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SpaceX vs. Ariane Betreibt Weltraum-Visionär Elon Musk Preisdumping?

So soll die neue Ariane-6-Rakete aussehen, wenn sie 2022 erstmals ins All startet. Quelle: dpa

Die europäische Ariane-Rakete hat ein Problem: SpaceX aus den USA ist billiger. Weil Firmenchef Elon Musk massiv von der US-Regierung unterstützt werde, sagt Ariane-Deutschland-Chef Pierre Godart im WirtschaftsWoche-Podcast.

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Sie ist schon mehr als 250 mal gestartet – und nur ein Dutzend mal nicht wie geplant im All angekommen: Jahrzehntelang galt die Ariane-Rakete, Europas Transporter in den Weltraum, als eine der zuverlässigsten und erfolgreichsten der Welt. Wer auf keinen Fall riskieren wollte, dass sein Satellit am Startplatz in Flammen aufgeht, buchte die Ariane.

Doch der Raumfahrt-Markt hat sich in den vergangenen Jahren gewaltig gewandelt. „Der Wettbewerbsdruck erhöht sich“, sagt Pierre Godart, Deutschlandchef beim Hersteller ArianeGroup, im „Chefgespräch“-Podcast mit WirtschaftsWoche-Chefredakteur Beat Balzli. „Da muss man als Europäer standhalten.“

Und das dürfte ihm zuletzt nicht gerade leicht gefallen sein. Zum einen verzögert sich die neue Generation der Rakete, die Ariane 6. Sie wird erst 2022 zum ersten Mal abheben statt 2020. Zum anderen hat Konkurrent SpaceX, der Raumfahrtkonzern von Elon Musk, den Markt aufgerollt. Er bietet Raketenstarts mit seiner Falcon 9 für weniger als 50 Millionen Dollar an – und ist damit heute schon preiswerter, als die Ariane 6 künftig sein wird.



Doch Ariane-Deutschlandchef Godart will den Vergleich nicht so stehen lassen. „Die Technologie von SpaceX ist hervorragend, nicht dass wir uns missverstehen“, sagt er. Doch: „Die Falcon 9 wird in den USA in den institutionellen Starts für deutlich über 100 Millionen Dollar verkauft“, sagt der Raumfahrtmanager. „In den kommerziellen Märkten wird die gleiche Rakete für unter 50 Millionen Dollar angeboten.“ Staatliche Auftraggeber zahlten Musk für einen Flug also mehr als das Doppelte als etwa ein privates Satellitenunternehmen.

Wettbewerb soll die Kosten senken

Damit habe Musk einen massiven Vorteil: „Er deckt alle seine Kosten und Investitionen durch den institutionellen amerikanischen Markt ab und somit kann er extrem aggressiv auf dem kommerziellen Markt auftreten“, sagt Godart. Gemessen am Wert der Aufträge lebe SpaceX zu 75 Prozent von staatlichen Buchungen – die Ariane dagegen nur zu 30 Prozent.

SpaceX – ein Konzern, der vom Staat gepampert wird? In der Tat ist es seit einer Dekade die Strategie der US-Behörden, private Raumfahrtunternehmen zu unterstützen und ihnen beim Wachsen zu helfen. Statt etwa Raketen selbst bei der Raumfahrtagentur Nasa zu entwickeln und für die Projekte private Unternehmen einzuspannen, sollen umgekehrt private Unternehmen die Raketen selbst entwickeln – und die Nasa bucht nur noch Flüge. Die Idee dahinter: Privater Wettbewerb soll helfen, die Kosten der gigantischen Raumfahrtprojekte zu senken.

US-Regierung gibt der Branche Starthilfe 

Hersteller und Betreiber von Trägerraketen haben von dieser Strategie besonders stark profitiert. Laut einer Studie der Investment-Firma SpaceAngels im Auftrag der Nasa haben US-Behörden zwischen 2000 und 2018 rund 7,2 Milliarden Dollar in 67 Raumfahrtunternehmen investiert. 93 Prozent der Gelder flossen in Raketenunternehmen.

Allein die Nasa habe SpaceX Verträge im Wert von 3,3 Milliarden Dollar beschwert, so der Bericht weiter. Hinzu kommen weitere Bestellungen, Forschungsfördermittel und direkte Subventionen, von denen SpaceX profitiert hat. „Öffentliche Gelder haben eine bedeutende Rolle gespielt, einen unternehmerischen Ansatz in der Raumfahrt zu unterstützen“, schreiben die Autoren.

Europa ist oft kompliziert

Doch SpaceX profitiert nicht nur von staatlichen Töpfen – sondern war auch sehr erfolgreich, private Investitionen einzusammeln, so wie andere Start-ups aus dem Sektor in den USA: Knapp 50 Prozent ihrer Investitionen sammelten sie von privaten Geldgebern. Zwischen 2000 und 2018 flossen insgesamt 19 Milliarden Dollar Wagniskapital in amerikanische Raumfahrtunternehmen.

Die USA haben es also geschafft, eine dynamische Raumfahrtbranche groß zu ziehen. Die profitiere von einer staatlichen Nachfrage, die die in Europa weit übertreffe, gibt Ariane-Chef Godart zu bedenken: Die staatlichen Raumfahrtbudgets in den USA lägen bei 60 Milliarden Dollar, in Europa nur bei zwölf.

Künftiger Esa-Chef sieht Handlungsdruck  

Gemessen daran, leiste die hiesige Branche gute Arbeit. „Wir sind in Europa so schlecht nicht“, sagt Godart. Räumt aber ein: „Wir sind manchmal langsam.“ Weil 13 Länder am Bau der Ariane beteiligt sind, seien die Abläufe schwerfälliger als bei einem US-Start-up, das von einem Standort aus agiere. 

Trotzdem betont Godart im WiWo-Chefgespräch-Podcast: „Die Vielfältigkeit, die wir in Europa haben, ist eine Stärke, keine Schwäche.“ Europa solle öfter auf die eigenen Erfolge schauen – und sie auch besser kommunizieren. „Wir bauen die zuverlässigste Rakete der Welt“, sagt der Manager. Sogar die Nasa habe darum für ihr zehn Milliarden Dollar teures James-Webb-Teleskop, das Exoplaneten und die ältesten Bereiche des Universums untersuchen soll, einen Flug bei der Ariane gebucht.

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Und doch bleibt der Druck durch die Billigkonkurrenz aus Übersee groß. Josef Aschbacher, der im Februar als neuer Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation Esa antritt, kündigte auf der Neujahrspressekonferenz der Esa darum schon an: „Ich werde mich auch darauf konzentrieren, was die nächste europäische Rakete danach sein wird.“ Was Trägerraketen angehe, müsse Europa neue Lösungen finden.

Mehr zum Thema: Im Chefgespräch-Podcast erklärt Ariane-CFO Pierre Godart, warum Elon Musk vielleicht doch nicht so genial ist und die US-Armee bei seiner Erfolgsstory kräftig nachhilft – und warum ein deutscher Weltraumbahnhof keine gute Idee ist.

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