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Robotertechnologie Japans Roboter verlassen die Labore

Jahrelang haben bei Japans größtem Autohersteller Toyota Heerscharen von Ingenieure im Geheimen Roboter entwickelt. Nun tauchen immer mehr ihrer Kreationen in der Menschenwelt auf. Und Toyota ist nicht allein. 

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Toyotas

Toyota hat einen Roboter für das Wohnzimmer entwickelt. Bei dem heute in Toyota-City angekündigtem „Human Support Robot“ handelt es sich um einen zylindrischen Körper mit einem Kamerakopf und einem Greifarm. Der Prototyp kann in der Wohnstube Gegenstände bringen, aufheben und von Regalen herunterholen sowie Vorhänge auf und zu ziehen.

Der Roboter ist ein weiteres Zeichen für Toyotas große Ambitionen im Robotergeschäft. 2006 hat Japans größter Autobauer eine große Roboterabteilung gegründet, die nützliche Robotertechniken für Fabriken, für Fahrzeuge, aber auch für den Einsatz im menschlichen Alltag entwickeln soll.

Die ersten Jahre war es noch ruhig an der Roboterfront. Doch seit zwei Jahren stößt die Abteilung immer neue, nahezu marktreife Prototypen für Partnerroboter aus. Dabei konzentriert sich das Unternehmen genau wie der ebenso ambitionierte Elektronikriese Panasonic zuerst auf den Einsatz in der Krankenpflege.

Das Ziel der Geräte ist, dem Pflegepersonal die Arbeit zu erleichtern und alten oder behinderten Menschen länger ein eigenständiges Leben zu ermöglichen. Die Ideen des vorigen Jahres waren eine Roboter-Beinprothese und ein Gerät, das dem Pflegepersonal die Pflege von bettlägerigen Patienten erleichtert. Die Geräte befänden sich in der Erprobungsphase und könnten 2013 auf den Markt kommen, sagt die Toyota-Sprecherin Jiecheng Fang.

Toyotas erster richtiger Partnerroboter wurde zusammen mit Japans Vereinigung für Helferhunde. Mit Hilfe von deren Experten sollte ein Roboter entwickelt werden, der Menschen mit behinderten Gliedmaßen das Leben erleichtert. 2011 fanden bereits die ersten Feldversuche statt. Mit deren Erfahrungen wurde der jetzige Prototyp entwickelt.

Noch zu teuer für Privatanwender

Die Stars unter den Maschinenwesen
Der Sensible Quelle: Massachusetts Institute of Technology (MIT)
Mondspinne Quelle: dpa
Helfer fürs Heim Quelle: AP
Eiserne Hand Quelle: DLR
Genossin Frida
Nächste Stufe Quelle: Honda
Flinker Putzer Quelle: dapd


Das Resultat ist ein recht freundliches Wesen, das sich je nach Aufgabe ducken oder lang machen kann. Der Körper ist im kleinsten Zustand 83 Zentimeter hoch. Ausgefahren wächst der Roboter auf 133 Zentimeter. Mit ausgestrecktem Arm kann er mit seinem zweifingerigen Greifer sogar noch Gegenstände in ungefähr 160 Zentimeter Höhe erreichen.

Sein Griff ist kräftig genug, um bis zu 1,2 Kilogramm schwere Dinge zu heben. Unebenheiten dürfte das Wesen allerdings schwerlich überwinden können, bewegt er sich doch nicht auf Beinen, sondern Rollen. Befehligt wird er mit Sprachsteuerung oder Touchscreen-Bedienung.

Die Konzentration der japanischen Roboterhersteller auf Pflegeroboter ist kein Zufall. Die Unternehmen vermuten in der Krankenpflege für den Anfang des Roboterzeitalters noch das größte Marktpotenzial. Die hochtechnisierten Geschöpfe sind noch sehr spezialisiert und so teuer, dass sie Privatanwendern kaum genug Nutzen für den Kaufpreis liefern.

In Pflegeeinrichtungen hingegen, wo die Geräte rund um die Uhr zum Einsatz kommen können und die Roboter die Effizienz des Pflegepersonals erhöhen (sprich die Lohnkosten senken) können, lohnt sich der Einsatz teilweise schon heute.

