Stephan Balzer, Singularity University "Die Zeiten, in denen man Veränderungen aussitzt, sind vorbei"

Die Singularity University ist die wichtigste Kader-Schmiede für Tech-Optimisten aus dem Silicon Valley. Ihr deutscher Statthalter Stephan Balzer erklärt, warum sie auch in Deutschland Führungskräfte ausbilden will.

Balzer ist erster Organisator von TEDx in Deutschland und Botschafter der Singularity University. Quelle: Presse

WirtschaftsWoche: Herr Balzer, Sie sind der „deutsche Botschafter“ der Singularity Universität. Nächste Woche findet in Berlin ein großer Kongress der Universität statt. Wie kam es dazu?
Stephan Balzer: Ich habe vor zwei Jahren selbst den sechstägigen Intensivkurs für Führungskräfte im Silicon Valley absolviert. Ich bin seit über 25 Jahren in der Technologiebranche tätig und dachte immer, ich weiß Bescheid. Aber der Kurs hat sich wie eine Frischzellenkur für mein Gehirn angefühlt. Besonders die Erkenntnis, wie Fortschritte in Künstlicher Intelligenz, Virtueller Realität oder Robotik zusammenlaufen und sich gegenseitig beschleunigen, hat mich aus meinem Alltagstrott rausgerissen. Danach wollte ich Singularity unbedingt nach Deutschland bringen.

Und dann haben Sie einfach die Gründer Peter Diamandis und Google-Chefingenieur Ray Kurzweil angesprochen?
Ja. Ich organisiere bereits seit vielen Jahren Veranstaltungen und habe auch der TED-Konferenz geholfen, in Europa Fuß zu fassen. Wir haben im vergangenen Jahr mit dem ersten Singularity Summit in Berlin losgelegt. Es kamen mehr als 600 Besucher. In diesem Jahr wird der Regierende Bürgermeister Michael Müller die Konferenz eröffnen. Wir sind ausverkauft und erwarten rund 1000 Teilnehmer.

Wie unterscheidet sich die deutsche Veranstaltung von amerikanischen Singularity-Konferenzen?
Da gibt es keine großen Unterschiede. Wir zeigen auf, wie rasant sich der technologische Fortschritt gerade weitentwickelt und halten Workshops ab, wie man diese Erkenntnis für das eigene Unternehmen umsetzen kann. Dafür werden Mitglieder der Singularity-Fakultät aus den USA kommen, wie zum Beispiel der frühere FBI-Zukunftsforscher Marc Goodmann oder Pascal Finette, der dort den Startup Accelerator leitet. Und  wir haben auch lokale Experten von Volkswagen, SAP oder der Charité dabei.

Der Think Tank ist vor allem für sein Führungskräftetraining im Silicon Valley bekannt. Hätte so etwas in Deutschland auch in Chancen?
Davon bin ich überzeugt. So sehr, dass ich mit den Machern verhandele, ein ähnliches Programm auch nach Deutschland zu bringen. Wenn wir, wie geplant, im Herbst die Verträge unter Dach und Fach haben, könnten wir im Frühjahr nächsten Jahres starten.

Ein Kritikpunkt an der Einrichtung ist, dass es für die Teilnehmer sehr schwierig ist, die dort gelehrten radikalen Theorien, etwa, dass das ewigen Leben machbar sei, zurück zu Hause anzuwenden.
Es geht ja nicht nur um das ewige Leben. Wir wollen das Bewusstsein schärfen, dass durch den exponentiell verlaufenden technologischen Fortschritt im Grunde jedes große Problem der Menschheit zu lösen ist. Es geht bei uns also darum zu lernen, wie man viel, viel größer denkt. Dies bei einem deutschen Mittelständler zurück zu Hause anzuwenden, ist sicherlich nicht leicht. Aber das ist auch normal. Dem technologischen Wandel muss sich  jeder in der eigenen Organisation stellen. Und wir geben Impulse, wie man das eigene Unternehmen selbst weiterentwickelt, statt abgewickelt zu werden. Die Zeiten, in denen man Veränderungen aussitzt, sind vorbei.

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