Solar Impulse 2 Sonnenflieger endlich Richtung Hawaii gestartet

Der Solarflieger Solar Impulse 2 ist auf riskantem Flug über den Pazifik. Das Flugzeug nimmt auf der bislang längsten Route Kurs auf Hawaii.

Die Solar Impulse 2 ist im März auf einem Flugplatz zu sehen. Quelle: dpa

Jetzt gibt es kein Zurück mehr: Der Schweizer Sonnenflieger „Solar Impulse 2“ steuert auf der riskantesten Etappe seiner Erdumrundung über dem Pazifik die Inselgruppe Hawaii an. Nach mehreren Verzögerungen hob Pilot André Borschberg (62) am frühen Montagmorgen mit dem nur mit Sonnenenergie angetriebenem Flugzeug im japanischen Nagoya ab, wie das Team mitteilte. Die Route über den Pazifischen Ozean gilt wegen der großen Entfernung und des Wetters als besonders gefährlich. Für die rund 8340 Kilometer lange Strecke sind mindestens fünf Tage und fünf Nächte Dauerflug angesetzt.

„Wir haben soeben den Punkt überschritten, an dem keine Umkehr mehr möglich ist“, teilte das Team nach mehreren Stunden Flug mit. Eine Zwischenlandung der einsitzigen Karbonfaser-Maschine sei ausgeschlossen. „Auch für das gesamte Projekt ist nun keine Umkehr mehr möglich“, ergänzte am Boden der zweite Pilot der Unternehmung, der Luftfahrt-Pionier Bertrand Piccard (57).

„André wagt sich ins Unbekannte vor“, schrieb das Team. Angesichts der mindestens 120 Stunden Flugzeit am Stück sei diese Etappe besonders anstrengend und herausfordernd. In der Geschichte der Luftfahrt sei dies bislang einmalig. „Ich fühle mich etwas einsam hier oben, bin aber auch mit Blick auf den Rest des Fluges sehr aufgeregt. Dies ist die Stunde der Wahrheit“, twitterte Borschberg nach rund 15 Stunden. In dem kleinen Cockpit kann er maximal 20 Minuten am Stück schlafen.

Die Geschichte von "Solar Impulse" in Bildern
André Borschberg (links) und Bertrand Piccard (rechts). 1999 hatte Piccard schon einmal die Welt umflogen. Damals in einem Heißluftballon ...
... danach schwor er sich, den Flug zu wiederholen. Diesmal allerdings in einer Maschine, die ohne einen Tropfen Treibstoff auskommt.
Die Außenhaut des nur 25 Kilo schweren Cockpits hat Bayer Material Science aus Leverkusen beigesteurt.
Die Flügel haben insgesamt eine Spannweite von 72 Metern und sind damit länger als die einer Boeing 747.
Im Cockpit ist nur Platz für eine Person ...
... was bedeutet, dass Piccard (Foto) und Borschberg alle paar Tage zwischenlanden und sich abwechseln werden.
17.249 Solarzellen wurden auf den Flügeln befestigt.

Auf einen eventuellen Notfall bei der Pazifik-Überquerung hatte sich der frühere Militärpilot intensiv vorbereitet: „Wenn alles schief läuft, kann ich immer noch mit dem Fallschirm, einem Rettungsboot und Versorgungsgütern abspringen“, hatte er in einem Interview der dpa berichtet. „Mein Partner Bertrand Piccard und ich haben mit der deutschen Marine geübt, wie man mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug springt, mit der Situation umgeht und überlebt. Aber hoffentlich muss ich nicht auf dieses Training zurückgreifen.“

„Solar Impulse 2“ war Anfang März im Golfemirat Abu Dhabi gestartet und über Indien, den Himalaya und China nach Japan geflogen. Mehrfach verhinderte schlechtes Wetter den Weiterflug. So hatte die Maschine, deren Spannweite mit 72 Metern größer ist als die eines Jumbo-Jets, am 1. Juni außerplanmäßig in Nagoya zwischenlanden müssen. Mehr als 17 000 Solarzellen auf den Flügeln zapfen die Energie für die vier Elektromotoren des Fliegers ab. Mit der Weltumrundung sollen die Möglichkeiten der umweltfreundlichen Solarkraft aufgezeigt werden.

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