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Schneller schlau Was macht Frankensteins Monster auf dem PC?

Virus aus dem Horror-Labor – Schneller schlau entführt Sie in die Welt des Wissenswerten.

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Risengroß und furchteinflößend - so sieht Frankensteins Monster im Roman und der Verfilmung von 1935 aus. Das Virus Frankenstein bleibt dagegen unentdeckt. Quelle: picture-alliance

In „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ ließ die Roman-Autorin Mary Shelley 1818 den jungen Forscher Viktor Frankenstein einen lebendigen Menschen aus Menschenteilen erschaffen. Auf der Suche nach Liebe und Freundschaft wird das Mischwesen von der Gesellschaft zurückgewiesen – und so schließlich zum Monster, das seinen Schöpfer töten will.

Ein ähnliches Schicksal wird den beiden Informatikern Vishwath Mohan und Kevin Hamlen von der Universität Texas wohl eher nicht bevorstehen – besteht das Monster dieser modernen Frankensteins doch nicht auf Fleisch und Blut, sondern Bits und Bytes. Ihr Frankenstein getauftes Virus infiziert PCs, sucht nach gebräuchlicher Software, um sich aus Teilen des Codes ein eigenes Programm zu bauen. So wie Frankenstein aus menschlichen Teilen ein Wesen erschafft, erschafft sich das Frankenstein-Virus ein Programm aus den Code-Schnipseln anderer Anwendungen.

Computerwissenschaftler haben sogar aufgezeigt, dass durch das Aufsammeln und Neukombinieren von Befehlen im Code von Programmen theoretisch jedes beliebige Computerprogramm erschaffen werden kann – genug Code-Schnipsel natürlich vorausgesetzt. Die modernen Frankensteins Mohan und Hamlen haben in ihrer Demonstration des Virus zwei einfache Computerroutinen  aus den Schnipseln anderer Anwendungen zusammengebaut. „Wir glauben, dass das ein starker Hinweis darauf ist, dass mit dieser Methode auch komplette Schadsoftware gebaut werden kann“, zitiert der New Scientist die beiden Forscher.

Das alles ist mehr als eine Spielerei: Das Virus baut sich seine Monster bei jeder Infektionen eines neuen PCs aus anderen Anwendungen zusammen. Damit ließe sich das so ständig mutierende Virus von Anti-Virenscannern nicht mehr aufgrund der Signatur des Programms erkennen. Alles am Frankenstein-Virus sieht aus wie der Teil eines legitimen Programms, weil es sich nur aus Teilen von bereits installierter Software zusammensetzt. Das macht den Schutz vor Viren-Scannern noch weitaus effektiver als bereits existierende Malware, die selbstständig mutiert.

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    Wer ein einem derart komplizierten Schadsoftware ein Interesse haben könnte? Sicher nicht der Cyber-Kriminelle von nebenan. Eher schon staatliche Geheimdienste, die extremen Aufwand betreiben, um unentdeckt in feindliche Systeme einzudringen. Entsprechend wurde die Forschungsarbeit der Informatiker auch teilweise von der US Air Force finanziert. Auf den PCs der allermeisten Nutzer werden Frankensteins Byte-Monster also vorerst nicht ihr Unwesen treiben.

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