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Schnupfen-Studie Warum wir uns bei Kälte eher erkälten

Im Winter folgt eine Erkältungswelle auf die nächste. US-Forscher haben nun herausgefunden, dass dabei tatsächlich die Temperaturen eine Rolle spielen.

Immer schön warm halten: Kälte spielt laut einer neuen Studie doch eine Rolle bei Schnupfen Quelle: dpa

"Ich war vorgestern lange draußen - da habe ich mir wohl eine Erkältung geholt", lautet ein immer wieder gehörter Ausspruch von schniefnasigen Menschen im Winter. Dass eine Erkältung von der Kälte kommt, wurde von Medizinern immer wieder als falscher Volksglaube zurückgewiesen.

Nun haben US-Forscher jedoch herausgefunden, dass die Temperatur sehr wohl eine Rolle bei der Entstehung von Erkältungen spielt. Das liegt demnach daran, dass die Abwehr unserer Zellen bei niedrigen Temperaturen schlechter funktioniert.

Wie man Antibiotika richtig einsetzt

Für ihre Studie, die nun im Magazin Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht wurde, haben die Forscher der US-Universität Yale Rhinoviren untersucht. Sie sind der Hauptauslöser für die gemeine Erkältung, die uns mit Schnupfen plagt.

Demnach konnten bislang keinerlei Eigenschaften des Virus' selbst gefunden werden, die ein temperaturabhängiges Wachstum erklären. Daher nahmen die Wissenschaftler nun das Zusammenspiel von Virus und potentiellem Wirt unter die Lupe.

Die Forscher wiesen in Experimenten mit Zellkulturen aus den Atemwegen von Mäusen nach, dass Temperaturen unterhalb von 37 Grad die Immunantwort der Zellen verringern. In den Zellkulturen zeigte sich eine deutlich stärkere Abwehrreaktion bei 37 Grad als bei den Kulturen, die bei 33 Grad kultiviert wurden.

