WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Wiwo Web Push

Stahl der Zukunft Wie Textilien die Baubranche revolutionieren

Seite 4/5

Strom und Wärme aus Fasern

Fußballstadion während der WM in Brasilien Quelle: GMP Architekten

Die Wahl des Werkstoffs hat gleich zwei Vorteile. Zum einen lassen sich Dächer aus Stoff viel schneller fertigen und montieren als solche aus starren Baustoffen. Vor allem aber ließen sie sich nicht auf einem anderen Kontinent fertigen. So aber ist globaler Hochbau kein Problem: Die deutschen Hersteller nähen die Stadienhüllen und verschicken den Stoff gefaltet in 42 Containern nach Südamerika.

Dort wird das Material, 32.000 Quadratmeter teflonbeschichtetes Glasfasergewebe, am Stahlgerüst aufgezogen. Zum Start der Fußball-WM im Juni 2014 soll es stehen. Dabei sind die Häuser-Näher vom Niederrhein nicht die Einzigen, die mit der Technik vor der WM im Einsatz sind. Auch bei den Stadiondächern in Rio de Janeiro, Porto Alegre und Natal fiel die Wahl auf Stoff. Und wieder kommt er aus Deutschland: von den Nähmaschinen des Herstellers Hightex aus Bernau am Chiemsee.

In Deutschland haben sich Stoff-Dächer wegen der – bislang – schlechten Wärmedämmung nicht durchgesetzt. Doch dieses Manko haben Forscher vom Institut für Textil- und Verfahrenstechnik in Denkendorf mittlerweile behoben.

Den Weg zur Lösung wiesen ausgerechnet Eisbären: Deren Haut erwärmt sich in der Sonne, weil die durchsichtigen Haare das Licht zum Körper leiten, gleichzeitig isoliert der dichte Pelz gegen die Kälte. Zudem speichern die hohlen Haare die Temperaturen. Nach dem Prinzip haben die Denkendorfer Wissenschaftler im Januar 2013 ein erstes stoffgedecktes Haus eingeweiht. Der Eisbär-Pavillon genannte Bau sammelt im Sommer so viel Wärme im Stoffdach, dass er im Winter keine Heizung mehr braucht.

Mehrere Lagen dunkler Stoff aus Silikon, Polyester und Glasfasern auf dem Dach bilden den Sonnenkollektor. Darüber erhitzt sich die Luft auf bis zu 140 Grad. Die Hitze wird chemisch in einem Tank gespeichert und im Winter wieder freigesetzt. „Die textilen Sonnenkollektoren sind nicht teurer als herkömmliche Systeme“, versichert der Denkendorfer Bauingenieur Thomas Stegmaier. Er möchte die textile Solarheizung schon in fünf Jahren etwa für Einfamilienhäuser zur Marktreife bringen.

Und nicht nur Wärme lässt sich mit den smarten Stoffen erzeugen. Auch Licht. Möglich macht das ein Mix aus Licht leitenden Glas- oder Kunststofffasern und mikroskopisch kleinen Leuchtdioden. Unternehmen wie der Faserspezialist Bedea aus Aßlar bei Wetzlar fertigen daraus leuchtende Vorhänge. Selbst strahlende Tapeten als Beleuchtung für Hotels oder Bars ließen sich theoretisch aus dem technischen Gewebe fertigen. Oder ein leuchtender Dachhimmel fürs Auto.

Und sogar den benötigten Strom wollen innovative Entwickler bald mithilfe von Dächern und Fassaden produzieren. Robert Mather, Chef des Unternehmens Power Textiles aus dem schottischen Selkirk, arbeitet genau daran. Auf Polyestergewebe haben die Briten eine Aluminiumschicht sowie eine Schicht leitfähigen Kunststoff aufgetragen und das Ganze mit mehreren Lagen Silizium überzogen. Fertig ist die Fotovoltaikanlage auf Stoff.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%