SpaceX Elon Musk will Raketenteile mit „riesigem Party-Ballon“ aus dem Orbit holen

Elon Musk möchte mit einer ungewöhnlichen Methode Raketenteile recyceln: Ein Ballon soll sie im Orbit bremsen, damit sie auf eine „Hüpfburg“ fallen.

Der Unternehmer gab auf Twitter selbst zu, dass seine Idee verrückte klinge. Quelle: Reuters

Elon Musk ist für seinen Ideenreichtum bekannt: Er möchte mit seinen Elektroautos und der Hyperloop-Hochgeschwindigkeitsbahn den Verkehr revolutionieren und sogar Menschen zum Mars fliegen lassen.

Auf Twitter kündigte der Unternehmer nun ein neues Vorhaben an – und das klingt auf den ersten Blick reichlich absurd: Sein Raumfahrtunternehmen SpaceX werde versuchen, eine zweite Raketenstufe mit einem „riesigen Partyballon“ aus der Erdumlaufbahn zu holen. Diese solle dann wieder auf der Erde landen – und zwar auf einer Art „Hüpfburg“.

Weltraumraketen sind grundsätzlich mehrstufig aufgebaut. Dabei werden im Verlauf des Fluges leere Treibstofftanks oder nicht mehr benötigte Triebwerke abgeworfen. Das Gewicht der Rakete wird somit nach und nach verringert, die Rakete kann höhere Geschwindigkeiten erreichen. Die abgeworfenen Teile verglühen entweder in der Atmosphäre oder stürzen auf die Erde, so wie Anfang April die Überreste der chinesischen Raumstation Tiangong 1.

Der Ballon werde mit Helium gefüllt sein, schrieb Musk. Offenbar soll er das abgeworfene Raketenteil erst abbremsen und dann unbeschadet zur Erde schweben lassen. Der Vorteil eines solchen Ballons sei, dass er seine Form auch bei mehrfacher Schallgeschwindigkeit behalten könne, fuhr Musk fort.

SpaceX versucht, Teile von Weltraumraketen zurück auf die Erde zu holen, um sie wiederzuverwenden. So will das Unternehmen die enormen Kosten der Raumfahrt verringern. Bislang konnte SpaceX schon mehr als ein Dutzend Mal die erste Raketenstufe wiedergewinnen und recyceln, acht Mal wurden die Elemente im Meer aufgefangen.

Erst Ende März gelang es SpaceX zum ersten Mal, die Spitze einer Falcon-9-Rakete wieder aufzufangen. Der erste Versuch im Februar war misslungen, das Raketenteil hatte das Auffangnetz um einige hundert Meter verfehlt und war ins Meer gestürzt. Eine zweite Raketenstufe hat SpaceX bislang noch nicht zurückgewinnen können.

Für SpaceX können sich die Mühen durchaus lohnen. Der Start einer Falcon-9-Rakete kostet 62 Millionen Dollar. Allein der Preis für die Spitze der Rakete beläuft sich auf sechs Millionen Dollar. Ein Ballon wäre daher eine relativ günstige Möglichkeit, Kosten zu sparen.

Ein ähnliches Projekt hatte im vergangenen Jahr Armadillo Aerospace getestet, wie das Branchennewsportal Space.com berichtet. Das Weltraum-Startup schickte eine Rakete mit einem sogenannten „Ballute“, einem Hybrid aus einem Ballon und einem Fallschirm (englisch: Parachute), in den Orbit. Dieser öffnete sich jedoch nicht richtig, sodass die Rakete eine Bruchlandung hinlegte. Armadillo Aerospace forscht ebenso wie SpaceX an wiederverwendbaren Raketen.

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