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Roboter Wie digitale Dienstboten uns den Alltag erleichtern

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Lotse im Baumarkt

Auch dem Handel steht ein radikaler Wandel bevor. Etwa durch vollautomatische Supermärkte, die rund um die Uhr geöffnet haben – und wie ein riesiger Kaugummiautomat funktionieren: Roboter mit Greifarmen rollen durch die Gänge, legen die gewünschten Produkte in einen Korb, die der Kunde an einer Schleuse abholt.

Das mag abwegig klingen, aber Online-Händler Amazon hat schon jetzt einen Wettbewerb für Greifroboter ins Leben gerufen. Forscher sollen Maschinen entwickeln, die verschiedenste Objekte erkennen, fassen und in Regale sortieren. Heute packen noch Tausende Kommissionierer in den Lagern die Pakete. Bald könnten das Maschinen erledigen – und den Versand noch preiswerter und schneller machen.

Hilfe, ein Roboter klaut meinen Job!

Auch der stationäre Handel bereitet sich schon auf die Ära der Serviceroboter vor. In einigen Apotheken stapeln inzwischen metallene Greifarme, etwa vom Münchner Start-up Magazino, die Tausenden Medikamentenschachteln. Auf Knopfdruck sucht die Maschine binnen Sekunden die gewünschte Arznei heraus. Im Berliner Schuhladen Solebox wiederum bringt ein baumstammdicker Roboterarm den Kunden Slipper und Pumps zur Anprobe. In einer japanischen Filiale der Marke Crocs kamen die Kunststoffschuhe neulich sogar per Drohne herbeigeflogen.

Servicekräfte aus Metall haben ihre Vorzüge: Sie werden nie müde, sind immer höflich – und brauchen statt einer Weiterbildung nur ein Update via Internet.

Roboter ersetzen keine Fachverkäufer

Vom Aussterben bedroht könnte darum bald etwa der Zimmerbote im Hotel sein. Im kalifornischen Cupertino erledigt seit vergangenem Sommer ein rollender Roboter namens Botlr den Job: Im Aloft Hotel der Starwood-Kette liefert er Schampus und Kaviar aufs Zimmer. Der Blech-Butler vom US-Start-up Savioke weicht Hindernissen aus, bedient den Aufzug und lässt das Zimmertelefon klingeln, wenn er vor der Tür steht. Anklopfen klappt noch nicht.

Sogar als Verkäufer sind erste Roboter beschäftigt: In einer Filiale der US-Kette Orchard Supply Hardware in San Jose hilft ein mannshoher rollender Bildschirm den Besuchern. Der OSHbot, entwickelt vom US-Unternehmen Fellow Robots, weiß, wo der Hammer hängt – oder jeder andere Artikel, den das Geschäft verkauft. Er versteht, was Kunden ihn fragen, und lotst sie zum richtigen Regal.

Roboter mögen noch nicht den Fachverkäufer ersetzen – Hilfe und Attraktion sind sie heute schon. Etwa der Androide Nao, ein rund 60 Zentimeter großer Roboter des französischen Herstellers Aldebaran, der läuft, tanzt und spricht: In den Filialen der französischen Elektronikkette Darty erläutert Nao die Vorzüge von Flachbildfernsehern oder vernetzten Glühlampen. Er schaut den Kunden direkt ins Gesicht, stellt ihnen einfache Fragen, und wenn jemand lacht, lacht er mit.

„Nao versteht Sprache und Gesichtsausdrücke“, bewirbt Laura Bokobza, Marketingchefin bei Aldebaran, die schlaue Maschine, „und mit jedem Update wird er intelligenter.“ In Japan stattet die Firma 1000 Kaffeeläden von Nestlé mit Robotern aus, die Kaffeemaschinen anpreisen.

Wo führt das alles hin? Im schlechten Fall steht uns eine Welt bevor, in der uns das begriffsstutzige Computerwesen von der Telefonhotline jetzt auch am Bahnschalter begegnet, nur in 3-D. Im besten Fall treffen wir auf Androiden, die uns den Alltag sogar in den eigenen vier Wänden erleichtern.

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