Sternstunde

Die glühende Gefahr der Sonnenstürme

Meike Lorenzen
Meike Lorenzen Ehem. Redakteurin Technologie WirtschaftsWoche Online

2013 wird es stürmisch. Weltraumexperten haben für Mitte des Jahres eine besonders hohe Sonnenaktivität vorausgesagt. Durch Eruptionen an der Oberfläche werden sich gigantische Gasbälle lösen und gen Erde schießen.

Eruptionen auf der Sonnenoberfläche Quelle: dpa

Es ist nur schwer nachvollziehbar, was wir Menschen auf der Erde mit einem Sturm zu tun haben sollen, der mindestens 47,1 Millionen Kilometer von unserem Planeten entfernt durch den Kosmos rauscht. Doch das Weltraumwetter - insbesondere die Sonnenstürme - betreffen unser Leben unmittelbar. Denn die elektronisch geladenen Partikel, die mit dem Sturm in unsere Umlaufbahn geraten, können den Satellitenfunk und damit unsere kompletten modernen Kommunikationswege lahmlegen.

Kein Wunder also, dass der Bedarf an Wissenschaftlern, die sich mit den Phänomenen des Weltraumwetters auskennen, in den vergangenen Jahren massiv gestiegen ist. Eine, die seit über zehn Jahren in diesem Feld forscht, ist Alexi Glover. Die studierte Physikerin arbeitet bei der ESA (European Space Agency) vor den Toren der spanischen Hauptstadt Madrid. Seit kurzem gehört sie dem internationalen Team des "Space Situation Awareness"-Programms an und ist hier quasi als Wetterfrosch angestellt. "Seit Mitte der 90er Jahre ist der Begriff Weltraumwetter überhaupt erst gebräuchlich", sagt sie. "Seit den Anfängen unserer Arbeit hat das Interesse an den Stürmen im All stark zugenommen."

Der Grund dafür ist so logisch wie beängstigend: Unsere Gesellschaft hat sich im Zuge der technischen Entwicklungen immer mehr von Telekommunikations- und GPS-Satelliten im Weltraum abhängig gemacht. Seit der russische Satellit Sputnik 1 im Jahr 1957 ins All geschossen wurde, haben tausende Nachfolger ihren Weg in das Sonnensystem gefunden. Und mit der verstärkten Nutzung dieser Technologie ist das All zu einem entscheidenden Bestandteil unserer Infrastruktur geworden.

Sonnenstürme können Kommunikation zum erliegen bringen

Die Satelliten stellen dafür die Basis: vor allem das Fernsehen und präzise Navigation wären ohne die Helfer in der Erdumlaufbahn nicht möglich. Auch die digitale Kommunikation über das Internet wäre von einem heftigen Sonnensturm betroffen - mit Auswirkungen für Bereiche von der Börse bis zur alltäglichen Bürokommunikation. All dies kommt heute ohne das konstante Senden von Informationen nicht mehr aus.

Fallen Satelliten aus, sind die Folgen für uns Erdbewohner also verheerend. Die Sorge ist groß, ein Sonnensturm könne wichtige Satelliten beschädigen. Passiert ist das bereits 1989, als ein Sonnensturm in der kanadischen Provinz Québec zu einem Stromausfall führte, von dem ganze sechs Millionen Menschen in der Region um Montreal betroffen waren. Der bisher heftigste Sonnensturm seit Beginn der Aufzeichnungen wurde in der Nacht vom 1. auf den 2. September 1859 registriert. Das gerade neu installierte weltweite Telegrafennetz soll dabei stark beschädigt worden sein.

Seit dem Siegeszug des stationären wie mobilen Internets hat sich die Abhängigkeit von Satelliten konsequent verstärkt. Und damit auch der Bedarf an sicheren Analysen darüber, was im All eigentlich passiert. Damit zurück zu Alexi Glover vor den Toren von Madrid.

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