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Rocket Factory Augsburg Wird das Deutschlands erste kommerzielle Rakete?

Das Ziel des Start-ups Rocket Factory Augsburg: eine privat entwickelte leichte Trägerrakete – made in Germany. Quelle: RFA

Den Gründern von Rocket Factory Augsburg ist ein Durchbruch mit einem supereffizienten Triebwerk gelungen. Nun ist die Bahn frei zum Bau dutzender Raketen pro Jahr. Sie könnten sogar aus Deutschland abheben.

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Wenn private Unternehmen Satelliten oder Sonden ins All befördern wollen, buchen sie meist Starts bei Anbietern wie SpaceX in der USA. Und nicht in Deutschland. Nun aber will das Start-up Rocket Factory Augsburg, an dem das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB führend beteiligt ist, den US-Amerikanern Konkurrenz machen. Das Ziel: eine privat entwickelte leichte Trägerrakete, auch Microlauncher genannt. Das 30 Meter hohe Geschoss soll bis zu 1,3 Tonnen Nutzlast ins All befördern.

Auf dem Weg dorthin ist das junge Unternehmen nun einen entscheidenden Schritt weiter gekommen: Vor wenigen Tagen haben die Ingenieure auf einem Teststand im schwedischen Kiruna erstmals erfolgreich ihr selbst entwickeltes Raketentriebwerk getestet – und gezeigt, dass der Treibstoff darin stabil und effizient verbrennt.

„Damit haben wir die bei weitem schwierigste Hürde bei der Entwicklung der Rakete erfolgreich überwunden“, sagt Stefan Brieschenk, Mitgründer und einer der beiden Chefs von Rocket Factory Augsburg. „Der Triebwerkstest war der wichtigste Meilenstein.“ Als nächstes sollen weitere Tests folgen und die Struktur der Rakete entstehen. 

Ende nächsten Jahres will Rocket Factory Augsburg das erste Exemplar seines Microlaunchers ins All schießen. Erstmals würde dann ein privates deutsches Raumfahrtunternehmen mit einer eigenen Rakete ins Launchergeschäft einsteigen – wenn die beiden deutschen Konkurrenten Isar Aerospace und Hyimpulse nicht schneller sind. 

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    Vor wenigen Tagen haben die Ingenieure des deutschen Raumfahrt-Start-ups Rocket Factory Augsburg erstmals erfolgreich ihr selbst entwickeltes Raketentriebwerk getestet. Quelle: RFA

    Der Markt boomt: Tausende Satelliten sollen in den nächsten Jahren ins All starten, etwa für die Erdbeobachtung oder Internet via Satellit. Und davon will auch Rocket Factory Augsburg profitieren: 100 Mitarbeiter hat das Start-up schon. „Wir wollen mindestens noch einmal um die Hälfte bis zum ersten Start wachsen“, sagt Jörn Spurmann, Mitgründer von Rocket Factory Augsburg.

    So preiswert wie SpaceX

    Zugleich ist der neu entstehende Markt stark umkämpft, Dutzende Start-ups arbeiten an Raketen. „Das Launchergeschäft ist extrem kompetitiv“, sagt Brieschenk. Abheben will sich Rocket Factory Augsburg mit enorm günstigen Preisen, die die Konkurrenz unterbieten sollen: Drei Millionen Euro soll ein Start kosten, ein Satellit mit 100 Kilogramm Gewicht könnte für 500.000 Euro ins All starten.

    Damit wären die deutschen Gründer gleichauf mit dem bereits enorm preiswerten Angebot von SpaceX. Die Amerikaner lassen allerdings Kleinsatelliten erst ab einer Startgebühr von einer Million Euro mitfliegen, maximal 200 Kilogramm darf die Nutzlast bei dem Preis wiegen. Bei Rocket Factory Augsburg wäre man also schon ab einer halb so großen Gebühr mit an Bord.



    Dass sich das deutsche Start-up dermaßen niedrige Preise zutraut, liegt an dem selbst entwickelten Motor, der gerade erfolgreich den Test bestanden hat. Er soll Rocket Factory Augsburg einen entscheidenden Kostenvorteil verschaffen. 

