„Rosetta“-Mission Raumsonde findet Eis auf Kometen Tschuri

Auf dem Kometen Tschuri haben Forscher erstmals Wasser in Form von Eis an der Oberfläche nachgewiesen. Eine Analyse zeigt, dass es erstaunlich grobkörnig ist. Was der Fund für die Wissenschaft bedeutet.

Eine Aufnahme des Kometen 67P Quelle: ESA/ESOC/dpa

Eis auf einem Kometen – das ist keine Überraschung. Dass Kometen gefrorenes Wasser enthalten, ließ bereits der von der Raumsonde „Rosetta“ und früheren Missionen nachgewiesene Wasserdampf in der Atmosphäre von Kometen vermuten. Forscher gehen deshalb schon lange davon aus, dass Kometenkerne zu einem großen Teil aus gefrorenem Wasser bestehen, welches zu Gas wird, wenn der Komet in die Nähe einer Sonne kommt – ein Phänomen, das hauptsächlich verantwortlich ist für den Kometenschweif. Beweisen konnten sie diese Vermutung bisher aber nicht. Denn das Wassereis im Kern der Kometen liegt tief unter einer dicken Kruste aus pechschwarzem Staub vergraben. Auch eine genauere Untersuchung der Substanz war deshalb in der Vergangenheit nicht möglich.

Jetzt aber haben Forscher aus Rom auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko (kurz: Tschuri) zwei Stellen entdeckt, wo das gefrorene Wasser offen zutage tritt - ein Novum, das die Wissenschaftler um Gianrico Filaccione vom Institut für Astrophysik und Planetologie in helle Aufruhr versetzte.

Mithilfe des Spektrometer Virtis, das sich an Board von Rosetta befand, war es ihnen erstmals möglich, anhand von Infrarot-Untersuchungen das gefrorene Wasser zu analysieren. „Wir konnten in den Spektrometerdaten erkennen, dass die zwei metergroßen hellen Flecken in der Region Imhotep tatsächlich aus Eis bestanden“, erklärt Gabriele Arnold vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Forscher gehen davon aus, dass Erosion für den glücklichen Fund verantwortlich ist.

Was wir über den Kometen Tschuri wissen

Der Beweis für die Existenz von gefrorenem Wasser im Kometenkern ist für die Wissenschaftler eine kleine Sensation. Denn obwohl Wasserdampf das Hauptgas ist, das von einem Kometen in seiner aktiven Phase in Sonnennähe abgegeben wird und auch das Innere des Kometen reich an Eis ist, ist seine Oberfläche lediglich eine dunkle, wasserarme Kruste – das entdeckte Wassereis scheint also nicht Teil der regulären Oberflächenstruktur des Kometen zu sein.

„Offenbar verdampft Eis schnell, sobald es an der Oberfläche dem All ausgesetzt wird“, erklärt Arnold. Zurück bleibe die klassische Kometenkruste, die aus Kohlenstoffverbindungen und Mineralien besteht. Im Verlauf seiner Geschichte dürfte Tschuri immer dunkler und felsiger geworden sein - das Eis im Inneren könnte also Rückschlüsse auf die Entstehung von Kometen ermöglichen.

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Tatsächlich sind die Virtis-Daten so genau, dass sich damit sogar die Größe der einzelnen Eiskörnchen bestimmen lässt. „Da haben wir eine interessante Beobachtung gemacht: Das Eis dort hat zwei ganz unterschiedliche Körnungen!“, sagt Planetenforscherin Arnold. Die Forscher entdeckten zum einen winzige Körnchen mit einem Durchmesser von wenigen Dutzend Mikrometern sowie eine zweite Klasse mit einem Umfang von gut zwei Millimeter – rund hundertmal größer. „Das deutet auf verschiedene Entstehungsmechanismen und auf unterschiedliche zeitliche Abläufe der Entstehung hin", erklärt Arnold.

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Die kleineren Körnchen interpretieren die Forscher als Frost oder Raureif, der durch den zwölfstündigen Tag- und Nachtzyklus und als Ergebnis einer schnellen Kondensation entstanden ist. Bei den größeren Körnern vermuten die Wissenschaftler, dass sie sich langsamer gebildet haben und erst durch die Kometenaktivität und den daraus folgenden Erosionsvorgängen freigelegt wurden - also unter Umständen schon vor vielen hunderten Jahren entstanden sind.

Die Entstehung von Kometen, so viel ist der Wissenschaft bekannt, reicht Jahrmilliarden zurück, in eine Zeit als die Erde und alle anderen Planeten im Universum entstanden sind. Deren Evolution zu verstehen, könnte auch Erkenntnisse über unsere eigene Entwicklung und Entstehung liefern. Von dem grobkörnigen Eis aus dem Inneren von Tschuri erhoffen sich die Forscher einen Einblick in die Prozesse der vergangenen Jahrhunderte.

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