Sternstunde

Die atemberaubenden Twitterbilder der ISS-Astronauten

Andreas Menn Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Andreas Menn Redakteur Innovation & Digitales

Täglich knipsen Astronauten auf der Raumstation ISS die Erde. Die aufregendsten Bilder aus dem All und ihre Geschichten.

Die atemberaubenden Twitterbilder der ISS-Astronauten
Ein aktiver Vulkan auf einer Insel – Astronaut Parmitano sieht am 1. Juni bei einem Rundflug um die Erde gleich zwei davon. Er verrät nicht, wo die Aufnahme entstanden ist. Lesen Sie >>hier, wie die Bilder entstanden sind. Quelle: NASA/ESA
Rauch strömt aus der Spitze des Ätna. Der „sizilianische Gigant“, wie Parmitano den Vulkan in Süditalien nennt, ist immer wieder aktiv. Quelle: NASA/ESA
Sonne und Mond gehen gleichzeitig auf – auch für die Astronauten ein besonderer Anblick. Quelle: NASA
Flüsse des brasilianischen Regenwaldes fließen in den Atlantik, in dem sich die untergehende Sonne spiegelt. Quelle: NASA/ESA
Der große Wagen steht am Firmament – was sich bewegt, ist die Erde. Quelle: NASA
Der Nil und sein Delta. Das von Unruhen geplagte Ägypten – von Bord der ISS sieht es nachts ganz friedlich aus. Quelle: NASA/ESA
Detroit, Cleveland und Toronto leuchten hell bis ins All. Rechts deutet sich der Sonnenaufgang an – in Europa ist es schon hell. Quelle: NASA
„Die sieben Schwestern“, nennt Parmitanos Kollegin Nyberg die Pleiaden. Hier hat sie sie über dem Inselstaat Mauritius fotografiert. Im Indischen Ozean spiegelt sich das Mondlicht. Quelle: NASA
Esa-Astronaut Luca Parmitano schwebt Anfang Juni mit seinem Fotoapparat in der Cupola. Damals ist er seit fünf Tagen an Bord der ISS. „Warte auf ein Foto-Motiv“, schreibt er zu dem Foto von ihm auf Twitter. Quelle: NASA/ESA
Felder in Kansas, USA: „Wie ein Gemälde von Mondrian“, staunt Parmitano. Quelle: NASA/ESA
„Wir fliegen direkt über der Tag-Nacht-Grenze“, schreibt Parmitano. 16 Sonnenauf- und Untergänge sehen die Astronauten jeden Tag. Quelle: NASA/ESA
„Falls Ihr Euch fragt, wie ein Gewittersturm aus dem All aussieht“, schreibt Parmitano – und twittert das passende Bild dazu. Quelle: NASA/ESA
Ende Juli zieht ein Gewittersturm über Asien hinweg. „Die Blitze waren fantastisch“, schwärmt ISS-Astronautin Karen Nyberg auf Twitter. Quelle: NASA
Am 9. August fotografiert Nyberg das japanische Versorgungsmodel HTV4, das gerade an die Raumstation andockt. Rechts der Roboterarm der ISS. Quelle: NASA
Kurz vorher schwebt das Modul (links, mit grünem und rotem Licht) über der nächtlich erleuchteten Stadt Houston in Texas. Quelle: NASA
Kolossaler Schnappschuss: Das Mittelmeer, der Sternhaufen der Pleiaden (über dem Stiefelabsatz Italiens) und ein Gewitter über dem Balkan. Quelle: NASA/ESA
„Wenn Du diese Landmarke siehst, weiß Du, dass Du in Mauretanien bist“, schreibt Parmitano. Es handelt sich nicht etwa um einen Meteroitenkrater, sondern um einen erodierten Vulkan. Quelle: NASA/ESA
Astronautin Nyberg nimmt die gleiche Stelle rund einen Monat später aus einer anderen Perspektive auf. „Das Auge der Sahara“, nennt sie die Landmarke mit einem Anflug von Poesie. Quelle: NASA
Parmitano sieht den Mond aufgehen – hinter dem blauen Schleier der Erdatmosphäre. Quelle: NASA/ESA
Parmitano in der Aussichtskuppel Cupola: Bei einem Weltraumspaziergang vor wenigen Wochen floss dem Italiener Wasser in den Helm, er bekam fast keine Luft mehr. Quelle: NASA/ESA

Die sechs Astronauten auf der internationalen Raumstation ISS haben ein enormes Arbeitspensum: Sie führen Experimente durch, tauschen Luftfilter aus und montieren neue Geräte auf spektakulären Weltraumspaziergängen. Doch nach getaner Arbeit widmen sich die Raumfahrer einem ganz besonderen Hobby: Sie fotografieren die Erde – aus 400 Kilometern Höhe.

Die Bilder, die dabei entstehen, kann die ganze Welt wenig später im Netz bestaunen. Denn ihre Schnappschüsse veröffentlichen die Raumfahrer auf Twitter. Besonders eifrig teilen der Italiener Luca Parmitano und die Amerikanerin Karen Nyberg der Internet-Gemeinde mit, was sie aus dem All zu sehen bekommen.

Es sind Fotos von Waldbränden, Vulkanausbrüchen und Großstädten bei Nacht; von merkwürdigen Bauwerken in der Wüste und wunderschönen Inseln in der Südsee. Wie selten zuvor zeigen die Bilder, wie reich und vielfältig die Natur unseres Planeten ist – und wie verletzlich und klein die Erde doch erscheint, wenn man sie aus dem All betrachtet.

