Solar Impulse Solarflugzeug bricht zu schwierigster Etappe auf

Auf seinem Flug rund um den Globus sitzt der Abenteurer Borschberg alleine am Steuer des Solarfliegers Solar Impulse. Jetzt steht eine der heftigsten Etappen bevor: fünf Tage und Nächte über den Pazifik nach Hawaii.

Die Geschichte von "Solar Impulse" in Bildern
André Borschberg (links) und Bertrand Piccard (rechts). 1999 hatte Piccard schon einmal die Welt umflogen. Damals in einem Heißluftballon ...
... danach schwor er sich, den Flug zu wiederholen. Diesmal allerdings in einer Maschine, die ohne einen Tropfen Treibstoff auskommt.
Die Außenhaut des nur 25 Kilo schweren Cockpits hat Bayer Material Science aus Leverkusen beigesteurt.
Die Flügel haben insgesamt eine Spannweite von 72 Metern und sind damit länger als die einer Boeing 747.
Im Cockpit ist nur Platz für eine Person ...
... was bedeutet, dass Piccard (Foto) und Borschberg alle paar Tage zwischenlanden und sich abwechseln werden.
17.249 Solarzellen wurden auf den Flügeln befestigt.
Sie treiben die Elektromotoren an und füllen die Batterien, damit die "Solar Impulse 2" Tag und Nacht fliegen kann.
Das Team hinter den Piloten.
Eine Familie von Forschern und Abnteurern: Bertrand Piccards Großvater, Auguste (links), drang im Jahr 1931 als erster Mensch mit einem Ballon in die Stratosphäre vor. Bertrands Vater Jacque Piccard tauchte 1960 knapp 11.000 Meter in den Mariannengraben ein.
Rund 140 Millionen Euro hat das Projekt gekostet.
Sommer 2013: Im Rahmen eines Testfluges überquert "Si2" die Vereinigten Staaten von Amerika. Unter dem Solarflieger die Golden Gate Bridge in San Francisco.
Bei der Reise in die USA schaute sich Google-Chef Larry Page den Solarflieger an und entschied sich, das Projekt finanziell zu unterstützen.
Die Route: Von den Vereinigten Arabischen Emiraten geht es weiter nach Indien, Myanmar und China. Nach der Überquerung des Pazifiks mit einem Zwischenstopp auf Hawaii geht es nach Phoenix und schließlich nach New York. Auf dem letzten Teil der Reise überquert die Si2 den Atlantik und landet entweder in Südeuropa oder Nordafrika, bevor sie dann wieder an ihren Ausgangspunkt zurückkehrt.
In heißen Regionen wird die Temperatur im Flieger bis zu 40 Grad plus betragen.

Bei der abenteuerlichen Weltumrundung des Solarflugzeugs Solar Impulse 2 steht eine der schwierigsten Etappen an: In fünf Tagen und fünf Nächten soll der Schweizer Pilot André Borschberg den ausschließlich mit Sonnenkollektoren betriebenen Flieger alleine von China über den Pazifik nach Hawaii steuern. Er sei nervös und aufgeregt, sagte Borschberg am Sonntag.

Die Solar Impulse war am 9. März in Abu Dhabi gestartet und hat bereits Zwischenstationen in Oman, Indien und Myanmar hinter sich. Borschberg wechselt sich auf den Etappen mit seinem Kollegen Bertrand Piccard ab. Insgesamt ist die Reise um den Globus, die die Nutzung von erneuerbaren Energien voranbringen soll, auf fünf Monate angelegt. Der 8175 Kilometer lange Flug von Nanjing nach Hawaii könnte am Donnerstag starten, wenn es das Wetter zulässt.

Borschberg sprach in dem Telefoninterview von der größten Herausforderung des ganzen Projekts. Nicht nur, dass das Team bisher nicht über Ozeane geflogen sei. Es frage sich, ob das Solarflugzeug überhaupt geeignet sei für einen so langen Soloflug. „Und natürlich ist das auch auf Seiten des Piloten eine große Herausforderung - kann ich für diese Etappe wach bleiben und kann ich dieses Flugzeug steuern, kann ich meine Energie auf dem richtigen Niveau halten, kann ich die Nerven behalten, meinen Geisteszustand bewahren, um dieses Flugzeug nach Hawaii zu bekommen?“

Der Solarflieger wird bis auf die Höhe des Mount Everest steigen, also rund 9000 Meter, um tagsüber mehr Sonnenenergie aufzufangen und die Batterien aufzuladen. Nachts wird das Flugzeug auf bis zu 1000 Meter absinken. Der Pilot bekommt es mit Temperaturen zwischen 35 und minus 20 Grad zu tun. „Es ist jeden Tag Winter und Sommer im Cockpit“, sagte der 62-jährige Borschberg, der 25 Jahre lang Schweizer Militärjets gesteuert hatte.

Auf dem Pazifikflug will er täglich bis zu acht Ruhepausen von jeweils etwa 20 Minuten einlegen - wenn Wetter und Turbulenzen es zulassen. Dabei vertraut er auf seinen „virtuellen Copiloten“, ein Instrument zur Stabilisierung des Fliegers. Wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, schrillt ein Alarm. Atemübungen und Meditation sollen ihm helfen, die lange Reise durchzustehen.

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Zeitdruck gebe es nicht, es gehe darum, jeden Moment auszukosten, sagte Borschberg. „Es ist fast wie eine innere Reise, am Ende geht es weniger darum, den Pazifik zu erforschen, sondern mich selbst.“

Die SI2 hat eine Flügelspannweite von 72 Metern - weiter als eine Boeing 747 -, wiegt aber mit 2300 Kilogramm nur etwa so viel wie ein Minivan. Die Energie kommt von 17.000 Solarzellen auf den Flügeln. Nach dem Flug nach Hawaii sind noch Zwischenstopps in Phoenix und New York vorgesehen, bevor es dann über den Atlantik zurück gen Osten geht.

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