Was gegen Erkältung hilft - und was nicht
Fast jedes dritte von rund 2000 überprüften rezeptfreien Medikamenten ist laut Stiftung Warentest wenig gegen Erkältungen geeignet. Darunter fallen bekannte Mittel gegen Erkältung, Schnupfen, Halsentzündung, Verstopfung, Durchfall oder Insektenstiche. Oft schneiden die Kombinationen verschiedener Wirkstoffe schlecht ab, etwa von Schmerzmitteln und anregenden Mitteln in Erkältungsmedikamenten. In anderen Fällen bemängeln die Tester hohen Alkoholgehalt etwa bei einem Erkältungsmittel für die Nacht oder ungeeignete Zusammenstellungen bei Tabletten gegen Halsinfektionen. Die 2000 rezeptfreien Medikamente sind Teil einer umfassenderen Datenbank von Stiftung Warentest mit Arzneimitteln. Quelle: dpa
Bei Erkältung und Grippe hat die Apotheke so einiges an rezeptfreien Mitteln zu bieten. Doch viele halten nicht, was sie versprechen. Aspirin Complex Granulat: Nicht sinnvolle Kombination aus einem Schmerzmittel und einem anregenden Mittel, das über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt wird. Doregrippin Tabletten: Wie beim Aspirin Complex Granulat stuft die Stiftung Warentest die Kombination der Mittel als nicht sinnvoll ein. Grippostad C Kapseln: Enthält ein müde machendes Antihistaminikum, das über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt wird. WICK DayMed und MediNait (Kapseln und Getränke): Nicht sinnvolle Kombination unter anderem aus einem Schmerzmittel, einem Hustenmittel und einem anregenden Mittel. Alternative: Die einzelnen Erkältungssymptome sollten besser getrennt behandelt werden. Gegen Schmerzen und Fieber reicht Parazetamol allein. Bei Schnupfen ist die kurzzeitige Anwendung von abschwellenden Nasentropfen verträglicher. Quelle: Fotolia
Schnupfen und AllergienRhinopront Kombi Tabletten: Wenig geeignet bei Schnupfen. Nicht sinnvolle Kombination an Mitteln. Reactine duo Retardtabletten: Hilft kaum bei allergischem Schnupfen. Wenig sinnvolle Kombination aus einem Antihistaminikum und einem anregenden Stoff, der über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt wird und dabei auch die Schleimhäute abschwillt. Bei Daueranwendung kann es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen. Alternative: Tabletten, Tropfen oder Saft mit Cetirizin oder Loratadin sollen bei akuten Allergie-Beschwerden helfen. Cromoglizinsäure als Nasenspray zur Vorbeugung (früh genug mit der Behandlung beginnen, unkonservierte Präparate bevorzugen). Bei einem normalen Schnupfen ist die kurzzeitige Anwendung von abschwellenden Nasentropfen verträglicher. Quelle: dpa
Nahrungsergänzungsmittel mit Zink und Vitamin C sollen das Immunsystem unterstützen. Natürlich braucht der Körper bestimmte Nährstoffe, damit das Abwehrsystem gegen Bazillen und Viren funktioniert. Doch Vitamin C- und Zinktabletten können Erkältungen nicht heilen oder gar verhindern. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für den Nutzen der bunten Pillen. Die Zufuhr ist normalerweise über die Ernährung sichergestellt, Mangelzustände an Vitamin C und Zink kommen in Deutschland nur selten vor. Gute Vitamin C-Lieferanten sind zum Beispiel Orangensaft, Brokkoli, Kiwi oder rote Paprika. Zink ist zum Beispiel in Fleisch, Ei, Vollkorn- und Milchprodukten enthalten. Die empfohlene Tagesdosis wird etwa bereits durch ein Stück Rindfleisch (150 Gramm) und ein Glas Milch gedeckt. Quelle: dpa
Doch nicht nur gegen Erkältungssymptome gibt es rezeptfreie Mittelchen, die leider nichts bewirken. Auch gegen andere Wehwehchen ist nutzloses Kraut gewachsen... Quelle: dpa
SchürfwundenBrand- und Wundgel Medice: Das Gel ist laut Stiftung Warentest wenig zur Wundpflege geeignet. Die therapeutische Wirksamkeit ist nicht ausreichend nachgewiesen. Zudem kann der Inhaltsstoff Benzethonium leicht Allergien auslösen. Alternative: Leichten Verbrennungen mit unverletzter Haut unter fließendem Wasser schnell kühlen. Offene Wunden sollten aber nicht selbst behandelt werden. Pyolysin Salbe: Auch diese Salbe für oberflächliche Wunden verfehlt ihre Wirkung. Alternative: Povidon-Jod-Lösung eignet sich zum Desinfizieren, Dexpanthenol-Salbe zur Pflege bei oberflächlichen Schürfwunden. Quelle: Fotolia
HalsschmerzenDobendan Strepsils Dolo bzw. Dolo-Dobendan Lutschtabletten: Die Kombination der Inhaltsstoffe ist nicht sinnvoll: Antiseptika wie Cetylpyridiniumchlorid sind gegen Viren nur lückenhaft oder gar nicht wirksam. Bakterien in tieferen Schleimhautschichten werden zudem nicht erreicht. Das schmerzstillende Benzokain kann leicht Allergien hervorrufen. Dorithricin Lutschtabletten/ Lemocin Lutschtabletten: Auch diese Tabletten helfen nicht wirklich gegen Entzündungen im Hals. Das Antibiotikum Tyrothrizin wirkt nur oberflächlich und erreicht Bakterien in tieferen Gewebeschichten nicht. Auch hier ist das schmerzstillende Benzokain enthalten, das leicht Allergien auslösen kann. Locabiosol 0,125 mg Spray: Die therapeutische Wirksamkeit des Antibiotikums Fusafungin bei Halsinfektionen ist nicht ausreichend nachgewiesen. Die Anwendung als Spray kann bei empfindlichen Personen zu Asthmaanfällen führen. Alternative: Halsentzündungen werden häufig durch Viren verursacht, bei denen Antibiotika nicht wirken. Zuckerfreie Halsbonbons befeuchten die Schleimhäute und  können Schluckbeschwerden lindern. Lutschtabletten mit Ambroxol oder Lidokain wirken schmerzstillend. Quelle: Fotolia

Der Clou: In der menschlichen Nasenhöhle ist es durch das Einatmen kalter Luft eben nicht 37 Grad warm wie in unserem Körperinnern. Die Körperöffnung ist als Einfallstor für alle möglichen Krankheitserreger und damit auch für deren Abwehr besonders wichtig. Auch Rhinoviren werden vor allem durch Tröpfchen- und Schmierinfektionen übertragen - also etwa, wenn uns jemand anniest. Oder wir mit unseren Händen kontaminierte Oberflächen berühren und uns dann ins Gesicht fassen.