Hell strahlende Städte unter Nordlichtern und Sternen

Für ihre Fotoleidenschaft nutzen Parmitano, Nyberg und Kollegen eine ganz besondere Aussichtsplattform: Eine Glaskuppel namens Cupola, die erst vor dreieinhalb Jahren an der Raumstation angebracht wurde. Die rund drei Meter breite Kapsel bietet mit sechs Seitenfenstern und einem großen Hauptfenster einen Rundumblick auf die Erde – und bietet genug Platz für zwei Erwachsene samt Fotoausrüstung.

Nur ein kleiner Fleck im All
Dieser Schnappschuss von Erde und Mond (Pfeil) ist der Raumsonde Cassini geglückt. Die eigentlich zur Erkundung des Planeten Saturn ausgeschickte Sonde befand sich zum Zeitpunkt der Aufnahme rund 1,4 Milliarden Kilometer von unserem Heimatplaneten entfernt. Möglich wurde der Schnappschuss, weil die Sonne zum Zeitpunkt der Aufnahme hinter dem Planeten stand, dessen Rand man oben links erkennt, zusammen mit einem Teil seines bekannten Ringsystems. Bei einer anderen Sonnenposition wären Erde und Mond durch das Licht unseres Zentralgestirns überstrahlt worden. Quelle: dpa
Dieses 1972 von Astronauten der Nasa-Mondmission Apollo 17 gemachte Bild ist ein echter Klassiker. Als "Blue Marble" - so der Titel des Fotos - präsentierte sich die Erde den Raumfahrern aus einer Distanz von 45.000 Kilometern. Quelle: NASA
Neil Armstrong und Buzz Aldrin waren nicht nur die beiden ersten Menschen auf dem Mond, sie konnten auch als erste Betrachter diesen Anblick genießen: Die Erde geht über dem Mondhorizont auf. Klar, dass sie von diesem Ereignis ein Foto zur Erde funkten. Quelle: NASA
Erde und Mond auf einem Bild vereint - was uns heute alltäglich erscheint, war in den frühen Tagen der Raumsonde Voyager 1 eine Sensation. Am 18. September 1977 funkte die Sonde diesen Schnappschuss aus gut 11 Millionen Kilometern zur Erde, um sich dann auf ihre weite Reise durch das Sonnensystem zu machen. Quelle: NASA
Ein gutes Stück näher war die Sonde Galileo, als sie auf ihrem Weg zum Jupiter einen Blick zurück auf Erde und Mond warf. Doch nicht nur die geringere Distanz zwischen Kamera und Motiv - "nur" rund 6 Millionen Kilometer - sorgte für eine höhere Bildqualität im Vergleich zum Voyager-Bild, auch die Technik war ein gehöriges Stück weiter - das Galileo-Bild entstand 1992. Quelle: NASA
Zugegeben, besonders eindrucksvoll wirkt die Erde auf diesem Bild nicht gerade. Und doch hat diese Aufnahme aus dem Jahr 2004 großen historischen Wert: Erstmals wurde unser Heimatplanet von der Oberfläche eines anderen Planeten aus fotografiert. Den kleinen Lichtpunkt am Himmel über dem Planeten Mars fing die Kamera des Nasa-Rovers Spirit ein. Zum Zeitpunkt der Aufnahme betrug die Entfernung zwischen beiden Planeten rund 65 Millionen Kilometer. Quelle: NASA
Auch dieses Bild der Erde wurde von einer Marssonde gemacht, dem Mars Global Surveyor. Die nachträglich eingefügten Details in der rechten Darstellung verdeutlichen, welchen Teil unseres Heimatplaneten die Sonde aus knapp 140 Millionen Kilometern ins Bild setzte. Quelle: NASA
Merkur, den sonnennächsten Planeten unseres Sonnensystems, erkundete die Raumsonde Messenger. Als sie im Mai 2010 einen Blick zurück warf, gelang ihr dieser Schnappschuss von Erde und Mond aus einer Distanz von 183 Millionen Kilometern. Quelle: NASA
Ein winziger blauer Punkt, mehr blieb von der Erde nicht übrig, als die Sonde Voyager 1 sie im Februar 1990 aus rund sechseinhalb Milliarden Kilometer Entfernung ins Bild setzte. Die auffälligen Streifen im Bild sind Lichtreflexe, die entstanden, weil sich unser Heimatplanet zum Zeitpunkt der Aufnahme aus Voyagers Perspektive nahe an der Sonne befand. Quelle: NASA

Von diesem Ort entstanden auch spektakuläre Videoaufnahmen ganzer Kontinente, mit hell strahlenden Städten unter Nordlichtern und Sternen. Weil sich die ISS mit 7,7 Kilometern pro Sekunde fortbewegt, verwackeln auf der Nachtseite der Erde Fotos, die die Astronauten aus freier Hand knipsen. Darum nutzen die orbitalen Hobby-Fotografen ein motorisiertes Stativ namens NightPod, das die Bahnbewegung der Raumstation ausgleicht und die einprogrammierten Koordinaten des gewünschten Fotomotivs immer im Mittelpunkt des Kameraausschnitts hält.

Auf ihrem Flug über die Erde bekommen Parmitano,  Nyberg und Co. mehr geboten als jeder andere Mensch: Binnen 90 Minuten haben sie die Erde einmal umrundet – und die Waldbrände in Kalifornien, Wüsten in Afrika und Japan bei Nacht gesehen. Wer nachfühlen will, wie das Reisen bei Tempo 27600 Kilometern pro Stunde ist, kann sich im Internet einen Livestream anschauen, den eine Kamera von der ISS zur Erde funkt.

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