Der Elektronikkonzern Panasonic beispielsweise verkauft schon seit Jahren Medizindosierroboter. Ab kommendem Jahr könnte sich das Portfolio allerdings drastisch erweitern. „Wir übertragen immer mehr Roboter vom Labor in die Konzernsparte für Pflegeprodukte“, erzählt Shoichi Kobayashi, Leiter der Roboterplanung bei Panasonic im Labor in Osaka.

Der Kommunikationsroboter Hospi wird seit diesem Sommer von der Fabrik zur Massenproduktionsreife entwickelt. Ein Roboterbett, das sich selbstständig in einen Rollstuhl verwandeln kann, um bettlägerigen Patienten mehr eigenständige Mobilität zu ermöglichen, folgt im Herbst.

Roboter-Haarwäsche als Hochgenuss

High Tech im Alltag
Alltag managen: Intuitiv und ohne Handbuch bedienbare Software auf dem Tablet-PC erleichtert die Kommunikation mit Freunden und ermöglicht die komfortable Steuerung der Wohnungselektronik - von Rollo bis zur Deckenlampe. Quelle: Javier Zarracina für WirtschaftsWoche
So spart man den Arztbesuch: Unsichtbar installierte Sensoren in Wänden, Spiegel und WC erledigen im Bad den morgendlichen Gesundheits-Check. Quelle: Javier Zarracina für WirtschaftsWoche
Gesundheit verbessern: Spielekonsolen mit Bewegungssensoren und Kameras ermöglichen im Wohnzimmer interaktive Bewegungs- und Konzentrationsspiele mit übers Internet verbundenen Freunden in vergleichbar ausgerüsteten Wohnungen. Quelle: Javier Zarracina für WirtschaftsWoche
Kontrolle zu Hause: Serviceroboter stellen zum Mittagessen nicht nur gegebenenfalls erforderliche Medikamente bereit, sondern kontrollieren auch deren Einnahme. Quelle: Javier Zarracina für WirtschaftsWoche
Risiko vermeiden: Ein schneller telemedizinischer Check der Gesundheit erspart bei Risikopatienten zeitraubende und kostenträchtige Arztbesuche. Quelle: Javier Zarracina für WirtschaftsWoche
Die Alleskönner: Der digitale Assistent im Tablet-PC vermittelt den Videoanruf zu Familienangehörigen oder die abendliche Abmeldung beim Hausservice, warnt vor offenen Türen und Fenstern und schaltet per Fingerstreich Gefahrenquellen wie den Herd stromlos. Quelle: Javier Zarracina für WirtschaftsWoche

Der Star der Roboter-Abteilung, der es sogar in unseren Alltag schaffen kann, ist allerdings ein Haarwaschroboter. Mit drei Greifhänden und insgesamt 24 „Fingern“ umfasst er den Kopf fest und massiert ihn doch sanft. 15 Minuten dauert das normale Verwöhnprogramm, das – der Autor hat es ausprobiert – ein Hochgenuss ist.

Forschung



Auch die Ingenieure sind so von ihrem Produkt angetan, dass der Konzern daran denkt, den Haarwaschroboter als Frisörgehilfen in alle Welt zu exportieren, erzählt sein Entwickler Osamu Mizuno. „Eigentlich haben wir das Gerät für Krankenhäuser und Pflegeeinrchtungen entwickelt, um dem Pflegepersonal die schwere Haarwascharbeit abzunehmen“, so Mizuno. Aber dann hatte man die Idee, ihn auch Frisören vorzustellen – mit Erfolg.

Ein erster dreimonatiger Testlauf in diesem Sommer bei einem Frisör hat gute Ergebnisse erbracht. Die Frisöre waren angetan. Denn das ewige Haare waschen belastet ihre Hände und Rücken. Doch richtig begeistert waren die Kunden. Die meisten der 250 Testpersonen haben in einer Umfrage erklärt, dass der Roboter sie mindestens so gut, wenn nicht besser als menschliche Frisör massiert hätten.

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