemeldet wurden insgesamt 2464 Masern-Fälle, im Jahr zuvor waren es 442.

Die Fallzahl schwankt von Jahr zu Jahr stark. Und die Experten gehen davon aus, dass nicht alle Fälle erfasst werden. Für eine Ausrottung der Masern hätte es weniger als einen Fall pro eine Million Einwohner geben dürfen, also nur rund 80 Fälle oder weniger in Deutschland. Der gesamte amerikanische Kontinent hingegen wurde Ende September als frei von Masern erklärt. Dort wurde seit 2002 nur noch von eingeschleppten Fällen berichtet.

Masern waren bis zur Einführung der Impfung als Kinderkrankheit weit verbreitet. Die von Viren ausgelöste Krankheit ist hoch ansteckend. Sie beginnt mit Schnupfen, Husten und Fieber, bevor ein charakteristischer roter Hautausschlag hinzukommt. Wer sie ein Mal durchmacht, wird dagegen immun. Allerdings können Masern sehr schwere Folgeerkrankungen hervorrufen. Gefürchtet ist die chronische Masern-Gehirnentzündung SSPE (Subakute sklerosierende Panenzephalitis), die sich erst nach Jahren bemerkbar macht.

Fünf Mythen über das Impfen

Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese tödlich verlaufende Erkrankung häufiger vorkommt als bislang angenommen. US-Mediziner gehen anhand ihrer Auswertungen von einem SSPE-Risiko von 1:1387 aus, wenn ein Kind unter fünf Jahren an Masern erkrankt. Noch anfälliger sind Säuglinge: Bei einer Maserninfektion in den ersten zwölf Lebensmonaten folgt der Studie zufolge sogar bei einem von 609 Kindern SSPE. Das Team um James Cherry (University of California) hatte die Studie Ende Oktober auf einen Kongress in New Orleans vorgestellt.

Der Impfstoff mit abgeschwächten Masern-Viren wird Babys in der Regel erstmals zwischen dem 11. und 14. Monat gegeben. Vorher sind Säuglinge nur geschützt, wenn das Immunsystem der Mutter mit dem Virus vertraut ist: durch eine frühere Erkrankung oder durch Impfung.

Zehn Krankheiten, die nicht auszurotten sind
MalariaForscher warnen, dass der Klimawandel Einfluss auf die Verbreitung von Malaria haben könnte. Durch die Erderwärmung vermehren sich die als Malariaüberträger bekannten Mücken stärker als früher. Mehr als eine Million Menschen sterben laut Universität Washington weltweit jedes Jahr an Malaria. Quelle: dpa
BotulismusDie klassische Lebensmittelvergiftung, der sogenannte Botulismus, wird meist durch verdorbenes Fleisch und nicht fachgerecht eingekochtes Gemüse hervorgerufen. Botulismus ist nicht ansteckend und zeigt sich meist durch Sehstörungen sowie Probleme beim Sprechen und Schlucken. In schweren Fällen lähmt der Erreger Clostridium botulinum die inneren Organe, Erbrechen und Durchfall stellen sich ein. Betroffene sterben ohne Behandlung meist an Ersticken. Quelle: dpa
StaublungeEine zu Zeiten des Kohleabbaus im Ruhrgebiet weit verbreitete Krankheit ist die Staublunge. Trotz spezieller Filter und Schutzmasken, die die Lungen der Bergarbeiter schützen sollen, gibt es immer noch Krankheits- und Todesfälle durch die hohe Feinstaubbelastung. Jüngere Bergarbeiter sollen laut National Public Radio stärker betroffen sein, da die Krankheit bei ihnen schneller voranschreitet. Quelle: AP
CholeraDie Durchfallerkrankung Cholera fordert jedes Jahr unzählige Todesopfer. Schuld ist verunreinigtes Wasser, deshalb verbreitet sich die Krankheit vor allem in den Armenvierteln dieser Welt. Das Erdbeben von Haiti rief vor vier Jahren eine große Cholera-Epidemie hervor. Seitdem sind laut Statistiken rund 8400 Menschen an Cholera gestorben. Quelle: dapd
TuberkuloseTrotz Impfmöglichkeiten und Antibiotika konnte die Tuberkulose bisher nicht besiegt werden. Ein Grund ist eine resistente Mutation des Erregers, die sich seit den Achtzigern verbreitet hat. Die Krankheit befällt meist die Atemwege, allerdings ist auch ein Befall des Nervensystems und der Organe möglich. Tuberkulose ist nach Aids der zweitgefährlichste Erreger, laut WHO starben 2010 1,4 Millionen Menschen an der Krankheit. Quelle: dpa
Polio/KinderlähmungPolio war bereits einmal beinahe ausgerottet – ein Mangel an Impfungen führte seit der Jahrtausendwende allerdings zu zahlreichen Neuerkrankungen. Vor allem in Afrika ist die Krankheit wieder auf dem Vormarsch, die WHO will mit Hilfe von Impfprogrammen dagegen vorgehen. Da sich der Erreger seit jeher kaum verändert hat, ist eine Ausrottung der Krankheit mittelfristig nicht unwahrscheinlich, die nötige Schluckimpfung ist kostengünstig und einfach umzusetzen. Quelle: dpa
SyphilisSyphilis ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die aktuell vor allem in Deutschland und Australien verbreitet ist. 2013 meldete das Robert-Koch-Institut 5017 Neuerkrankungen, das sind 600 mehr als im Jahr 2012. Syphilis ist durch die Gabe von Penicillin heilbar. Quelle: Gemeinfrei
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