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Sternstunde

Sara Seager ist dem Leben im All auf der Spur

Meike Lorenzen
Meike Lorenzen Ehem. Redakteurin Technologie WirtschaftsWoche Online

Die Astronomin des MIT sucht nach Lebewesen im Weltall. Der WirtschaftsWoche Online verriet sie im Interview, was sie antreibt und warum sie glaubt, dass die Forschung schon in zehn Jahren fündig werden könnte.

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Sara Seager ist als Astrophysikerin und Planetenforscherin am MIT beschäftigt. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt unter anderem auf der Daten-Analyse rund um Exoplaneten. Copyright: Justin Knight/MIT Quelle: Presse

WirtschaftsWoche Online: Werden wir wirklich in den nächsten zehn Jahren Leben im Weltraum finden?

Sara Seager: Durch das Erforschen der Atmosphäre haben wir erstmals technisch die Möglichkeit, andere Exoplaneten zu finden. Wenn das Leben überall auf ihnen möglich ist, haben wir eine Chance. Falls sich jedoch herausstellt, dass diese bewohnbaren Planeten sehr selten sind, werden wir kaum Leben finden.

Schaut man sich Vorträge von Ihnen an, scheinen Sie sich Ihrer Sache ja aber doch sehr sicher zu sein.

Naja, Astronomen wissen, wie man Planeten findet und auch ihre Atmosphäre genau studiert. Bisher war diese Forschung jedoch auf die gigantisch großen Planeten beschränkt. Mit den neuen Weltraumteleskopen, die gerade gebaut werden, wird die Forschung in der Lage sein, auch kleinere Felsplaneten zu finden und genau zu untersuchen. Daher bin ich sicher, dass wir auf interessante Objekte stoßen werden. Ob auf diesen Planeten Leben möglich ist, oder es sogar schon Leben gibt, weiß ich im Moment natürlich noch nicht. Auch nicht, ob das Leben auf den Planeten dessen Atmosphäre so beeinflusst, dass wir es entdecken können.

Die großen Eso-Teleskope in Chile

Warum ist gerade die Atmosphäre von Planeten so wichtig für die Forschung? Beziehungsweise, wonach halten Sie genau Ausschau?

Es gibt drei Größen, die wir quantitativ messen können. Erstens: Wie viele Sterne finden wir? Zweitens: Welcher Anteil dieser Sterne ist still, also variiert nicht in seiner Helligkeit? Drittens: Wie viele kleine Felsplaneten, also feste Planeten wie die Erde, befinden sich so nah an dem Stern, dass Leben theoretisch möglich wäre.

Dazu kommen drei Größen, die eher qualitativer Natur sind. Zum einen der Anteil eines Planetensystems, den unsere Teleskope erkennen können. Zum anderen der Anteil der Planeten, auf denen es Leben gibt und dann noch die Planeten, von denen bestimmte Strahlungen ausgehen, die auf Leben hindeuten.

All diese Größen fließen in eine Formel, mit der wir berechnen können, dass sich vermutlich innerhalb der nächsten zehn Jahre Leben im Weltall finden lässt.

Das Rätsel der Gase

Auf dem Mars wiegen wir nur die Hälfte
Viele Menschen werden sich freuen: Auf dem Mars reduziert sich das Gewicht - wiegt also jemand 75 Kilo auf der Erde, so ist er auf dem Mars mit 28 Kilo ein Fliegengewicht. Quelle: Reuters
Aufgrund seiner Beschaffenheit würde der Saturn auf dem Wasser schwimmen. Er ist ein Gasplanet und besteht zu 96 Prozent aus Wasserstoff, deshalb weist er auch die geringste mittlere Dichte auf. Der Saturn war schon vor der Erfindung des Fernrohrs bekannt, weil er als äußerster Planet mit dem Auge problemlos zu erkennen ist. Quelle:
Die Mondlandung war ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer für die Menschheit: Insgesamt waren Astronauten bislang 300 Stunden auf dem Mond. Quelle: dpa
Der höchste Berg auf der Erde ist zweifelsohne der Mount Everest mit 8848 Metern. Er wird allerdings vom Olympus Mons auf dem Mars überragt, der 26 Kilometer zählt. Quelle: dapd
Angeblich soll es mehr Sterne geben als Sandkörner auf der Erde: Ein australischer Astronom geht davon aus, dass es etwa 70 Tausend Millionen Millionen Millionen Sterne gibt - und da sind nur die "gezählt", die mit modernen Teleskopen erkennbar sind. Quelle: dpa/dpaweb
Bis auf Merkur und Mars haben alle Planeten in unserem Sonnensystem Monde: Mit 67 Monden hat der Jupiter die meisten. Es folgt der Saturn mit 62 Monden. Quelle: REUTERS
Die Entfernung zwischen Mond und Erde beträgt 384.400 km: Das wird allerdings jedes Jahr ein bisschen mehr. Durchschnittlich in 27 Tagen und sieben Stunden umkreist der Mond die Erde. Quelle: dpa

Gibt es wirklich schon genug Daten, um so eine Berechnung anzustellen?

Für die ersten drei Größen: ja. Noch nicht für die vierte Größe, und die letzten beiden sind hoch spekulativ.

Wo machen Sie sich zuerst auf die Suche?

Anzeichen von Leben suchen wir zuerst auf Planeten, auf deren Oberfläche es nicht zu heiß und nicht zu kalt ist – die also genau die richtige Temperatur haben, damit das Wasser auf dem Planeten flüssig ist. Nur unter diesen Umständen ist Leben überhaupt möglich.

Und nach welchen Anzeichen halten Sie Ausschau?

Wir suchen Gase, die an Orten auftreten, wo sie nicht hingehören. Besonders wenn diese in der Atmosphäre eines Exoplaneten auftreten, untersuchen wir, ob sie durch Leben auf dem Planeten entstanden sein könnten. Zum Vergleich: Auf der Erde ist Oxygen ein Gas, das durch lebende Organismen produziert wird. Weil es Leben auf der Erde gibt, ist das Gas zehn Milliarden Mal höher konzentriert, als es das ohne Pflanzen und Photosynthese-Bakterien wäre.

Werden wir denn irgendwann auch intelligentes Leben finden?

Gute Frage. Durch die Untersuchung von Gasen werden wir den Unterschied zwischen intelligenten Wesen und Bakterien nicht herausbekommen. Aber ich suche auch nicht ausschließlich nach intelligentem Leben.

Forschung



Warum eigentlich? Weil die Suche nach Leben so populär ist, und sich so leichter Geldgeber finden lassen?

Heutzutage ist es eine riesige Herausforderung, eine Finanzierung für jegliche astronomische Forschung auf die Beine zu stellen. Aber es stimmt schon, das Thema ist populär, weil jeder wissen will, ob es da draußen Leben gibt.

Und Ihre persönliche Motivation?

Ich möchte endlich beginnen, die Frage zu beantworten, ob Leben in unserem Universum verbreitet ist.

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