    „Es wird viele neue Raketen auf dem Markt geben“, sagt Marco Fuchs, Vorstandsvorsitzender von OHB. „Wir wollen in der Effizienz der Verbrennung besser sein, wollen eine leistungsstärkere Rakete bauen als die anderen.“ 500000 PS Leistung soll der Antrieb bringen – aber so kompakt sein wie ein Automotor.

    Der Schlüssel liegt in der Bauweise: Es handelt sich um ein Triebwerk mit so genannter gestufter Verbrennung. „Das ist die Königsklasse unter den Triebwerken“, sagt Brieschenk. Bei vielen heutigen Raketenantrieben wird eine Menge treibstoffreiches Gas, das aus technischen Gründen nicht verbrannt werden kann, ungenutzt ausgestoßen. Bei der gestuften Verbrennung wird es dagegen in die Hauptbrennkammer geleitet und genutzt. Sprit geht kaum noch verloren. 

    Beim Test in Schweden konnte Rocket Factory Augsburg eine Verbrennungseffizienz von 94 Prozent messen – die Abgase bestehen fast nur noch aus Wasser und Kohlendioxid und nur sehr wenig treibstoffhaltiges Gas. „Der Test hat unsere Erwartungen weit übertroffen“, sagt Brieschenk. Ziel der Augsburger ist ein Wert von 96 Prozent, der sich nun mit weiteren technischen Anpassungen zügig erreichen lassen sollte.

    Der Raketenbauer Rocket Factory Augsburg will Fracht zu konkurrenzlos niedrigen Preisen ins All bringen – und womöglich auch direkt aus Deutschland dutzende Satelliten im Jahr starten. Wie das Taxi ins All funktioniert.
    von Andreas Menn

    Nur in sechs Ländern weltweit sind Unternehmen technologisch so weit – darunter Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX und sein Konkurrent Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos. In Europa ist Rocket Factory Augsburg das erste Unternehmen, das ein solches Triebwerk erfolgreich gebaut hat. 

    „Damit können wir 30 Prozent mehr Ladung bei gleichen Kosten ins All transportieren“, sagt Mitgründer Spurmann. Das weckt offenbar Interesse. „Wir sind mit mehr als 100 möglichen Kunden im Gespräch“, so Spurmann. Eine Handvoll Starts seien bereits fest gebucht, von OHB in Bremen und anderen Kunden.

    Jede Woche soll eine Rakete abheben

    In der neuen Fertigung in Augsburg sollen Raketen bald wie am Fließband gebaut werden. „Die Grundidee ist, eine Fabrik für Raketen zu werden – keine Manufaktur“, sagt OHB-Chef Fuchs. „Raketen müssen industrieller werden und billiger.“

    Auch einen Startplatz haben sich die Gründer im Frühjahr gesichert: Die ersten Flüge werden am Weltraumbahnhof Andøya in Nordnorwegen starten, der gerade ausgebaut wird. Die Lage in der Arktis hat den Vorteil, dass die Raketen nach dem Start keine bewohnten Gebiete überfliegen. Aber auch den Nachteil, dass dort nur 30 Starts pro Jahr erlaubt sind. Rocket Factory Augsburg schaut sich darum nach weiteren Startplätzen um. Auch eine mobile Plattform in der deutschen Nordsee, die gerade in Planung ist, könnte eines Tages dazugehören.

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    Denn binnen fünf Jahren wollen die Gründer so viele Aufträge ergattern, dass dann jede Woche eine Rakete ins All steigen soll. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 sind weltweit 104 Raketen erfolgreich abgehoben. 40 davon in den USA, 35 in China – und nur vier in Europa. Sollte die Rakete aus Augsburg auch ihre nächsten Meilensteine erreichen, könnte Europa seinen Rückstand verringern.

    Mehr zum Thema: Amazon-Gründer Jeff Bezos fliegt in den Weltraum. Er will Touristen ins All schicken, so wie Elon Musk und Richard Branson. Das Hobby der Superreichen könnte Milliarden in die Kassen privater Raumfahrtunternehmen spülen.

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