In der kalten Nase können sich die Erkältungsviren laut der Studie besonders effektiv ausbreiten, weil die Abwehrreaktion der Schleimhautzellen gegen die Viren durch Kälte beeinträchtigt wird. Die Zellen produzierten in den Versuchsreihen weniger Stoffe, die den Krankmachern zu Leibe rücken.

Fiese Keime
EbolaDie Ausbreitung dieses Filovirus ließ sich in der Vergangenheit durch Isolation der Kranken sehr gut eingrenzen, weil der Erreger nur durch engen Kontakt mit Erkrankten und deren Körperausscheidungen oder Blut weiter gegeben wird. Zudem können Menschen, die sich mit Ebola angesteckt haben, andere erst dann infizieren, wenn sie selbst offensichtlich erkrankt sind. Während der bis zu 21 Tage dauernden sogenannten Inkubationszeit zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Krankheit besteht keine Ansteckungsgefahr. Die fadenförmigen Viren befallen vor allem die Fresszellen unter den weißen Blutkörperchen sowie Zellen in der Leber, den Lymphknoten und der Milz. Sie lösen dabei hohes Fieber und Blutungen aus. 60 bis 90 Prozent der Erkrankten sterben innerhalb weniger Tage oder Wochen an diesem hämorrhagischen Fieber. Weil die Seuche so tödlich ist, hat sie sich bisher immer nach wenigen Wochen selbst auslöscht. Weil sie aber auch Tiere befällt, kommt es immer wieder zu Infektionen von Menschen und neuen Epidemien. Quelle: AP
AidsDas Immunschwäche auslösende Virus (Humanes Immundeffizienz Virus, HIV) wird zwar ebenfalls durch Blut und Körperflüssigkeiten vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen, hat aber eine ganz andere Ausbreitungsdynamik. Hier dauert es im Mittel zehn Jahre, bis die Erkrankung offensichtlich wird. Trotzdem kann der Infizierte schon während dieser jahrelangen Inkubationszeit andere Menschen anstecken. Vor allem in den ersten Wochen ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch. So hat sich das Aids-Virus, seit es Anfang  der 1980er Jahre vom Affen auf den Menschen übersprang, sehr erfolgreich über die ganze Welt verbreitet. Die Pandemie hat seither etwa 28 Millionen Menschenleben gefordert. Aids kam vor allen in den Anfangsjahren einem Todesurteil gleich. Heute lässt sich das Virus – zumindest in der westlichen Welt – mit einem Dreifach-Cocktail aus zwischenzeitlich entwickelten Medikamenten recht gut unter Kontrolle halten. Auch  die Ausbreitung wurde durch Aufklärung deutlich eingegrenzt: Am wirksamsten ist der Schutz durch Kondome beim Sex. Quelle: Gemeinfrei
Hepatitis BDiese Form der Leberinfektion wird wie Aids vor allem beim Geschlechtsverkehr weitergegeben. Aber auch Piercing, Spritzen oder Blutkonserven sind potenzielle Übertragungswege. Mit über 350 Millionen Infizierten gehört das Hepatitis-B-Virus zum erfolgreichsten Krankheitserreger der Welt. Es ist vor allem in China und Südostasien, dem Nahen Oste und Afrika weit verbreitet. Bei 90 Prozent der Infizierten heilt die Erkrankung aber schnell und vollständig aus – oft sogar ohne die typischen Gelbsucht-Symptome wie Gelbfärbung der Haut oder Gliederschmerzen. Dennoch sind auch diese unerkannten Infizierten anstecken. Und bei jenen zehn Prozent der Betroffenen mit chronischem Verlauf kommt es zu schweren Leberzirrhosen und zum Leberkrebs. Durch eine Impfung konnte das Virus vor allem in der westlichen Welt allerdings drastisch eingedämmt werden. In Deutschland werden seit 1995 alle Neugeborenen gegen Hepatitis B geimpft. Quelle: Gemeinfrei
