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Seltene Erden Der Schatz im sächsischen Feld

Für viele High-Tech-Produkte benötigt man Seltene Erden, doch China begrenzt den Export massiv. Die deutschen Hoffnungen ruhen nun auf einem Dorf in Sachsen.

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Geschätzte 42.000 Tonnen seltene Metalle für einen Weltmarktpreis von 1,5 Milliarden Euro liegen im sächsischen Storkwitz im Erdreich verborgen. Quelle: dpa

In Storkwitz bei Leipzig machen sich Sorgen breit: Werden bald tagtäglich LKWs an dem kleinen Dorf vorbeirattern, große Baumaschinen anrollen und ihr einst ruhiges Örtchen zur größten Abbauregion von Seltenen Erden in Mitteleuropa verkommen?
Alles hängt davon ab, ob wirklich unter einem Feld nahe ihrer Gemeinde über 40.000 Tonnen Seltene Erden liegen, oder nicht.

Begehrte Bodenschätze
Die Ressourcen sind heiß begehrt: Zukunftstechnologien, Solaranlagen oder Energiesparlampen etwa, können ohne die Rohstoffe wie Lanthan, Praseodym, Europium oder Yttrium nicht hergestellt werden. Laut einer Schätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe aus dem Jahr 2009, werden in diesem Jahr etwa 189.000 Tonnen Seltene Erden mit einem Marktwert von über zwei Milliarden US-Dollar verbraucht, wahrscheinlich sind es eher mehr.
Sollte sich die Vermutung der Vorkommen bei Storkwitz bestätigen, liegen unter einem Feld Metalle mit einem derzeitigen Weltmarktpreis von etwa 1,5 Milliarden Euro – Tendenz steigend.

Was in iPhones und Panzern steckt
Hybridauto von Porsche Quelle: rtr
Neodym Neodym ist Ausgangsstoff für starke Permanentmagnete, die in kleinen Mikrophonen und Lautsprechern – etwa in Apples iPhone – stecken. Sie machen auch moderne Audioanlagen erst möglich. Quelle: ap
Praseodym Auch Praseodym ermöglicht die Produktion kräftiger Magneten, die für die Herstellung kompakter Elektromotoren, aber auch von Generatoren für Windkraftanlagen verwendet werden. Quelle: ap
Samarium Samarium ist ebenfalls Ausgangsstoff für Permanentmagnete, die beispielsweise in militärischen Navigationssystemen stecken, wie die US-Armee sie im Kampfpanzer Abrams einsetzt. Damit endet die Vorstellung der ersten vier Vertreter aus der Gattung der „leichten seltenen Erden“, weiter geht's mit den sogenannten „schweren seltenen Erden“. Quelle: Reuters
Terbium Als grünlicher Fluoreszenzstoff hilft Terbiumden Herstellern von Lampen ohne Glühfaden, die Lichttemperatur einzustellen. So verbrauchen Energiesparlampen bei gleicher Helligkeit weniger Strom. Quelle: ap
Gadolinium In Kernreaktoren dient Gadolinium dazu, überschüssige Neutronen zu absorbieren - entweder für eine Schnellabschaltung oder in Meilern, die nur selten neu bestückt werden, etwa für Atom-U-Boote. Quelle: ap
Yttrium In Radargeräten dienen kristallische Elemente mit Yttriumanteil dazu, die zurückkommenden elektromagnetischen Wellen besser aufzufangen. Als nächstes folgen die seltenen Metalle. Quelle: Reuters

Monopolist China
Denn bisher kommen fast 97 Prozent der Seltenen Erden aus China und die dortige Regierung ist nach Jahren der Niedrigpreispolitik auf eine restriktivere Exportpolitik umgeschwenkt, was den Preis für die Metalle stark nach oben getrieben hat. Ohne alternative Abbauregionen sind die Chancen gering, Chinas Quasimonopol aufzubrechen. Aus Mangel an Alternativen haben die USA, die EU und Japan mittlerweile vor der Welthandelsorganisation ein Verfahren gegen das Reich der Mitte angestrengt.

Zurückhaltung statt Optimismus

Seltene Erden
Bayan Obo Mine in der Mongolei Quelle: Google
Lanthanum Quelle: dpa
Cerium Quelle: dpa
Terbium Quelle: rtr
Neodym Quelle: dpa
Promethium Quelle: dpa
Samarium Quelle: AP

Die geringe Konkurrenz kommt Storkwitz nicht ungelegen, im Gegenteil: Zum einen hat Chinas künstliche Verknappung Seltener Erden den Preis auf ein Niveau gehoben, auf dem es sich wesentlich schneller rentiert, eigenen Abbau zu betreiben. Zum anderen würde Storkwitz mit einem Schlag die einzige wirtschaftlich nutzbare Seltene-Erden-Lagerstätte Mitteleuropas werden – mit entsprechendem Nachfragepotential.
Probebohrungen beginnen
Die Hoffnungen der Storkwitz AG, einer 67-prozentigen Tochter der Deutschen Rohstoff AG (DRAG), beruhen jetzt auf Probebohrungen, die in den kommenden zwei Wochen durchgeführt werden. Dort zeigt man sich allerdings eher verhalten, als optimistisch. Man wolle bewusst keine großen Hoffnungen machen, heißt es. Erste Auswertungen der Tests werden frühestens im Sommer erwartet. Dann erst würde in einer Machbarkeitsstudie überprüft, ob ein wirtschaftlicher Abbau möglich sei, so DRAG-Sprecher Horst Koppelstätter.

Der Standort stimmt

Manfred Wilde, Oberbürgermeister von Delitzsch, zu dem Storkwitz gehört, gibt sich derweil optimistischer. Er würde sich über reiche Funde freuen. „Der Abbau würde sehr gut zu unserer Stadt passen, da zum Beispiel BMW ganz in unserer Nähe sein Hybrid-Auto baut. Damit haben wir beste Standortbedingungen“, sagte Wilde.

In Arbeit
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Diese Freude können nicht alle Anwohner von Storkwitz teilen. Im Dorf sorge man sich, die Metalle in der Erde würden nicht nur Geld, sondern auch Unruhe in ihr Örtchen rund um das alte Rittergut bringen, erzählt ein Immobilienmakler aus der Umgebung. Es hätte aber noch niemand sein Haus zu verkauft, auch die Preise seien unverändert. So richtig scheint dort noch niemand zu glauben, dass hier bald die größte Abbauregion von Seltenen Erden in Mitteleuropa sein könnte. (mit Material von dpa)

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