Schutz vor Skimming Neue Technik erkennt manipulierte Geldautomaten

US-Forscher haben ein Gerät entwickelt, das Manipulationen an Geldautomaten rasch entdeckt. Die Polizei von New York ist nach ersten Tests sehr zufrieden.

Drei Jahre haben Patrick Traynor und zwei Studenten an ihrem „Skim Reaper“ gearbeitet. Quelle: AP

GainesvillePatrick Traynor war gerade in New York, um den Behörden Tipps für einen besseren Schutz von Kreditkartenlesern zu geben. Plötzlich erhielt er selbst eine Warnung: Seine eigenen Bankdaten waren irgendwo in der Stadt abgegriffen worden.

„Ich habe 15 Jahre Erfahrung mit IT-Sicherheit. Wenn sogar ich mich nicht ausreichend schützen kann, wie sollten es dann andere können?“, sagt der Informatik-Professor von der University of Florida.

Das Problem sind sogenannte Skimmer. Kriminelle manipulieren damit Geldautomaten oder die Bezahlgeräte an Tankstellen. Drei Jahre haben Traynor und zwei Studenten an der Entwicklung einer Lösung gearbeitet. Das Ergebnis nennen sie „Skim Reaper“.

Das Gerät lässt sich wie eine Kreditkarte in ein Lesegerät einführen. Dabei zeigt es sofort an, ob eine Manipulation vorliegt. Die Technik ist so einfach, dass sie die weit verbreitete Betrugsmasche effektiv bekämpfen könnte.

Allein in den USA werden nach Angaben der Sicherheitsbehörden in Washington jedes Jahr mehr als eine Milliarde Dollar (840 Millionen Euro) mit Skimming erbeutet. Das gestohlene Geld diene oft der Finanzierung des organisierten Verbrechens, heißt es. Die Geschädigten seien in der Regel ganz normale Konsumenten.

Meist bauen die Kriminellen innerhalb oder außerhalb der Automaten ein zusätzliches Lesegerät ein. Bei jeder Nutzung des Automaten können sie dann die auf einer Kreditkarte gespeicherten Informationen kopieren. Der „Skim Reaper“ sei so konzipiert, dass er erkenne, wenn mehr als ein Lesegerät vorhanden sei, sagt Traynor.

Bei der Polizei von New York sind vier Spezialkräfte in Vollzeit damit beschäftigt, Fälle von Skimming aufzuspüren. Gelegentlich werden sie zwar fündig. Doch wirklich eindämmen konnten sie das Problem bisher nicht. Denn oft nutzen die Täter einen bestimmten Automaten wohl nur für kurze Zeit. „Sie kommen vorbei, bringen ihr Gerät an und ziehen dann weiter“, sagt Christopher Flanagan, Mitglied einer Sondereinheit für Finanzstraftaten.

Nach einer besonderen Häufung von Fällen im Januar ließ sich die Polizei der US-Metropole im Februar fünf der Geräte von Traynor geben. Die Nachrichtenagentur AP konnte die Beamten bei ihren ersten Tests in der Stadt begleiten. Der eigentliche „Skim Reaper“ ist per Kabel mit einer Box mit einem Display verbunden. Auf diesem erscheint eine Meldung, wenn in einem Kartenschlitz mehr als ein Lesekopf erkannt wird. Nach Angaben von Flanagan wurde im Stadtteil Brooklyn auf diese Art bereits ein manipulierter Geldautomat gesichert.


Kriminelle suchen gezielt nach Schwachstellen

„Ich beschäftige mich schon seit ungefähr fünf Jahren mit Skimming. Aber so etwas hatte ich bisher noch nicht genutzt – oder auch nur davon gehört“, sagt der Polizist James Lilla. „Es ist definitiv ein Hilfsmittel, das wir im Kampf gegen den Betrug mit Geldautomaten gut gebrauchen können.“

Moderne Kreditkarten sind in der Regel mit einem speziellen Chip ausgestattet, der weit weniger leicht auszulesen ist als ein Magnetstreifen. Doch kleinere Geschäfte und Tankstellen haben Probleme mit den höheren Kosten eines neuen Kreditkartenlesegeräts und dem Aufwand eines Wechsels auf die neuere Technik. Und gerade an solchen „Schwachstellen“ schlugen die Kriminellen bisher besonders häufig zu.

Der „Skim Reaper“ habe das Potenzial, im Kampf gegen diese Masche einen „Wendepunkt“ zu bringen, sagt der IT-Sicherheitsexperte Steven Weisman von der Bentley University im US-Staat Massachusetts. „Wenn die Technik tatsächlich zu einem günstigen Preis angeboten werden kann, könnte den Skimmern damit das Handwerk gelegt werden. Das würde den Leuten enorm viel Geld sparen und sehr viel Ärger vermeiden.“

Aktuell koste es etwa 50 Dollar (42 Euro), einen „Skim Reaper“ herzustellen, sagt Traynor. Und sein Team arbeite täglich daran, diese Summe weiter zu senken. Der Polizist Flanagan betont, dass auch noch weitere Tests erforderlich seien. Die bisherigen Einsätze mit dem Gerät in New York hätten ihn aber schon sehr überzeugt – vor allem, weil damit auch Kollegen ohne Vorkenntnisse einen manipulierten Automaten erkennen könnten.

Seine vier Spezialisten seien extrem ausgelastet, sagt Flanagan. „Wenn ich also auch jemanden ohne Sonderausbildung, der gerade etwas Zeit übrig hat, auf solche Inspektionen schicken kann, dann wäre das ein großer Vorteil.“

Die Forscher in Florida wollen zudem eine noch handlichere Version des „Skim Reapers“ entwickeln. Optimal wäre die Größe eines Portemonnaies, sagt Nolen Scaife, einer der beteiligten Studenten von Traynor. Dann könnten Konsumenten ein solches Gerät bei Einkäufen selbst in der Tasche haben und vor jedem Bezahlen mit Karte zunächst schnell das Lesegerät überprüfen.

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