Hepatitis CAuch dieses Virus wird über Blut und Körperflüssigkeiten weitergegeben. Es befällt wie sein naher Verwandter, das Hepatitis-B-Virus, die Leber und bleibt oftmals unerkannt. Der Anteil chronischer Erkrankungen ist allerdings deutlich höher: Bei etwa einem Drittel der Betroffenen zerstört das Hepatitis-C-Virus (HCV) das Organ. Weltweit sind rund 170 Millionen Menschen mit HCV infiziert, allein 300.000 in Deutschland. Besonders betroffen ist zum Beispiel Ägypten, wo 15 bis 20 Prozent der Menschen das Virus in sich tragen. Auch Nicht-Erkrankte können den Erreger weiter geben. An einer Impfung arbeiten Forscher derzeit – zum Beispiel beim Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und beim  schweizerischen Biotechnik-Unternehmen Okairos, das 2013 vom britischen Pharma- und Impfstoff-Konzern GlaxoSmithKline aufgekauft wurde. Seit Ende vorigen Jahres ist zudem ein sehr wirksames Medikament des kalifornischen Unternehmens Gilead Sciences auf dem Markt, das allerdings wegen seines hohen Preises ebenso hohe Wellen schlägt: Eine einzelne Sovaldi-Pille kostet 700 Euro, die zwölf Wochen dauernde Behandlung schlägt mit gut 60.000 Euro zu Buche. Quelle: Gemeinfrei
InfluenzaAnders als Ebola, Aids oder Hepatitis befallen Grippe- oder Influenza-Viren die Atemwege der Menschen und verbreiten sich beim Husten oder Niesen durch winzige Tröpfchen sehr effektiv über die Luft. Damit ist es sehr schwer, sich vor einer Ansteckung zu schützen – und Infizierte sind bereits eine Ansteckungsgefahr für Mitmenschen, lange bevor sie selbst mit hohem Fieber und Gliederschmerzen schwer krank im Bett liegen. Anders als eine gewöhnliche Erkältung kann eine echte Grippe durchaus lebensbedrohlich sein. Allein in Deutschland fordert die saisonale Wintergrippe jedes Jahr bis zu 15.000 Menschenleben. Vor allem ältere und immun geschwächte Menschen sind gefährdet. Da jedes Jahr andere Grippestämme grassieren, besteht die Schutzimpfung alljährlich aus drei unterschiedlichen Virentypen, die von den Beobachtungsteams der Weltgesundheitsorganisation WHO ausgewählt werden. Quelle: Gemeinfrei
SchweinegrippeDa Influenza-Viren auch Vögel und Schweine befallen, entstehen laufend neue Erregertypen. So brachte zwischen 1918 und 1920 solch ein für den Menschen völlig neuer und besonders virulenter Influenza-Stamm – die sogenannte spanische Grippe – weltweit mindestens 25 Millionen Menschen um. Der Erreger gehörte zum Subtyp A/H1N1, der unter dem Namen Schweinegrippe im Frühjahr 2009 erneut für Aufsehen sorgte. Damals war die Sterblichkeit bei den Erkrankten des zuerst in Amerika auftretenden Erregers extrem hoch. Später zeigte sich jedoch, dass vor allem ältere Menschen teilweise gegen den neuen Schweinegrippe-Erreger immun waren. Die zunächst befürchteten zigmillionen Toten blieben aus. Das Virus hat sich aber inzwischen aber weltweit ausgebreitet und unter die saisonalen Grippeerreger gemischt. Quelle: dpa
VogelgrippeUnter ständiger Beobachtung stehen Influenza-Viren der Subgruppe A/H5N1 und A/H9N7, die bei Geflügelzüchtern verheerende Schäden anrichten und sich auch über wildlebende Zugvögel weltweit verbreiten. Vor allem eine Infektion mit dem H5N1-Typ, der auch unter dem Namen Geflügelpest bekannt ist, endet für Legehennen oder Masttiere wie Enten, Truthähne oder Gänse in der Regel tödlich. Immer wieder springen Vogelgrippe-Erreger vor allem im asiatischen Raum auch auf den Menschen über, was bisher aber nie zur befürchteten Pandemie beim Menschen mit avisierten sieben Millionen Toten führte. Quelle: AP

Dass es sich tatsächlich um eine Immunreaktion handelt, die die Vermehrung des Virus' beeinflusst, belegten die Forscher mit einer weiteren Versuchsreihe. In Mauszellen, denen die angeborene Abwehr fehlte, wies das Virus sowohl bei 33 als auch bei 37 Grad Celsius robuste Vermehrungsraten auf. Dies belege, dass die Immunreaktion des Wirtsorganismus der Hauptgrund für den beobachteten Kälte-Effekt sei, so die Studienautoren.

Uns selbst und unsere Nase vor dem Auskühlen zu schützen, könnte also unserem Körper helfen, die Eindringlinge zu bekämpfen und so einem Schnupfen vorbeugen. Die Forscher betonen, dass noch viele weitere Faktoren eine Rolle bei der Entstehung von Erkältungen spielen und weitere Versuchsreihen nötig seien.

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