Solar Impulse 2 Solar-Extremflug über Pazifik geschafft

Fünf Tage und Nächte alleine in einem Mini-Cockpit über dem Pazifik, nur von Sonnenenergie angetrieben: Der riskante Flug von „Solar Impulse 2“ wird von einer reibungslosen Landung auf Hawaii gekrönt.

Das Solarflugzeug

Das Timing und die Kulisse sind perfekt: Kurz nach Sonnenaufgang setzt der Solarflieger „Solar Impulse 2“ auf einer Landebahn in dem Urlaubsparadies Hawaii auf. Nur von Sonne angetrieben hatte das grazile Leichtflugzeug gleich mehrere Rekorde aufgestellt. Mit fast 8300 Kilometern war es die weiteste Distanz, die ein Solarflugzeug je absolvierte. Nach fünf Tagen und fünf Nächten alleine in dem kleinen Cockpit hat der Schweizer Pilot André Borschberg den Applaus für den längsten Soloflug redlich verdient.

Strahlend zeigt sich der Pilot nach der Landung am Freitag in Honolulu in seinem Cockpit. Die Erschöpfung ist dem 62-Jährigen kaum anzusehen. Nach dem hawaiianischen Willkommensgruß mit Blumenkränzen müssen sich die Schaulustigen aber eine Weile gedulden. Borschberg scheut die ersten Schritte auf festem Boden, er bleibt zunächst in seinem Flugzeug sitzen. Ein Physiotherapeut muss minutenlang seine Beine massieren, erst dann steht der Flugpionier vorsichtig auf und streckt die Arme jubelnd zum Himmel.

Solarflieger hat die Welt umrundet
Es ist - im wahrsten Sinne des Wortes - ein Pilotprojekt, gestartet 2014. Ein Einsitzer mit einer Spannweite von 72 Metern - das ist mehr als bei einem Jumbojet - sollte im März 2015 zu einer Umrundung der Erde starten. Dabei wollten sich Piccard, Borschberg und weitere Piloten in zahlreichen Flugetappen abwechseln. Quelle: REUTERS
Der Sonnenflieger ist mit mehr als 17.200 Solarzellen ausgestattet, die vier Elektromotoren antreiben. Quelle: AP
Insgesamt ist die Reise um den Globus auf fünf Monate angelegt. Das Flugzeug wiegt mit 2300 Kilogramm nur etwa so viel wie ein Minivan. Der Pilot Andrè Borschberg (62) und der Luftfahrtpionier Bertrand Piccard wollen mit dem Projekt die Möglichkeiten der umweltfreundlichen Solarkraft aufzeigen. Auf den zwölf Etappen ihrer Weltreise wechseln sich die Piloten im Cockpit ab. Die nächste Etappe von Hawaii an die amerikanische Westküste soll dann Piccard übernehmen. Das Projekt war mehr als zwölf Jahre geplant worden. Quelle: REUTERS
Anfang März 2015 begann im Golfemirat Abu Dhabi das große Abenteuer. Die erste Etappe ihrer Weltumrundung führte die Piloten der "Solar Impulse 2" über Indien, den Himalaya und China bis nach Japan. Mehrfach verhinderte schlechtes Wetter den Weiterflug. So hatte die Maschine am 1. Juni außerplanmäßig in Nagoya zwischenlanden müssen. Quelle: dpa
Ein Rückschlag folgte auf den nächsten: Stürmischer Wind beschädigte den Ökostromflieger bei seinem ungeplanten Zwischenstopp in Japan am Boden. Zum Schutz vor Regen und Sonne wurde in Nagoya der mit Sonnenkollektoren besetzte Flügel abgedeckt. „Es gab so viel Wind und Böen, dass die Abdeckung auf dem Flügel flatterte und ein Querruder an der hinteren Kante beschädigte“, sagte Piccard in einem Video auf der Webseite der Expedition. Quelle: REUTERS
Zwischenzeitlich schien der Rekordflug gefährdet und das Abenteuer der Weltumrundung wurde für den Sonnenflieger zum Kampf gegen die Zeit. Das nur mit Sonnenenergie angetriebene Flugzeug müsse vor dem 5. August den Pazifik oder den Atlantik überquert haben, danach würden die Tage zu kurz für diese weiten Strecken, sagte Projekt-Initiator Bertrand Piccard. Quelle: dpa
Wäre ein Start nicht rechtzeitig möglich gewesen, hätte die Maschine in Japan oder nach einer Pazifiküberquerung in den USA überwintern müssen. In New York steht dafür ein Hangar zur Verfügung. Quelle: dpa

„Ich hoffe, ich rieche nicht zu sehr“, scherzt er vor Reportern. Er freue sich sehr auf eine Dusche. Borschberg räumt ein, dass er fast ein wenig traurig über das Ende dieser Flugetappe ist. Er sei nicht wirklich erschöpft, er hätte noch länger durchhalten können. Mit Yoga und Mediation habe er den Stress bewältigt. Seine Botschaft an die Welt: Ihm und seinem Kollegen, dem Luftfahrt-Pionier und Erfinder Bertrand Piccard (57), käme es vor allem darauf an, die Möglichkeiten der umweltfreundlichen Solarkraft aufzuzeigen. Mehr als 17 000 Solarzellen sind auf den Flügeln von „Solar Impulse 2“.

118 Flugstunden und maximal 20 Minuten Schlaf am Stück

„Wir haben nicht nur etwas historisch Neues für die Luftfahrt gemacht, sondern auch für die erneuerbare Energien“, sagte Piccard der Deutschen Presse-Agentur. Mehr als zwölf Jahre habe er an diesem Ziel gearbeitet. Mit dem Solarflug hätten sie gezeigt, dass diese Technologie „reif und zuverlässig“ sei.

Die 118 Flugstunden, in denen er nie mehr als 20 Minuten am Stück schlafen durfte, waren für Borschberg ein Wechselbad der Gefühle. Mal twitterte der Pilot über traumhafte Sonnenuntergänge, mal über Müdigkeit und die Sorge, einen Weg durch gefährliche Kaltfronten zu finden. Seinen Humor verlor er bei dem langen Flug nicht. „Kann mir jemand ein gutes Steakhaus in Hawaii empfehlen?“, twitterte er am Tag vor der Landung.

Auf einen eventuellen Notfall bei der Pazifik-Überquerung hatten sich der frühere Militärpilot und Piccard mit Hilfe der deutschen Marine intensiv vorbereitet. In Drills hätten sie gelernt, wie man mit dem Fallschirm abspringt, im kalten Wasser überlebt und ein Rettungsboot aufbläst, erzählt Piccard. „Wir sind keine Teufelskerle. Wir sind Forscher und Abenteurer und wir machen alles mit guter Vorbereitung“.

Borschberg wechselt sich mit Piccard bei den Flugetappen ab. „Solar Impulse 2“ war Anfang März im Golfemirat Abu Dhabi gestartet und über Indien, den Himalaya und China nach Japan geflogen. Als nächstes steht die kürzere Pazifik-Überquerung von Hawaii an die US-Westküste an. Der Abflugtermin hängt vom Wetter ab, vielleicht geht es in der kommenden Woche weiter.

Also Zeit genug zum Feiern und für eine kleine Verschnaufpause auf Hawaii. Vielleicht würde er in den nächsten Tagen Wellenreiten gehen, sagt Borschberg. Das glaubt man dem Abenteurer aufs Wort. „Zum Glück ist einer unserer Sponsoren ein Champagnerhersteller“, verrät Piccard. Es würden reichlich Korken fliegen, bevor die Vorbereitungen für die nächste Etappe anlaufen.

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